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Dimethylsulfon

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung[2]
keine GHS-Piktogramme
H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze[2]
Toxikologische Daten > 5000 mg/kg (LD50, Ratte, oral)[2]

Dimethylsulfon ist der einfachste Vertreter aus der Stoffklasse der Sulfone, somit eine organische Schwefelverbindung. Es unterscheidet sich vom Lösungsmittel Dimethylsulfoxid durch ein zusätzlich gebundenes Sauerstoffatom am Schwefelatom.

Vorkommen

Dimethylsulfon kommt in vielen tierischen und pflanzlichen Organismen vor und ist auch Bestandteil der menschlichen Ernährung. Vergleichsweise hohe Konzentrationen findet man in Kuhmilch (3,3 ppm) und Kaffee (1,6 ppm). Weitere schwefelhaltige Nahrungsmittel sind u. a. Eier, Fisch, Fleisch, Zwiebeln, Knoblauch, Brokkoli, Cashewkerne, Walnüsse, Mandeln und Sesamsamen.[6]

Strukturformel
Struktur von Dimethylsulfon
Allgemeines
Name Dimethylsulfon
Andere Namen
  • Methylsulfonylmethan
  • Sulfonylbismethan
  • DIMETHYL SULFONE (INCI)[1]
Summenformel C2H6O2S
Kurzbeschreibung farblose Kristalle[2][3]
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Extern 67-71-0
EG-Nummer 200-665-9
ECHA-InfoCard Extern 100.000.605
PubChem Extern 6213
ChemSpider Extern 5978
DrugBank Extern DB14090
Eigenschaften
Molare Masse 94,13 g/mol
Aggregatzustand fest
Dichte 1,17 g/cm3[4]
Schmelzpunkt 107–110 °C[2][3]
Siedepunkt 238 °C[2][3]
Löslichkeit mäßig in Wasser (150 g/l bei 20 °C)[2][3]
Thermodynamische Eigenschaften
ΔHf0 −450,1 kJ/mol[5]

Darstellung

Sulfone lassen sich generell durch Oxidation der entsprechenden Sulfide darstellen, Dimethylsulfon beispielsweise durch Oxidation von Dimethylsulfid mit Wasserstoffperoxid H2O2. Dabei entsteht als Zwischenprodukt Dimethylsulfoxid.

Eigenschaften

Physikalische und chemische Eigenschaften

Reines Dimethylsulfon bildet farblose, geruchlose, wasserlösliche und leicht bitter schmeckende Kristalle. Der Schmelzpunkt wurde bei 109 °C mit einer Schmelzenthalpie von 18,28 kJ/mol bestimmt.[7] Die molare Verdampfungsenthalpie beträgt am Siedepunkt 56,0 kJ/mol.[8] Die Verbindung ist brennbar, aber mit einem Flammpunkt von 143 °C schwer entzündbar.[2]
Ähnlich wie Dimethylsulfoxid ist Dimethylsulfon schwach CH-azid, sodass es durch starke Basen wie z.B. Butyllithium deprotoniert werden kann.

Pharmakologische Eigenschaften

In einem Tierversuch mit künstlich induzierten malignen Tumoren des Dickdarms und der Brust konnte ein verzögerter Krankheitsausbruch bei Gabe von Dimethylsulfon beobachtet werden. Forscher der koreanischen Universität Konkuk stellten im Jahr 2012 eine hemmende Wirkung von Dimethylsulfon auf menschliche Brustkrebszellen fest. Sowohl im in-vitro- als auch im in-vivo-Versuch beobachteten sie eine regulatorische Wirkung auf STAT3, STAT5b, IGF-1R, IGF-1 und VEGF, welche an Tumorentstehung, Tumorwachstum und Metastasierung beteiligt sind.[9]

Biologische Bedeutung

Ähnlich wie bei der Darstellung im Labor ist Dimethylsulfon auch im Organismus von Säugetieren das Produkt der Metabolisierung von Dimethylsulfoxid. Dieses wird in der Leber über das Cytochrom-P450-Enzymsystem zu Dimethylsulfon oxidiert und dann mit dem Harn ausgeschieden.

Verwendung als Nahrungsergänzungsmittel

Dimethylsulfon wird, meist unter der Bezeichnung Methylsulfonylmethan (MSM), als Nahrungsergänzungsmittel für Menschen und Tiere, insbesondere Pferde, angeboten. Es soll einen Mangel an Schwefel im Organismus ausgleichen.

