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In Klammern - kursiv die richtigen Namen; Pseudonyme

A

Adickes, Erich (1866-1928)
deutscher Philosoph, Neukantianer, ab 1898 Universitätsprofessor in Kiel, ab 1902 in Münster, ab 1904 in Tübingen. Wandte sich gegen den Materialismus und behauptete, die Materie existiere nicht objektiv, sie sei eine „Angelegenheit unseres Geistes", ein „Zustand des Bewußtseins", und die Atome seien nur Hilfsbegriffe des Verstandes; er leugnete die Möglichkeit der wissenschaftlichen Erkenntnis der objektiven Welt. Er gab eine Bibliographie der in Deutschland erschienenen Werke I. Kants heraus sowie drei Bände „Kants handschriftlicher Nachlaß", 1911-1914.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Kants Systematik als systembildender Faktor", 1887; „Kant contra Haeckel", 1901; „Kant als Naturforscher", 1924/1925, u. a. 354
 
Adler, Friedrich (1879-1960)
Führer der österreichischen Sozialdemokraten, einer der Theoretiker des Austromarxismus. Von 1907 bis 1911 Privatdozent an der Züricher Universität; in der Philosophie Anhänger des Empiriokritizismus. Er versuchte, den Marxismus durch die machistische Philosophie zu „ergänzen". Außer den von W. I. Lenin genannten Artikeln sind seine philosophischen Arbeiten „Ernst Machs Überwindung des mechanischen Materialismus" (1918) und „Friedrich Engels und die Naturwissenschaft" (1925) bekannt. 1910 und 1911 war er Redakteur des „Volksrechts", des Organs der schweizerischen sozialdemokratischen Partei, später Sekretär der österreichischen sozialdemokratischen Partei. Am 21. Oktober 1916 erschoß er den österreichischen Ministerpräsidenten Graf Stürgkh; diese Tat bezeichnete W. I. Lenin als „Verzweiflungstat eines Kautskyaners" (Werke, Bd. 35, S. 218). Als Reformist in der Politik gehörte er zu den Organisatoren der zweieinhalbten Internationale (1921-1923), später war er einer der Führer der Sozialistischen Arbeiterinternationale.
44 49 56 89 110 217 314
 
Alembert, Jean Le Rond d' (1717-1783)
französischer Mathematiker und Philosoph, Aufklärer; ab 1741 Mitglied der Pariser Akademie der Wissenschaften. Ab 1751 arbeitete er zusammen mit D. Diderot an der Herausgabe und Redaktion der „Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers" (siehe Anm. 22), schrieb dazu die Einleitung „Abriß über die Entstehung und Entwicklung der Wissenschaften" (1751) und leitete die Sektionen Mathematik und Physik; 1757 zog er sich wegen der Verfolgungen durch die Reaktion von der Enzyklopädie zurück. Die wichtigsten mathematischen Forschungen leistete er auf dem Gebiet der Theorie der Differentialgleichungen. In der Philosophie war d'Alembert inkonsequenter Materialist: er erkannte die objektive Existenz der materiellen Dinge an, bezweifelte aber die Möglichkeit, ihr Wesen zu erkennen, und erklärte die Eigenschaft des Bewußtseins damit, daß es im Menschen eine besondere, nichtmaterielle Substanz gebe usw.
Die wichtigste philosophische Arbeit ist „Essai sur les elements de philosophie ..." (Abhandlung über die Anfangsgründe der Philosophie ...), 1759. 27-29
 
Avenarius, Richiard (1843-1896)
deutscher bürgerlicher Philosoph, subjektiver Idealist, ab 1877 Professor an der Züricher Universität. 1876 formulierte er in seiner Arbeit „Philosophie als Denken der Welt gemäß dem Prinzip des kleinsten Kraftmaßes" die Grundthesen des Empiriokritizismus, einer reaktionären Philosophie, die den subjektiven Idealismus Berkeleys und Humes erneuern wollte.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Der menschliche Weltbegriff", 1891, und „Kritik der reinen Erfahrung", 1888-1890. Ab 1877 gab Avenarius die „Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie" heraus.
12 17 19 30 31 33 39-45 47 48 51-74 77-84 86 87 106 107 109 120 122 131 139/140 142-148 153 155 157 159 162 165 185 188 191/192 194 196/197 202-208 211 212 213 214 215 216 217 220 221 223 238 241 248 317 318 319 320-322 333 343 345 346 348 349 351 357 362 364 365
 
