Raute

Eigenschaften einer Raute:
Jeweils zwei Seiten sind zueinander parallel und die Verbindungslinien der gegenüberliegenden Ecken schneiden einander im rechten Winkel

Eine Raute oder ein Rhombus (von altgriechisch ῥόμβος rhómbos) ist in der Geometrie ein ebenes Viereck mit vier gleich langen Seiten. Gegenüberliegende Seiten sind parallel und gegenüberliegende Winkel gleich groß.

Rautendekor am Giebel des Südquerhauses der Kirche St Étienne in Beauvais, Picardie

Etymologie

Das Etymologische Wörterbuch der deutschen Sprache sieht eine Verwendung des geometrischen Begriffs „Raute“ (mittelhochdeutsch rūte von althochdeutsch rūta, entlehnt von lateinisch ruta) seit dem 14. Jahrhundert und nennt die Entstehung „dunkel“. Den Auflagen von 1934 bis 1975 zufolge ergebe sich ein Rhombus, wenn die Spitzen der vier Kronblätter der Rautenblüte durch Geraden verbunden würden. Die Erstverwendung in der Geometrie sei für 1539 bezeugt. Spätere Auflagen enthalten diese Erklärung nicht mehr und führen nur eine fachsprachlich gleichbedeutende spätmittelhochdeutsche Form rūta an. Botanische etymologische Lexika weisen darauf hin, dass die Weinraute keine rhombische Laubblattspreite habe. Dem Etymologischen Wörterbuch von Wolfgang Pfeifer zufolge entstand der Begriff durch die „zuerst in der Heraldik auftretende geometrische Figur in der stilisierten vierteiligen Blütenform der Pflanze“ als Entlehnung aus lateinisch rūta, griechisch rhȳtḗ (ῥυτή) („Bitterkraut“).

Doppelkreuz, Rhombus und Stern auf einer Rechenmaschine

Bezeichnungen und Darstellungen

Neben „Raute“ werden die Ausdrücke „Rhombus“ (Plural: Rhomben) und „Karo“ verwendet. Beispielsweise heißt ein Webmuster bei Textilien: „Karomuster“.

Ein Quadrat, das auf der Spitze steht, wird manchmal ebenfalls verallgemeinernd als Raute bezeichnet.

Rautenformen als Schriftzeichen finden sich in Unicode im Block Geometrische Formen, beispielsweise ◆ (U+25C6 black diamond „vollflächiges Karo“), ◇ (U+25C7 white diamond „hohles Karo“) und ◊ (U+25CA lozenge „Rhombus“).

In der Heraldik heißen rautenförmige Elemente auch Wecke und Spindel, das auf die Spitze gestellte Quadrat auch Kantenwürfel.

Eigenschaften

Eine Raute ist ein ebenes Viereck mit vier gleich langen Seiten. Alternativ lässt sich die Raute als Parallelogramm definieren, dessen Diagonalen einander rechtwinklig schneiden.

Für jede Raute gilt:

Die Raute kann charakterisiert werden als

Um eine Raute zu konstruieren, sind zwei Bestimmungsstücke, z.B. die Seitenlänge und ein Winkel, notwendig.

Formeln

Mathematische Formeln zur Raute
Flächeninhalt A = a \cdot h_a
{\displaystyle A={\frac {e\cdot f}{2}}}
{\displaystyle A=a^{2}\cdot \sin(\alpha )=a^{2}\cdot \sin(\beta )}
{\displaystyle A={\frac {h_{a}^{2}}{\sin(\alpha )}}={\frac {h_{a}^{2}}{\sin(\beta )}}}
Umfang {\displaystyle u=4\cdot a}
Seitenlänge {\displaystyle a={\frac {1}{2}}\cdot {\sqrt {e^{2}+f^{2}}}}
Länge der Diagonalen {\displaystyle e=2\cdot a\cdot \cos \left({\frac {\alpha }{2}}\right)=2\cdot a\cdot \sin \left({\frac {\beta }{2}}\right)}
{\displaystyle f=2\cdot a\cdot \sin \left({\frac {\alpha }{2}}\right)=2\cdot a\cdot \cos \left({\frac {\beta }{2}}\right)}
Inkreisradius {\displaystyle r_{i}={\frac {h_{a}}{2}}={\frac {a\cdot \sin(\alpha )}{2}}={\frac {a\cdot \sin(\beta )}{2}}}
Höhe {\displaystyle h_{a}=a\cdot \sin(\alpha )=a\cdot \sin(\beta )}
{\displaystyle h_{a}={\frac {e\cdot f}{\sqrt {e^{2}+f^{2}}}}}
Innenwinkel \alpha + \beta = 180^\circ
Rautendekor am Giebel des Südquerhauses der St Julien, Chauriat, Auvergne

Optimierungsprobleme und das Quadrat

Es gibt verschiedene Optimierungsprobleme für Rauten. Sucht man eine Raute, die bei

hat, dann ergibt sich als Lösung jeweils das Quadrat.

