Shiftoperator
Shiftoperatoren (Shift-Operatoren, Verschiebeoperatoren, Verschiebungsoperatoren) werden im mathematischen Teilgebiet der Funktionalanalysis betrachtet. Beim unilateralen Shiftoperator (s.u.) handelt es sich um einen konkreten nichtnormalen Operator auf einem Hilbertraum. Dieser Operator hat viele Eigenschaften, zu denen es keine endlichdimensionale Entsprechung gibt.
Definition
Ein unendlichdimensionaler separabler
Hilbertraum ist nach dem Satz
von Fischer-Riesz isometrisch
isomorph zu ,
wobei
eine abzählbar
unendliche Menge ist, zum Beispiel
oder
.
Der Operator
heißt bilateraler Shiftoperator.
heißt unilateraler Shiftoperator. Die Bezeichnung Shiftoperator rührt daher, dass diese Operatoren die Folgenglieder um eine Indexposition verschieben. Beim bilateralen Shiftoperator sind Indizes auf beiden Seiten der Null betroffen, positive wie negative, beim unilateralen Shiftoperator nur die Indizes einer Seite, nämlich nur die positiven. In der mathematischen Literatur steht Shiftoperator, ohne weiteren Zusatz, in der Regel für den unilateralen Shiftoperator. Oft lässt man auch den Wortbestandteil Operator fort und spricht einfach vom Shift.
Fasst man
als Unterraum von
auf, indem man
mit
identifiziert, so sieht man, dass
ist, das heißt, der unilaterale Shiftoperator ist eine Einschränkung des
bilateralen Shiftoperators.
Der bilaterale Shift
Der bilaterale Shift
ist ein unitärer
Operator, die Umkehrung
ist der adjungierte
Operator
.
Das Spektrum
des bilateralen Shifts ist die gesamte Kreislinie, das heißt .
Kein Element des Spektrums ist ein Eigenwert.
Der unilaterale Shift
Der unilaterale Shift
ist eine Isometrie, die nicht surjektiv
ist, denn das Bild ist die Menge aller Folgen aus
,
deren erste Komponente 0 ist. Damit ist
ein injektiver
linearer Operator, der nicht surjektiv ist; dies ist ein Phänomen, das in der
Theorie der endlichdimensionalen Räume, das heißt in der linearen Algebra, nicht
vorkommt.
Der adjungierte Operator ist
.
Damit folgt sofort
und
,
wobei letzteres für die Orthogonalprojektion
auf das Bild von
steht. Insbesondere ist
nicht normal.
Man kann sogar zeigen, dass der Shiftoperator von jedem unitären Operator genau
den maximal möglichen Normabstand 2 hat.
Das Spektrum des Shiftoperators
Das Spektrum von
ist die volle Kreisscheibe:
.
Keiner der Spektralpunkte ist ein Eigenwert.
Die Spektralpunkte
mit
sind aber sogenannte approximative Eigenwerte, das heißt, es gibt eine
Folge
von Vektoren mit Norm
1, so dass
.
Für die inneren Spektralpunkte
mit
gilt das nicht.
Das Spektrum des adjungierten Operators
ist ebenfalls die volle Kreisscheibe und der Kreisrand besteht ebenfalls aus
lauter approximativen Eigenwerten, die keine echten Eigenwerte sind. Die inneren
Spektralpunkte
mit
sind sämtlich Eigenwerte von
.
Die zugehörigen Eigenräume
sind alle eindimensional, der Eigenraum zu
wird von
erzeugt.
Der Shiftoperator als Fredholm-Operator
Der Shiftoperator
ist ein Fredholm-Operator
mit
.
Daher ist das Bild
in der Calkin-Algebra
unitär, was man aber auch ohne den Begriff des Fredholm-Operators den Formeln
und
entnimmt. Das Spektrum von
ist die Kreislinie.
Wold-Zerlegung
Ein stetiger linearer Operator
auf einem Hilbertraum H ist unitär äquivalent zum Shiftoperator, wenn es einen
unitären Operator
gibt mit
.
Ist
irgendein Operator auf
,
so heißt ein Unterraum
invariant (bezüglich
),
falls
.
Mit diesen Begriffen kann man nun alle Isometrien auf einem Hilbertraum
beschreiben. Eine Isometrie ist im Wesentlichen eine direkte Summe aus einem
unitären Operator und einigen Shiftoperatoren, genauer:
- Ist
eine Isometrie auf einem Hilbertraum
, so zerfällt
in eine direkte Summe
invarianter Unterräume, so dass
unitär ist und jeder Operator
unitär äquivalent zum Shiftoperator ist.
Dabei kann
sein, das heißt, der unitäre Anteil der Isometrie verschwindet, aber auch
und somit
,
dann ist die Isometrie unitär. Diese Darstellung einer Isometrie nennt man auch
ihre Wold-Zerlegung oder Wold-von Neumann-Zerlegung (nach Herman Wold und John von Neumann).
Der Shiftoperator auf H2
Sei
die Kreislinie und
das auf 1 normierte Lebesgue-Maß
auf
,
das heißt das Bildmaß
des Lebesgue-Maßes auf dem Einheitsintervall [0,1] unter der Abbildung
.
,
der sogenannte Hardy-Raum,
ist definiert als der von den Funktionen
erzeugte Unterraum im Hilbertraum
.
Man kann zeigen, dass die Multiplikation mit der Funktion
einen stetigen, linearen Operator auf
definiert. Da die Funktionen
eine Orthogonalbasis
des Hardy-Raums bilden, ist dieser Operator unitär äquivalent zum Shiftoperator,
und man bezeichnet ihn auch einfach als Shiftoperator. In dieser speziellen
Darstellung des Shiftoperators erscheint der Shiftoperator als ein
Multiplikationsoperator.
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 15.12. 2020