Axelrod, L. J. (Orthodox) (1868-1946)
russische Philosophin und Literaturwissenschaftlerin, Teilnehmerin an der sozialdemokratischen Bewegung in Rußland; 1887 emigrierte sie nach Frankreich, danach in die Schweiz und trat dem „Auslandsbund russischer Sozialdemokraten" bei; 1903 schloß sie sich den Menschewiki an. In ihren Arbeiten kritisierte sie den „Ökonomismus", den Neukantianismus und den Empiriokritizismus, zugleich aber teilte sie die menschewistischen Anschauungen G. W. Plechanows; sie wiederholte dessen philosophische Fehler und trat gegen die Bolschewiki, gegen die philosophischen Anschauungen Lenins auf. Anfang 1917 war sie Mitglied des ZK der Menschewiki, spater Mitglied des ZK der Plechanowschen Gruppe „Jedinstwo" (Einheit). 1918 zog sie sich von der aktiven politischen Tätigkeit zurück und arbeitete auf pädagogischem Gebiet an verschiedenen Hochschulen des Landes. In den zwanziger Jahren Vertreterin einer mechanistischen Revision der marxistischen Philosophie. In ihren letzten Lebensjahren beschäftigte sie sich mit der Soziologie der Kunst.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „ Философские очерки" (Philosophische Skizzen), 1906; „ Карл Маркс как Философ" (Karl Marx als Philosoph), 1924; „ Идеалистическая диалектика Гегеля и материалистическая диалектика Маркса" (Die idealistische Dialektik von Hegel und die materialistische Dialektik von Marx), 1934, u. a. 326
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B

Basarow, W. (Rudnew. W. A.) (1874-1939)
russischer Philosoph und Ökonom, nahm ab 1896 an der sozialdemokratischen Bewegung teil. In den Jahren 1905-1907 arbeitete er an verschiedenen bolschewistischen Publikationen mit und übersetzte zusammen mit I.I. Skworzow-Stepanow das „Kapital" von Marx (Bd. I-III, 1907-1909) ins Russische. In der Zeit der Reaktion rückte er vom Bolschewismus ab, propagierte das „Gottbildnertum" und den Empiriokritizismus und war einer der Hauptvertreter der machistischen Revision des Marxismus. W. I. Lenin entlarvte die Verfälschung der marxistischen Philosophie durch Basarow und sagte von ihm, er sei „halb Berkeleyaner und halb Humeist der Machistensekte" (siehe den vorliegenden Band, S. 105). 1917 gehörte er zu den internationalistischen Menschewiki und war einer der Redakteure der menschewistischen Zeitung „Nowaja Shisn" (Neues Leben). Er trat gegen die Sozialistische Oktoberrevolution auf. Ab 1921 arbeitete er in der Staatlichen Plankommission; in seinen letzten Lebensjahren übersetzte er schöngeistige und philosophische Literatur.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „ Анархический коммунизм и марксизм" (Der anarchistische Kommunismus und der Marxismus), 1906; „ На два Фропта" (An zwei Fronten), 1910; „ Наука и религия" (Wissenschaft und Religion), 1910, u. a.
9 12 13 16 65 74-79 91 100 101 103-111 136 165 181/;182 194 209 210 213 216 231 237 283 327 334 335 349
 
Baumann, Julius (1837-1916)
deutscher Professor der Philosophie an der Universität Göttingen (ab 1869); Eklektiker, der in seinen Anschauungen den subjektiven Idealismus mit Elementen des Materialismus verknüpfte. In der Erkenntnistheorie Phänomenalist; er behauptete, der Mensch erkenne seine Vorstellungen und nicht die Dinge als solche; er hielt die Denk- und Anschauungsformen für apriorisch, erkannte aber zugleich an, daß ihnen etwas in der realen Wirklichkeit entspricht. Die wichtigsten Arbeiten sind: „Philosophie als Orientierung über die Welt", 1872; „Elemente der Philosophie", 1891; „Realwissenschaftliche Begründung der Moral, des Rechts und der Gotteslehre", 1898. 190
 
Bax, Ernest Belfort (1854-1926)
englischer Sozialist, Historiker und Philosoph. Von Beginn der achtziger Jahre an arbeitete er aktiv in verschiedenen sozialistischen Organisationen und war Delegierter auf den internationalen Sozialistenkongressen. Als Propagandist des Marxismus verteidigte er den dialektischen Materialismus und die materialistische Geschichtsauffassung, beging aber zugleich idealistische Fehler (Überschätzung der Rolle des „psychologischen Faktors" in der Geschichte, Interpretation der Erfahrung im machistischcn Sinne u. a.).
Nach der Bildung der Britischen Sozialistischen Partei im Jahre 1911 wurde Bax einer ihrer Führer; während des ersten Weltkriegs bezog er eine chauvinistische Position und wurde 1916 zusammen mit der Gruppe Hyndman aus der Partei ausgeschlossen.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „The Religion of Socialism" (Die Religion des Sozialismus), 1886; „The Problem of Reality" (Das Problem der Realität), 1892; „The Roots of Reality" (Die Wurzeln der Realität), 1907, u. a. 145
 
