Calciumoxid

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung
05 – Ätzend 07 – Achtung
Gefahr
H- und P-Sätze H:
  • Verursacht Hautreizungen.
  • Verursacht schwere Augenschäden.
  • Kann die Atemwege reizen.
P:
  • Einatmen von Staub / Rauch / Gas / Nebel / Dampf / Aerosol vermeiden.
  • Schutzhandschuhe / Schutzkleidung / Augenschutz / Gesichtsschutz tragen.
  • Bei Kontakt mit den Augen: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser spülen. Vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter spülen.
EU-Gefahrstoffkennzeichnung
Reizend
Reizend
(Xi)
R- und S-Sätze R:
  • Reizt die Atmungsorgane und die Haut.
  • Gefahr ernster Augenschäden.
S:
  • Bei Berührung mit den Augen gründlich mit Wasser abspülen und Arzt konsultieren.
  • Schutzbrille/Gesichtsschutz tragen.

Calciumoxid, auch gebrannter Kalk, Branntkalk, ungelöschter Kalk, Kalkerde oder Ätzkalk, ist ein weißes Pulver, das mit Wasser unter starker Wärmeentwicklung reagiert. Durch die Reaktion mit Wasser wird Calciumhydroxid (gelöschter Kalk, Kalkwasser) gebildet:

\mathrm{CaO + H_2O \longrightarrow Ca(OH)_2}

Gebrannter Kalk wird in Weichbrannt-, Mittelbrannt- und Hartbranntkalk unterschieden.

Kristallstruktur
Struktur von Calciumoxid
__ Ca2+     __ O2−
Kristallsystem kubisch
Raumgruppe Fm3m
Koordinationszahlen Ca[6], O[6]
Allgemeines
Name Calciumoxid
Andere Namen
  • gebrannter Kalk
  • Branntkalk
  • ungelöschter Kalk
  • Ätzkalk
  • Freikalk
  • Kalkerde
  • Calciumoxyd
  • Kalk
Verhältnisformel CaO
CAS-Nummer 1305-78-8
PubChem 14778
Kurzbeschreibung weißes, geruchloses Pulver
Eigenschaften
Molare Masse 56,08 g/mol
Aggregatzustand fest
Dichte 3,37 g/cm3 (20 °C)
Schmelzpunkt 2570–2580 °C
Siedepunkt 2850 °C (100 hPa)
Löslichkeit kaum in Wasser, 1,65 g/l (bei 20 °C), heftige Reaktion
Brechungsindex 1,8396

Herstellung

Im Industriemaßstab wird Calciumoxid durch Kalkbrennen hergestellt. Ab einer Temperatur von etwa 800 °C wird Kalkstein (Calciumcarbonat) entsäuert, das heißt Kohlendioxid wird ausgetrieben und es entsteht Calciumoxid.

CaCO3-Entsäuerung in der Differential-Thermoanalyse
\mathrm{CaCO_3 \longrightarrow CaO + CO_2}

Man unterscheidet die Branntkalke u.a. nach ihrer Reaktionsgeschwindigkeit des Kalkes mit Wasser (den Löschprozess zu Löschkalk):

< 2 min Reaktionsdauer: Weichbranntkalk
2–6 min Reaktionsdauer: Mittelbranntkalk
> 6 min Reaktionsdauer: Hartbranntkalk

Es existieren allerdings keine präziseren Definitionen.

Die Unterschiede in der Reaktionsgeschwindigkeit sind eine Folge der Kristallitgröße des CaO, Porenvolumen und spezifischer Oberfläche, die durch Brenntemperatur und auch -dauer beeinflusst werden.

Weichgebrannter Kalk entsteht bei Temperaturen von 900–1000 °C, hartgebrannter Kalk bei bis zu 1400 °C, wobei auch die Zeitdauer der Temperatureinwirkung und vor allem die petrographische Ausbildung des Kalksteins eine Rolle spielen.