In der Ratgeberliteratur wird dem Stoff eine Vielzahl verschiedener Wirkungen zugesprochen, beispielsweise eine Förderung der Kollagenbildung, eine Stärkung des Immunsystems oder die Unterstützung der Darmfunktion.[10] Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat 2010 in einer Stellungnahme diese und andere behauptete gesundheitliche Wirkungen als wissenschaftlich nicht belegt gewertet, mit jenen im Zusammenhang mit MSM zugeschriebenen Wirkungen dürfe daher nicht geworben werden.[10]

Laut Magazin Öko-Test ergibt die zusätzliche Aufnahme von Schwefel in Form von Dimethylsulfon keinen Sinn, da in Deutschland keine Mangelernährung an Proteinen bestehe, welche die Hauptquelle für Schwefel in der Nahrung darstellen.[11] Wegen der proteinreichen Ernährung in westlichen Ländern ist ein „Schwefelmangel“ noch nicht beschrieben worden.[12] Die Verbraucherzentrale warnt und weist darauf hin, dass MSM weder Heilmittel, noch zugelassenes Medikament ist.[13] Darüber hinaus sind Nebenwirkungen bei der Langzeiteinnahme nicht bekannt.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Eintrag zu Extern DIMETHYL SULFONE in der CosIng-Datenbank der EU-Kommission abgerufen am 21. April 2026.
  2. Hochspringen nach: 1 2 3 4 5 6 7 8 Eintrag zu Extern CAS-Nr. 67-71-0 in der GESTIS-Stoffdatenbank des Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, abgerufen am 21. April 2026. (JavaScript erforderlich)
  3. Hochspringen nach: 1 2 3 4 Datenblatt Extern Dimethylsulfon bei Merck KGaA, abgerufen am 21. April 2026.
  4. Eintrag zu Extern Dimethylsulfon. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 21. April 2026.
  5. David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL, Standard Thermodynamic Properties of Chemical Substances, S. 5-22.
  6. Sigrun Chrubasik-Hausmann: Extern MSM (Methylsulfonylmethan). Institut für Rechtsmedizin der Universität Freiburg im Breisgau, Bereich Physiotherapie. Oktober 2017, S. 5.
  7. E. S. Domalski, E. D. Hearing: Heat Capacities and Entropies of Organic Compounds in the Condensed Phase. Volume III. In: J. Phys. Chem. Ref. Data. 25, 1996, S. 1–525, Extern doi:10.1063/1.555985.
  8. R. M. Stephenson, S. Malanowski: Handbook of the Thermodynamics of Organic Compounds. Springer 1987, ISBN 94-010-7923-4, Extern doi:10.1007/978-94-009-3173-2.
  9. Eun Joung Lim et al.: Methylsulfonylmethane suppresses breast cancer growth by down-regulating STAT3 and STAT5b pathways. In: PloS One. Band7, Nr.4, 2012, S. e33361, doi: Extern 10.1371/journal.pone.0033361, Extern PMID 22485142, Extern PMC 3317666 (freier Volltext).
  10. Hochspringen nach: 1 2 Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to methylsulphonylmethane (MSM) and contribution to normal collagen formation (ID 353, 388, 389, 394, 1695, 1741, 1874), maintenance of normal hair (ID 353, 1741, 1874), maintenance of normal nails (ID 1695, 1741, 1874), maintenance of normal acid-base balance (ID 387), “strengthens the immune system function” (ID 390), maintenance of normal bowel function (ID 391), contribution to the normal cysteine synthesis (ID 392) and “vitamin production needed for correct function of metabolism” (ID 393) pursuant to Article 13(1) of Regulation (EC) No 1924/2006. In: EFSA Journal. Band 8, Nr. 10, 19. Oktober 2010, S 1746, doi: Extern 10.2903/j.efsa.2010.1746 (englisch).
  11. Mittel gegen Gelenkbeschwerden. Gelenkig geht anders. In: Öko-Test. Mai 2009.
  12. MSM – neues Wundermittel aus den USA. In: DAZ.online. 15. April 2001 ( Extern deutsche-apotheker-zeitung.de [abgerufen am 21. April 2026]).
  13. Extern MSM - hilft die Schwefeltherapie bei Arthrose? | Verbraucherzentrale.de. 3. März 2020, abgerufen am 21. April 2026.
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Basierend auf einem Artikel in: Extern Wikipedia.de
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 21.04. 2026