Bebel, August (1840-1913)
einer der bedeutendsten Führer der deutschen Sozialdemokratie und der II. Internationale. Von Beruf Drechsler. Seine politische Tätigkeit begann er in der ersten Hälfte der sechziger Jahre; er war Mitglied der I. Internationale. 1869 gründete er zusammen mit Wilhelm Liebknecht die Sozialdemokratische Arbeiterpartei („Eisenacher") und wurde mehrmals als Reichstagsabgeordneter gewählt; er kämpfte für den demokratischen Weg der Einigung Deutschlands und entlarvte die reaktionäre Innen- und Außenpolitik der kaiserlichen Regierung. Während des Deutsch-Französischen Krieges vertrat er einen internationalistischen Standpunkt und unterstützte die Pariser Kommune. In den neunziger Jahren und zu Beginn des 20. Jahrhunderts trat er gegen den Reformismus und Revisionismus innerhalb der deutschen Sozialdemokratie auf. W. I. Lenin schätzte die Reden Bebels gegen die Bernsteinianer ein als „Musterbeispiel dafür, wie man marxistische Anschauungen verfechten und für den wahrhaft sozialistischen Charakter der Arbeiterpartei kämpfen muß" (Werke, Bd. 19, S. 290). Als begabter Publizist und ausgezeichneter Redner hatte Bebel bedeutenden Einfluß auf die Entwicklung der deutschen und der europäischen Arbeiterbewegung. Aber er erkannte nicht die große historische Aufgabe, die für die Arbeiterbewegung mit dem Eintritt in das Stadium des Imperialismus heranreifte, die Aufgabe, die Partei neuen Typus zu schaffen. 211
 
Becher, Erich (1882-1929)
deutscher Philosoph, ab 1909 Universitätsprofessor in Münster, ab 1916 in München. In seiner Doktordissertation „Philosophische Voraussetzungen der exakten Naturwissenschaften", 1907, und in anderen frühen Arbeiten vertrat er nach W. I. Lenins Worten einen Standpunkt, der einem „ ,verschämten' und nicht zu Ende gedachten Materialismus" nahe kommt, er kritisierte die subjektiv-idealistischen Anschauungen E. Machs und W. Ostwalds. Später ging er auf idealistische Positionen über und verteidigte den Vitalismus.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Gehirn und Seele", 1911; „Weltgebäude, Weltgesetze, Weltentwicklung", 1915; „Einführung in die Philosophie", 1926.
190 291 292
 
Becquerel, Antoine-Henri (1852-1908)
französischer Physiker, ab 1889 Mitglied der Pariser Akademie der Wissenschaften, ab 1895 Professor an der École polytechnique; Verfasser mehrerer Arbeiten zu Fragen der Optik, der Elektrizität, des Magnetismus, der Photochemie, der Elektrochemie und der Meteorologie. 1896 entdeckte er die Radioaktivität. 249
 
Becquerel, Jean (1878-1953)
französischer Physiker, ab 1946 Mitglied der Pariser Akademie der Wissenschaften; Sohn von A.-H. Becquerel. Arbeitete auf verschiedenen Gebieten der Physik. Zusammen mit dem holländischen Gelehrten H. Kamerlingh Onnes untersuchte er das Verhalten verschiedener Stoffe in einem Magnetfeld bei Temperaturen flüssiger Luft und flüssigen Wasserstoffs. 286
 
Beesly, Edward Spencer (1831-1915)
englischer Historiker und positivistischer Philosoph, von 1859 bis 1893 Professor für Geschichte an der Londoner Universität. Popularisierte die Ideen A. Comtes in England und übersetzte dessen Werke ins Englische. Am 28. September 1864 leitete er in London das Meeting, auf dem der Beschluß gefaßt wurde, die Internationale Arbeiterassoziation (1.Internationale) zu gründen. Ab 1893 Redakteur der Zeitschrift „Positivist Review" (Positivistische Rundschau). 341
 
Beltow, N. - siehe Plechanow, G. W.
 
Bentley, J. Madison (1870-1955)
amerikanischer Psychologe und Philosoph, seit 1912 Professor an der Cornell University. 180
 
Berkeley, George (1685-1753)
englischer reaktionärer Philosoph, subjektiver Idealist, Bischof der anglikanischen Kirche. Er leugnete die Existenz der Materie, der „körperlichen Substanz", und betrachtete die Dinge als Verbindungen von Empfindungen. In dem Bestreben, nicht in Solipsismus zu verfallen, für den nur das individuelle Ich real existiert, verteidigte er die Existenz eines göttlichen Weltgeistes, der angeblich die Naturgesetze aufstellt sowie die Regeln und Grenzen ihrer Erkenntnis durch den Menschen bestimmt. Die Philosophie Berkeleys war eine der theoretischen Quellen des Empiriokritizismus und verschiedener anderer Richtungen der reaktionären bürgerlichen Philosophie.
Die wichtigsten Werke sind: „Essay towards a New Theory of Vision" (Versuch einer neuen Theorie des Sehens), 1709; „A Treatise concerning the Principles of Human Knowledge" (Abhandlung über die Prinzipien der menschlichen Erkenntnis), 1710, „Three Dialogues between Hylas and Philonous" (Drei Dialoge zwischen Hylas und Philonous), 1713.
13-24 27 29 30 33-36 38 43 57 59 61 62 76 78 85 98 101 107 112 115 121 191 193 194 196 197 199 202 204 205 208 211 212 220 246 299 362
 