Calciumoxid erhält man auch durch thermisches Zersetzen von Calciumhydroxid, welches bei 550 °C unter Atmosphärendruck in Calciumoxid und Wasser zerfällt. Das unter diesen Bedingungen entstandene Calciumoxid ist wenig kristallin, also gut reaktionsfähig.

Weiter bildet sich Calciumoxid (neben Calciumnitrid) bei der Verbrennung von Calcium an der Luft. Da elementares Calcium teuer ist, eignet sich diese Reaktion nur im kleinen Maßstab im Rahmen von Laborversuchen.

Gebrannter (ungelöschter) Kalk ist stark ätzend (pH-Wert 12–13), Kontakt mit den Augen kann zur Erblindung führen.

Verwendung

Gebrannter und anschließend gelöschter Kalk wird in der Bauindustrie als Beimischung zu Mörtel und Putzen verwendet, und zur industriellen Fertigung von Kalksandsteinen. Außerdem ist er ein untergeordneter Bestandteil von Zementklinker. In der Chemie nutzt man die Substanz außerdem als Trocknungsmittel und zur Absorption von Kohlenstoffdioxid. Weitere Einsatzbereiche von Branntkalk sind z.B. Düngekalk, die Produktion von Calciumcarbid sowie seine Nutzung zur Herstellung von Kalkfarbe und zur Nutzung als Neutralisationsmittel.

Einer der wesentlichen Einsatzbereiche ist die Entschwefelung von Roheisen, bei dem der Schwefel [S] als Begleiter [FeS] vorkommt und auf dem Weg zum Stahl (Konverter) herausgelöst werden muss. Dabei wird Kalk (CaO) entweder in das Roheisen eingeblasen oder mit einem Rührer eingemischt. Der Kalk verbindet sich mit dem Schwefel zu Calciumsulfid [CaS], steigt zur Oberfläche auf und setzt sich dort als Schlacke ab. Diese wird nach dem Entschwefeln mit einer Abkratzmaschine entfernt.

Der gelöschte Kalk wird unter anderem als Alternative zum Kalkstein in der Rauchgasentschwefelung eingesetzt. Die Einsatzmenge ist hierbei ca. 1,8-fach geringer als für Kalkstein. Der dabei aus Branntkalk gewonnene Gips (Calciumsulfat) hat einen Weißgrad von 80 % und kann kommerziell weiterverwendet werden. Durch seine hohe Reaktivität werden geringere Verbrauchsmengen benötigt. Nachteil ist sein deutlich höherer Preis gegenüber Kalkstein.

Durch Reaktion mit Chlor kann aus Calciumhydroxid Chlorkalk hergestellt werden.

Calciumoxid wird Lebensmitteln als Säureregulator zugesetzt. Es dient dabei in erster Linie als sogenannter technischer Hilfsstoff, der im fertigen Lebensmittel nicht mehr vorhanden ist. Es ist in der EU als Lebensmittelzusatzstoff unter der Bezeichnung E 529 ohne Höchstmengenbeschränkung, aber mit der Maßgabe, nur die technisch wirklich benötigte Menge zu verwenden (quantum satis) für Lebensmittel allgemein zugelassen.

Früher wurde Calciumoxid zur Kaustifizierung von Soda und Pottasche eingesetzt, was für die Seifenherstellung von großer Bedeutung war. Man verwendete Calciumoxid auch als Ätzkalkladung für Katapulte und Geschütze.

Ätzkalk kann dank seiner geruchsbindenden Wirkung auch bei offenen Feldtoiletten (Plumpsklo) verwendet werden.

Ungelöschter Kalk wird gelegentlich anstelle des gelöschten Kalks zur Desinfektion von Ställen (das „Kalken“ der Ställe) eingesetzt. Es sollte jedoch nicht mit Stroh oder ähnlichem leichtentzündlichen Material in Kontakt kommen, da die Temperatur von rund 180°, die bei der Reaktion mit Feuchtigkeit entsteht, in seltenen Fällen zur Entzündung ausreichen kann.

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Basierend auf einem Artikel in Wikipedia.de
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 09.04. 2017