Jeweils zwei der sechs Optimierungsprobleme sind im Prinzip dieselbe Fragestellung mit anderen gegebenen Größen, sodass es eigentlich nur drei verschiedene Optimierungsprobleme sind. Für die genannten Optimierungsprobleme ist das Quadrat die gesuchte Raute. Das gilt selbstverständlich nicht für alle Optimierungsprobleme.

Dass die Optimierungsprobleme für die Höhe und den Flächeninhalt des Inkreises jeweils dieselbe Lösung haben, ist offensichtlich, weil der Flächeninhalt {\displaystyle \pi \cdot r_{i}^{2}={\frac {1}{4}}\cdot \pi \cdot h_{a}^{2}} des Inkreises eine stetige und streng monoton steigende Funktion mit der Funktionsvariablen {\displaystyle h_{a}} ist.

Ist zum Beispiel bei gegebener Höhe {\displaystyle h_{a}} die Raute mit dem kleinsten Flächeninhalt gesucht, dann kann man den Flächeninhalt mit Ungleichungen abschätzen.

Eine Raute mit den Diagonalenlängen e und f hat die Höhe {\displaystyle {\frac {e\cdot f}{\sqrt {e^{2}+f^{2}}}}} und den Flächeninhalt {\displaystyle {\frac {e\cdot f}{2}}}. Das Quadrat mit der Seitenlänge {\displaystyle {\frac {e\cdot f}{\sqrt {e^{2}+f^{2}}}}} hat dieselbe Höhe und den Flächeninhalt {\displaystyle {\frac {e^{2}\cdot f^{2}}{e^{2}+f^{2}}}}. Wegen der Ungleichung vom arithmetischen und geometrischen Mittel {\displaystyle {\sqrt {e\cdot f}}\leq {\frac {e+f}{2}}} gilt {\displaystyle {\frac {e^{2}\cdot f^{2}}{e^{2}+f^{2}}}\leq {\frac {e\cdot f}{2}}} für alle positiven Diagonalenlängen e und f und Gleichheit genau dann, wenn {\displaystyle e=f} ist. Daraus folgt, dass das Quadrat die Raute mit dem kleinsten Flächeninhalt ist.

Kombinationen mehrerer Rauten

Zum Stern („Rautenstern“) schließen sich nur Rauten, deren Zentriwinkel (also der Winkel in der Spitze, in der man sie aneinanderlegt) gleich 360^\circ/n mit einer natürlichen Zahl n ist. Sie bilden dann einen n-zackigen Stern. Das gilt nicht für den dreidimensionalen Fall, hierbei lassen sich auch anderswinklige Rauten in ihrer Spitze aneinanderfügen und ergeben dann pyramidenförmige Spitzen.

Parkettierungen mit Rauten

Rhombendach der Marienkirche in Dortmund

Polyeder mit Rauten

Einige Polyeder haben Rauten als Seitenflächen, zum Beispiel die Rhomboeder. Die Oberfläche von Rhombendodekaeder und Rhombentriakontaeder, zweier catalanischer Körper, besteht aus kongruenten Rauten. Rhomboeder, Rhombendodekaeder und Rhombentriakontaeder sind Polyeder, die ausschließlich von Rauten begrenzt sind. Die genannten Polyeder sind drehsymmetrisch, d.h., sie können durch Drehung um bestimme Rotationsachsen auf sich selbst abgebildet werden.

Rauten in Architektur, Kunst und Design

Ein aus Kieselsteinen gelegtes Rautenmosaik in der altmakedonischen Hauptstadt Pella stammt aus alexandrinischer Zeit. Beliebt waren abstrahierte Rautenmuster als apotropäische Zeichen in der Kunst der Berber im Maghreb. In der europäischen Kunst sind sie dagegen nur selten anzutreffen, Beispiele finden sich etwa im Dekor der Südseite der Prioratskirche St-Julien in Chauriat oder im Giebel des Nordquerhauses der Kirche St Étienne in Beauvais.

Das Rhombendach ist ein Turmdach, das sich aus vier rautenförmigen Dachflächen zusammensetzt. Die Dachschrägen sind gegenüber den Giebelwänden um 45 Grad versetzt.

Die Rhombusleiste wird zur Verkleidung von Fassaden oder für Sichtschutzwände eingesetzt. Der Querschnitt bildet jedoch üblicherweise keine Raute, sondern ein Parallelogramm.

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Basierend auf einem Artikel in: Wikipedia.de
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 19.06. 2021