Bernam, J. A (1868-1933)
russischer Sozialdemokrat; Jurist und Philosoph. An der Arbeit der sozialdemokratischen Organisationen beteiligte er sich ab Ende der achtziger Jahre; während der ersten russischen Revolution schloß er sich anfangs den Menschewiki und später den Bolschewiki an. Er war einer der Verfasser des revisionistischen Sammelbandes „Beiträge zur Philosophie des Marxismus" (1908) und schrieb mehrere philosophische Arbeiten, in denen er den dialektischen Materialismus zu revidieren versuchte: „Диалектка в свете современнои теории поэнания" (Die Dialektik im Lichte der moder­nen Erkenntnistheorie), 1908; „Сущиости прагматисма" (Das Wesen des Pragmatismus), 1911, u.a. Die philosophischen Anschauungen Bermans sind eine eklektische Mischung von metaphysischem Materialismus und Pragmatismus.
Nach der Sozialistischen Oktoberrevolution trat Berman in die KPR(B) ein; er unterrichtete an Hochschulen und war Professor an der Kommunistischen J.-M.-Swerdlow-Universität.
9 91 187 312 334
 
Biedermann, Alois Emanuel (1819-1885)
protestantischer Pfarrer, ab 1850 Professor der Theologie an der Züricher Universität. Stand unter dem Einfluß der Hegelschen Religionsphilosophie, in deren Geist er die christliche Religion zu begründen suchte, die er als eine Verbindung zwischen dem „unendlichen Geist", Gott, und dem „endlichen Geist", dem Menschen, auffaßte.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Unsere junghegelsche Weltanschauung...", 1849; „Christliche Dogmatik", 1869.
210
 
Bismarck, Otto, Fürst von (1815-1898)
preußischer und deutscher Staatsmann und Diplomat, erster Kanzler des Deutschen Reiches, der sogenannte „eiserne Kanzler". i862 war er Ministerpräsident und Außenminister von Preußen. Das Hauptziel Bismarcks war die Vereinigung der deutschen Kleinstaaten durch „Blut und Eisen" und die Schaffung eines einheitlichen Deutschen Reiches unter der Hegemonie des junkerlichen Preußens. Im Januar 1871 wurde Bismarck Reichskanzler. Von 1871 bis 1890 leitete er die gesamte Außen- und Innenpolitik Deutschlands, und zwar im Interesse der feudalen Großgrundbesitzer, wobei er gleichzeitig um ein Bündnis zwischen Junkertum und Großbourgeoisie bemüht war. Nachdem es Bismarck nicht gelungen war, mit Hilfe des von ihm 1878 erlassenen Sozialistengesetzes die Arbeiterbewegung zu erdrosseln, verkündete er ein demagogisches Programm einer Sozialgesetzgebung und führte Gesetze über die Pflichtversicherung einiger Kategorien von Arbeitern ein. Im März 1890 mußte er zurücktreten.
134
 
Blei, Franz (1871-1942)
österreichischer Schriftsteller, Kritiker und Übersetzer; in der Philosophie Anhänger von Avenarius. Arbeitete an verschiedenen, auch sozialistischen Zeitschriften mit, schrieb Artikel zu Fragen der politischen Ökonomie und trat mit einer machistischen Kritik des Marxismus auf.
317-322 325
 
Blum, Oskar
siehe Rachmetow, N.
 
Bogdanow, A. (Malinowski, A. A.) (1873-1928)
russischer Sozialdemokrat; Philosoph, Soziologe, Ökonom, von Beruf Arzt. In den neunziger Jahren beteiligte er sich an der Arbeit sozialdemokratischer Zirkel (in Tula). Nach dem II. Parteitag der SDAPR schloß er sich den Bolschewiki an. Auf dem III. Parteitag wurde er zum Mitglied des ZK gewählt. Er gehörte zur Redaktion der bolschewistischen Zeitungen „Wperjod" (Vorwärts) und „Proletari" (Der Proletarier), war einer der Redakteure der bolschewistischen Zeitung „Nowaja Shisn" (Neues Leben). Er nahm am V. (Londoner) Parteitag der SDAPR teil. In den Jahren der Reaktion wandte er sich vom Bolschewismus ab, stand an der Spitze der Otsowisten, war Führer der Gruppe „Wperjod", die gegen die Linie der Partei auftrat. In der Philosophie versuchte er ein eigenes System zu schaffen, den „Empiriomonismus" (eine durch pseudomarxistische Terminologie getarnte Spielart der subjektiv-idealistischen machistischen Philosophie). Auf der Beratung der erweiterten Redaktion des „Proletari" im Juni 1909 wurde Bogdanow aus der bolschewistischen Partei ausgeschlossen. Nach der Sozialistischen Oktoberrevolution war er einer der Organisatoren und Führer des „Proletkult" (siehe Anm. 16). Ab 1926 war er Direktor des von ihm gegründeten Instituts für Bluttransfusionen.
Die wichtigsten vor 1908 geschriebenen Arbeiten Bogdanows analysiert W. I. Lenin in seinem Werk „Materialismus und Empiriokritizismus" sowie in dem Brief an A. M. Gorki vom 12. (25.) Februar 1908 (siehe Werke, Bd. 13, S. 454-461). Später schrieb Bogdanow, der auf seiner idealistischen Einstellung beharrte, philosophische Arbeiten wie z. B. „Философия живого опыта" (Die Philosophie der lebendigen Erfahrung), 1913; „Наука об общественном сознани" (Die Wissenschaft vom gesellschaftlichen Bewußtsein), 1914; „Бсеобщая организационная наука (тектогия)" (Allgemeine Organisationswissenschaft [Tektologie]), 1913-1922, u.a.
5/6 9 11 12/13 17 18 39 42 49-52 58 81-83 87 88 91 115-121 126-130 132 138 141 145 148 164 165 183-186 194 209 217 219 221 223-230 236 237 262 263 269 270 272-274/275 278 283 288 289 304-307 325-332 334 335 339 340 346 350
 
