Ammoniumnitrat

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung
03 - Brandfördernd
Achtung
H- und P-Sätze H: Kann Brand verstärken; Oxidationsmittel.
P: Von Hitze / Funken / offener Flamme / heißen Oberflächen fernhalten. Nicht rauchen.
EU-Gefahrstoffkennzeichnung
Brandfördernd
Brand-
fördernd
(O)
R- und S-Sätze R:
  • Feuergefahr bei Berührung mit brennbaren Stoffen.
  • Explosionsgefahr bei Mischung mit brennbaren Stoffen.
S:
  • Vor Hitze schützen.
  • Von Zündquellen fernhalten - Nicht rauchen.
  • Explosions- und Brandgase nicht einatmen.

Ammoniumnitrat ist das Salz, das sich aus Ammoniak und Salpetersäure bildet. Es wird insbesondere zur Herstellung von Düngemitteln und Sprengstoffen verwendet.

Herstellung

Ammoniumnitrat (NH4NO3) entsteht durch Neutralisation von Ammoniak mit Salpetersäure.

\mathrm{\ NH_3+HNO_3 \to NH_4NO_3}

Die Reaktion verläuft mit einer Reaktionswärme von -146 kJ/mol stark exotherm.

Eigenschaften

Physikalische Eigenschaften

Ammoniumnitrat bildet farblose hygroskopische Kristalle, die bei 169,6 °C schmelzen. Der Feststoff kann in fünf verschiedenen polymorphen Kristallformen vorliegen, deren Umwandlungstemperaturen bei −16,9 °C, 32,3 °C, 84,2 °C und 125,2 °C liegen. Für die Neigung von Ammoniumnitrat-Kristallen zum Zusammenbacken sind dabei namentlich die ersten beiden Phasenumwandlungen in Nähe zur Raumtemperatur verantwortlich. Die polymorphen Formen treten in verschiedenen Kristallgittern auf:

Kristallgitter der Modifikationen
Polymorph I 169,6 °C - 125,2 °C kubisch
Polymorph II 125,2 °C - 84,2 °C tetragonal
Polymorph III 84,2 °C - 32,2 °C orthorhombisch
Polymorph IV 32,2 °C - -16,9 °C orthorhombisch
Polymorph V < -16,9 °C tetragonal

Der Phasenübergang zwischen den Polymorphen IV und III bei 32,2 °C ist bei der Handhabung aber auch Lagerung der Substanz relevant. In Formulierungen für Düngemittel oder Sprengstoffen kann dieses Verhalten zu unerwünschten Änderungen der Morphologie und damit der Eigenschaften führen. Durch Dotierung mit verschiedenen Salzen kann dieser Phasenübergang unterdrückt werden, um sogenanntes phasenstabilisiertes Ammoniumnitrat zu erhalten. Geeignete Salze können verschiedene Kaliumsalze, wie Kaliumfluorid, Kaliumchlorid, Kaliumnitrat, Kaliumcarbonat, Kaliumsulfat, Kaliumrhodanid und Kaliumdichromat sein, die allerdings mit einem Anteil von 1 bis 2 Ma% zugesetzt werden müssen.> Der Effekt kann auch mit einer wesentlich geringeren Menge von 0,1 Ma% Kaliumhexacyanidoferrat(II) K4[Fe(CN)6] · 3H2O erreicht werden.

Mit der hygroskopischen Eigenschaft des Ammoniumnitrats ist eine starke Schmelzpunkterniedrigung verbunden: Schon eine Wasseraufnahme von nur 1 Masseprozent (Ma%) senkt den Schmelzpunkt des Salzes auf etwa 156 °C. Umgekehrt zeigt das Phasendiagramm bei einem Ammoniumnitratgehalt von 42 Ma% ein Eutektikum mit einem Schmelzpunkt von -16,9 °C. — das in Wasser sehr leicht lösliche Ammoniumnitrat bewirkt also bis zu einem Gehalt von 42 Ma% eine Schmelzpunkterniedrigung des Wassers, worauf seine Anwendung u.a. in Kältemischungen beruht. Bei höheren Massenanteilen liegt das Ammoniumnitrat in zwei Phasen vor, zum einen der wässrigen Lösung, zum anderen dem Salz selbst als festem Bodensatz (bei 20 °C ab ca. 65 Ma%, bei 100 °C ab ca. 91,5 Ma%):

Ammonium nitrate water phase diagram.png

Bei hohem Druck sinkt die Wasserlöslichkeit drastisch: Bei Normaldruck und 25 °C enthält das Gemisch noch 67,6 Ma% Ammoniumnitrat, bis zu einem Druck von 12 kbar dagegen sinkt dieser Anteil auf nur noch 25,4 Ma%. Bei einem Druck von 12,1 kbar und einem Gehalt von 25,3 Ma% schneiden sich die Phasengrenzlinien zwischen der einphasigen Lösung und dem zweiphasigen Gemisch aus Lösung und Eis bzw. aus Lösung und Ammoniumnitrat als Polymorph IV. Oberhalb dieses Druckes liegt ein zweiphasiges Gemisch aus Eis und festem Ammoniumnitrat vor und es kann keine Lösung mehr existieren.