Bolin, Wilhelm (1835-1924)
schwedisch-finnischer Historiker und materialistischer Philosoph, Anhänger Ludwig Feuerbachs, ab 1869 Professor an der Universität Helsingfors. Besorgte zusammen mit F. Jodl eine Neuausgabe von Ludwig Feuerbachs Sämtlichen Werken.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Ludwig Feuerbach, sein Wirken und seine Zeitgenossen", 1891; „Spinoza", 1894, u.a.
77 198
 
Boltzmann, Ludwig (1844-1906)
österreichischer Physiker, ab 1885 Mitglied der Wiener Akademie der Wissenschaften, Professor an den Universitäten in Graz (1869-1889), München (1889-1894), Leipzig (1900-1902) und Wien (1894-1900, 1902-1906). Für die Entwicklung der Physik waren seine Arbeiten zur Strahlungstheorie sowie seine klassischen Forschungen auf dem Gebiet der kinetischen Gastheorie und der statistischen Deutung des zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik von großer Bedeutung, mit denen er der idealistischen Theorie vom sogenannten Wärmetod des Universums einen Schlag versetzte. Er interessierte sich sehr für Philosophie und hielt in seinen letzten Lebensjahren Vorlesungen über Naturphilosophie. In der Philosophie stand er auf den Positionen des mechanischen Materialismus, kritisierte den subjektiven Idealismus der Machisten und die „Energetik" W. Ostwalds. „Boltzmann", schrieb W. I. Lenin, „hat natürlich Angst, sich Materialist zu nennen, und erklärt sogar ausdrücklich, daß er durchaus nicht gegen die Existenz Gottes sei. Seine Erkenntnistheorie ist jedoch ihrem Wesen nach materialistisch ..." (Siehe den vorliegenden Band, S. 288.)
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Vorlesungen über Gastheorie", 1896-1898; „Vorlesungen über die Prinzipe der Mechanik", 1897, u. a.
89/90 263 288/289 290 291 300
 
Boyle, Robert (1627-1691
englischer Chemiker und Physiker, von 1680 bis 1691 Präsident der Londoner Royal Society; er entwickelte die experimentelle Methode in der Chemie, gab die erste wissenschaftlich begründete Definition des chemischen Elements, machte den Versuch, Gegenstand und Aufgaben der Chemie theoretisch zu bestimmen, und versuchte die Ideen der mechanistischen Atomistik auf die Chemie auszudehnen. 1662 entdeckte er zusammen mit R. Townley das Gesetz der umgekehrten Proportionalität zwischen Luftvolumen und Luftdruck, das später das Boyle-Mariottesche Gesetz genannt wurde. In seinen philosophischen Anschauungen verknüpfte Boyle Elemente des mechanischen Materialismus mit religiösen Vorstellungen.
Seine Hauptarbeit ist: „The Sceptical Chemist" (Der skeptische Chemiker), 1661.
129
 
Brunetière, Ferdinand (1849-1906)
französischer Kritiker und Literaturwissenschaftler; er versuchte, die Methoden der Naturwissenschaften, insbesondere die Evolutionstheorie von Ch. Darwin, auf die Geschichte der Literatur anzuwenden. In seinen politischen Anschauungen war er konservativ, später sogar ein offener Reaktionär, und träumte von der Wiedergeburt der Macht der katholischen Kirche.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Études critiques sur l'histoire de la littérature francaise" (Kritische Studien zur Geschichte der französischen Literatur), 1880-1907; „Histoire et littérature" (Geschichte und Literatur), 1884-1886, u. a.
307
 
Büchner, Friedrich Karl Christian Ludwig (1824-1899)
deutscher bürgerlicher Philosoph, einer der Hauptvertreter des Vulgärmaterialismus, bürgerlicher Reformer; von Beruf Arzt. Ab 1852 Privatdozent am Lehrstuhl für Gerichtsmedizin an der Universität Tübingen. In seinem Hauptwerk „Kraft und Stoff", 1855, gab er eine systematische Darstellung des Vulgärmaterialismus. Büchner hielt zwar die Naturwissenschaft für die Grundlage der Weltanschauung, ignorierte aber die Dialektik und wiederholte die mechanistischen Anschauungen über Natur und Gesellschaft. Später war er Arzt in Darmstadt. Er schrieb die Bücher: „Die Stellung des Menschen in der Natur ...", 1869; „Dar­winismus und Sozialismus", 1894, u. a.
39 237-239 241 266 333 334 336 341
 
Bulgakow, S. W. (1871-1944)
russischer bürgerlicher Ökonom, idealistischer Philosoph; in den neunziger Jahren „legaler Marxist". Bulgakow propagierte eine Revision der Lehre von Marx zur Agrarfrage und versuchte die Verelendung der Volksmassen durch das sogenannte „Gesetz vom abnehmenden Bodenertrag" zu erklären. Nach der Revolution von 1905-1907 schloß er sich den Kadetten an, propagierte einen philosophischen Mystizismus und arbeitete an dem konterrevolutionären Sammelband „Wechi" (Marksteine) mit. Ab 1918 Priester. 1922 wurde er wegen konterrevolutionärer Tätigkeit des Landes verwiesen und betrieb dann im Ausland feindliche Propaganda gegen die UdSSR.
Die Hauptarbeiten sind: „Капиталиэм и эемледелие" (Kapitalismus und Landwirtschaft), 1900; der Sammelband „Два града" (Zwei Städte), 1911; „Философия хоэяйства" (Philosophie der Wirtschaft), 1912, u. a.
354
Top
 

C

Carstanjen, Friedrich
Professor der Philosophie an der Universität in Zürich (ab 1896), Machist, Schüler von R. Avenarius, nach dessen Tode (1896) er die „Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie" herausgab. Die wichtigsten Arbeiten sind: „Richard Avenarius' biomechanische Grundlegung der neuen allgemeinen Erkenntnistheorie. Eine Einführung in die Kritik der reinen Erfahrung", 1894, und der von W. I. Lenin zitierte Artikel „Der Empiriokritizismus ...", 1898.
58 142 146-148
 
Carus, Paul (1852-1919)
amerikanischer reaktionärer Philosoph, subjektiver Idealist und Mystiker; gab ab 1887 die Zeitschrift „The Open Court" (siehe Anm. 87) und ab 1890 „The Monist" (siehe Anm. 86) heraus. Der philosophische „Monismus" von Carus lief auf den Versuch, Religion und Wissenschaft zu versöhnen, sowie auf die Propagierung des Buddhismus hinaus.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „The Soul of Man" (Die Seele des Menschen), 1891; „The Gospel of Buddha" (Das Evangelium Buddhas), 1894; „The Foundations of Mathematics" (Die Grundlagen der Mathematik), 1908, u. a.
222 223 229 274 348
 
Cauwelaert, Jan Frans van (geb. 1880)
belgischer Jurist und Staatsmann. In den Jahren 1905 bis 1907 veröffentlichte er in der „Revue Néo-Scolastique" (siehe Anm. 25) einige philosophische Artikel idealistischen Charakters; ab 1907 war er außerordentlicher Professor an der Universität Freiburg; ab 1910 Abgeordneter für Antwerpen. Später bekleidete er verschiedene diplomatische Posten und war Minister in der belgischen Regierung.
40 52 144
 
Chwolson, O. D. (1852-1934)
russischer Physiker, ab 1891 Professor an der Petersburger Universität; Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften (gewählt 1920); von großem Interesse sind seine Arbeiten auf dem Gebiet der Elektrotechnik: „Лекции по термодинамике" (Vorlesungen über Thermodynamik), 1915, und „Курс фиэики" (Lehrgang der Physik), 1892-1915, der lange Zeit als Lehrbuch für Hochschulen diente. In der Philosophie neigte er zum Idealismus.
353
 
Clifford, William Kingdon (1845-1879)
englischer Mathematiker, ab 1871 Mathematikprofessor an der Londoner Universität. In der Philosophie subjektiver Idealist; Cliffords Anschauungen wurden von K. Pearson weiterentwickelt.
221/222
 
Cohen, Hermann (1842-1918)
deutscher idealistischer Philosoph, Mathematiker, Begründer der Marburger Schule des Neukantianismus. Als streitbarer Idealist propagierte er die ausgesprochen religiöse Idee eines „schöpferischen Gottes". Unter dem Einfluß der Ideen Cohens entstand der sogenannte „ethische Sozialismus", dessen Vertreter (E. Bernstein, K. Vorländer u. a.) eine neukantianische Revision des Marxismus propagierten.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Kants Theorie der Erfahrung", 1871; „System der Philosophie", 1902-1912; „Religion und Sittlichkeit", 1907, u. a.
283-286 294 301 311
 