Strukturformel
Strukturformel von Ammoniumnitrat
Allgemeines
Name Ammoniumnitrat
Andere Namen
  • Ammonsalpeter
  • Ammoniaksalpeter
  • brennbarer Salpeter
  • salpetersaures Ammonium
  • Ammonnitrat
  • Ammonium nitricum
Summenformel H4N2O3
CAS-Nummer 6484-52-2
PubChem 22985
Kurzbeschreibung farbloser Feststoff
Eigenschaften
Molare Masse 80,04 g/mol
Aggregatzustand fest
Dichte 1,73 g/cm3 (20 °C
Schmelzpunkt 169,6 °C
Siedepunkt 210 °C (15 hPa), bei Normaldruck Zersetzung ab 170 °C
Löslichkeit
  • sehr gut in Wasser: 208,9g/100g bei 25 °C
  • gut löslich in Methanol
  • wenig löslich in Ethanol und Aceton
  • Unlöslich in Diethylether
Ammonium nitrate water pressure phase diagram.png

Die Dichte von reinem Ammoniumnitrat beträgt 1,725 g/cm3. In wäßriger Lösung steigt die Dichte mit steigender Konzentration bzw. sinkt mit steigender Temperatur.

Dichte von wässrigen Ammoniumnitratlösungen bei verschiedenen Temperaturen
Gehalt (Ma%) 20 30 40 50 60 70 80 90 94
20 °C 1,0830 1,1275 1,1750 1,2250 1,2785        
40 °C 1,0725 1,1160 1,1630 1,2130 1,2660 1,3220      
60 °C 1,0620 1,1045 1,1510 1,2005 1,2525 1,3090 1,3685    
80 °C 1,0550 1,0935 1,1390 1,1875 1,2395 1,2960 1,3550    
100 °C 1,0410 1,0820 1,1270 1,1745 1,2265 1,2825 1,3420 1,4075  
120 °C             1,3285 1,3930 1,4210
140 °C               1,3785 1,4065
160 °C                 1,3940

In Methanol ergeben sich bei 30 °C eine 20-%ige bzw. bei 60 °C eine 40-%ige Lösung. Die Löslichkeit in Ethanol ist wesentlich geringer. Hier kann bei 20 °C nur eine 4-%ige Lösung erhalten werden.

Chemische Eigenschaften

Beim Erhitzen (T> 170 °C) zerfällt Ammoniumnitrat gemäß der Gleichung

\mathrm{ NH_4NO_3 \longrightarrow 2 \ H_2O + N_2O}

in Wasser und Lachgas. Durch starke Initialzündung zerfällt es folgendermaßen:

\mathrm{2 \ NH_4NO_3 \longrightarrow 4 \ H_2O + 2 \ N_2 + O_2}

Das Stickstoffatom des Nitrat-Ions NO3 (Oxidationsstufe +V) oxidiert dabei das Stickstoffatom des Ammonium-Ions NH4+ (Oxidationsstufe -III), so dass sich am Ende, im N2-Molekül, beide Stickstoffatomeauf gleicher Oxidationsstufe (hier 0) befinden. Reaktionen dieser Art, bei denen Atome andere Atome desselben Elements oxidieren und dabei selbst reduziert werden, so dass sich am Ende alle auf gleicher Oxidationsstufe befinden, heißen Komproportionierungen.

Der explosionsartige Übergang vom Feststoff (NH4NO3) zu ausnahmslos gasförmigen Produkten (H2O, N2 und O2) dieser Reaktion erklärt die hohe Sprengkraft des Ammoniumnitrats: Mit etwa 980 l/kg besitzt es eines der höchsten spezifischen Schwadenvolumen, und kalkuliert man auch noch seine Dichte mit ein, ergibt sich ein sogar noch höheres Verhältnis (Schwadenvolumen/Sprengstoffvolumen). Weitere wichtige Explosionskennzahlen sind:

Durch Reaktion mit konzentrierter Schwefelsäure und anschließender Destillation lässt sich die Salpetersäure zurückgewinnen, welche die Ausgangssubstanz zur Herstellung vieler Explosivstoffe ist:

\mathrm{\ NH_4NO_3 +\ H_2SO_4 \to (NH_4)HSO_4 +\ HNO_3 }

Verwendung

Ammoniumnitrat ist der Hauptbestandteil vieler Düngemittel (Ammoniumnitrat-Harnstoff-Läsung, Mehrnährstoffdünger ("Blaukorn"), Kalkammonsalpeter, Nitramoncal), gewerblicher Sprengstoffe wie beispielsweise der Sprengmittel ANC und Donarit, aber auch vieler illegal hergestellter Sprengstoffe wie ANNM.

Obwohl es als brandfördernd gilt und beim Erhitzen explodieren kann, gehört Ammoniumnitrat nicht zu den eigentlich explosionsgefährlichen Stoffen im Sinne des Sprengstoffgesetzes. Gleichwohl wird der Umgang mit ihm in der Bundesrepublik Deutschland durch das Sprengstoffgesetz geregelt, und so darf Ammoniumnitrat wegen seiner latenten Gefährlichkeit in Düngemitteln inzwischen nur noch gemischt mit harmlosen Stoffen wie Kalk verwendet werden (KAS27).

Katastrophen

Die Explosion großer Mengen Ammoniumnitrat ist die Ursache zahlreicher Explosionskatastrophen:

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Basierend auf einem Artikel in Wikipedia.de
 
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Datum der letzten Änderung:  Jena, den: 02.06. 2020