Comte, Auguste (1798-1857)
französischer bürgerlicher Philosoph und Soziologe, Begründer des Positivismus. Die Aufgabe der Wissenschaft sah er in der Beschreibung der Erfahrungstatsachen; er war der Meinung, daß die gesamte Geschichte der Erkenntnis aus der Aufeinanderfolge dreier Zustände oder Methoden des menschlichen Geistes besteht, der theologischen, der metaphysischen und der positiven; vom Standpunkt dieses imaginären „Gesetzes" der drei Stadien betrachtete er auch die Geschichte der Gesellschaft und behauptete, das wissenschaftlich-industrielle Stadium, der Kapitalismus, vollende angeblich die gesamte gesellschaftliche Entwicklung. Er wandte sich gegen die Theologie, propagierte aber zugleich die Notwendigkeit einer neuen Religion: den Kult des „Großen Wesens", womit er das Menschengeschlecht meinte; er war ein Gegner der Revolution und des Sozialismus und sah das soziale Ideal in der Harmonie der Klasseninteressen von Kapitalisten und Arbeitern. Karl Marx und Friedrich Engels unterwarfen die reaktionären philosophischen Anschauungen Comtes, die einen bedeutenden Einfluß auf die weitere Entwicklung der bürgerlichen Philosophie ausübten, einer scharfen Kritik.
Die wichtigsten Werke sind: „Cours de philosophie positive" (Kursus der positiven Philosophie), 1830-1842; „Systeme de politique positive ..." (System der positiven Politik ...), 1851-1854, u. a.
202 203 341
 
Condillac, Etienne-Bonnot de (1715-1780)
französischer Philosoph, Sensualist und Deist, katholischer Priester. Er entwickelte den materialistischen Sensualismus J. Lockes weiter und kritisierte die idealistische Theorie der angeborenen Ideen. Der Sensualismus Condillacs war eine der theoretischen Quellen für die Lehre der französischen Materialisten des 18. Jahrhunderts, die die positive Rolle Condillacs anerkannten, ihn aber zugleich wegen seiner Abweichung zum Idealismus und Agnostizismus kritisierten.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Essai sur l'origine des connaissances humaines" (Abhandlungen von dem Ursprung der menschlichen Erkenntnis), 1746; „Traité des systèmes, où l'on en démêle les inconvénients et les avantages" (Abhandlung über die Systeme, in welcher deren Mängel und Vorteile enthüllt werden), 1749; „Traite des sensations" (Abhandlung über die Empfindungen), 1754, u. a.
27
 
Cornelius, Hans (1863-1947)
deutscher bürgerlicher Philosoph, subjektiver Idealist, ab 1903 Universitätsprofessor in München, ab 1910 in Frankfurt am Main. Er wollte den Machismus durch die Immanenzphilosophie und durch den Pragmatismus von W. James ergänzen und spielte die Rolle eines Vermittlers zwischen Machismus und Neopositivismus.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Einleitung in die Philosophie", 1903; „Transzendentale Systematik", 1916, u. a.
216-218 221 229 348
 
Cornu, Marie-Alfred (1841-1902)
französischer Physiker, ab 1878 Mitglied der Pariser Akademie der Wissenschaften. Bekannt durch zahlreiche Forschungen auf dem Gebiet der Optik, der Kristallphysik und der Spektrographie. In der Philosophie naturwissenschaftlicher Materialist.
299 300
Top
 

D

Darwin, Charles Robert (1809-1882)
großer englischer Gelehrter, Begründer der materialistischen Biologie, der Evolutionslehre vom Ursprung der Arten. Darwin begründete als erster an Hand umfangreichen naturwissenschaftlichen Materials eine Entwicklungstheorie der belebten Natur, er bewies, daß die Entwicklung der organischen Welt von weniger komplizierten Formen zu komplizierteren verlaufen ist und daß das Entstehen neuer Formen ebenso wie das Verschwinden alter das Ergebnis der naturgeschichtlichen Entwicklung ist. Der Leitgedanke in der Theorie Darwins ist seine Lehre von der Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl. Darwin stellte fest, daß den Organismen Veränderlichkeit und Vererbbarkeit eigen sind und daß sich die Veränderungen, die für das Tier oder die Pflanze im Kampf ums Dasein nützlich sind, festigen, häufen und vererbt werden und so das Entstehen neuer Tier- und Pflanzenformen bedingen. „Darwin", schrieb W. I. Lenin, „hat der Vorstellung ein Ende bereitet, Tier- und Pflanzenarten seien durch nichts miteinander verbunden, zufällig entstanden, ,von Gott erschaffen' und unveränderlich, ... er hat als erster die Biologie auf eine völlig wissenschaftliche Grundlage gestellt, indem er die Veränderlichkeit der Arten und die Kontinuität zwischen ihnen feststellte ..." (Werke, Bd. l, S. 133.)
Marx und Engels betrachteten die Lehre Darwins als eine der drei großen Entdeckungen der Naturwissenschaft des 19. Jahrhunderts, sie sahen in ihr die naturwissenschaftliche Stütze für ihre Anschauungen, wiesen aber zugleich auch auf die schwachen Seiten des Darwinismus hin, insbesondere auf den unrichtigen Versuch Darwins, den Kampf ums Dasein in der Natur mit Hilfe der falschen Malthusschen Bevölkerungstheorie zu erklären.
Die wichtigsten Werke sind: „On the Origin of Species by Means of Natural Scicction, or the Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life" (Über die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl, oder die Erhaltung der begünstigten Rassen im Kampf ums Dasein), 1859; „The Descent of Man, and Selection in Relation to Sex" (Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl), 1871, u. a. 332
vergleiche Personen
 
Dauge, P. G. (1869-1946)
einer der Begründer der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Lettlands, Historiker, Publizist, Doktor der Medizin. An der revolutionären Bewegung nahm er ab Ende der achtziger Jahre teil, nach dem II. Parteitag der SDAPR Bolschewik. In den Jahren 1905 bis 1907 war er Mitglied der Lektorengruppe des Moskauer Komitees der SDAPR. Von 1907 bis 1912 war er als Verleger tätig; im Verlag von Dauge erschienen in russischer Sprache die „Briefe und Auszüge aus Briefen von Joh. Phil. Becker, Jos. Dietzgen, Friedrich Engels, Karl Marx u. A. an F. A. Sorge und Andere" mit einem Vorwort von W. I. Lenin, die wichtigsten Arbeiten von J. Dietzgen u. a. In seinen damals geschriebenen philosophischen Arbeiten übersah Dauge die schwachen Seiten in der Philosophie Dietzgens und versuchte, dessen Anschauungen dem dialektischen Materialismus entgegenzustellen. Nach der Sozialistischen Oktoberrevolution war er Volkskommissar für Bildungswesen in Lettland (1917/1918), Mitglied des Kollegiums des Volkskommissariats für Gesundheitswesen (1918-1931), Redakteur der Zeitschrift „Odontologija i Stomatologija" (Odontologie und Stomatologie), 1923-1931, sowie Mitglied des Präsidiums der Unionsgesellschaft alter Bolschewik!. 1945/1946 arbeitete er im Institut für Parteigeschichte beim ZK der Kommunistischen Partei Lettlands. Dauge schrieb eine Reihe von Arbeiten auf dem Gebiet der Stomatologie, des Gesundheitswesens und der Gesellschaftswissenschaften: „Й. Диццген " (J. Dietzgen), 1934; „ Рeвoлюция 1905-1907 гг. b Лaтвии" (Die Revolution von 1905-1907 in Lettland), 1949, u. a. Er übersetzte Karl Marx' Werk „Zur Kritik der politischen Ökonomie" sowie den „Anti-Dühring" und „Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie" von Friedrich Engels wie auch einige Arbeiten von Josef Dietzgen ins Lettische.
246 bis 248
 
Delacroix, Henri (1873-1937)
französischer Psychologe; Idealist und Mystiker, Anhänger des Intuitionismus H. Bergsons; ab 1909 Professor an der Sorbonne.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Etudes d'histoire et de psychologie du mysticisme. Les grands mystiques chretiens" (Skizzen zur Geschichte und Psychologie des Mystizismus. Die großen christlichen Mystiker), 1908; „Le langage et la pensée" (Sprache und Denken), 1924, u. a. 204
 
Demokrit von Abdera (etwa 460-370 v. u. Z.)
altgriechischer materialistischer Philosoph, einer der Begründer der Atomistik. Marx und Engels sagten von Demokrit, er sei „ein empirischer Naturforscher und der erste enzyklopädische Kopf unter den Griechen" (Werke, Bd. 3, Berlin 1969, S. 124). Nach seiner Lehre besteht die Welt aus unveränderlichen, qualitativ gleichartigen Atomen und der Leere, in der sie sich bewegen; die Vielfalt der Dinge wird aus der Anordnung und Lage der ihrer Form und Größe nach vielfältigen Atome erklärt. Demokrit hielt das All für unendlich, er bestritt die Zufälligkeit und nahm an, daß alles einer strikten Notwendigkeit untergeordnet ist. Er trat gegen den Idealismus auf und lehnte die idealistische Lehre von einer immateriellen Seele ab; seiner Meinung nach ist die Seele materiell und besteht aus kugelförmigen, bewegten Atomen. Seinen politischen Anschauungen nach war er Anhänger der Sklavenhalterdemokratie. Die philosophischen Anschauungen Demokrits hatten großen Einfluß auf die Entwicklung der materialistischen Weltanschauung.
Demokrit schrieb zahlreiche Werke über Philosophie, Logik, Kosmologie, Physik usw., die nicht erhalten geblieben sind; es sind nur einzelne Fragmente seiner Werke überliefert. 124 358 359
 
Diderot, Denis (1713-1784
französischer materialistischer Philosoph und Atheist, Schriftsteller und Kunsttheoretiker. Auf Initiative Diderots und unter seiner Leitung wurde die „Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers" (siehe Anm. 22), 1751-1780, herausgegeben. Als Haupt der Enzyklopädisten vereinigte er um sich die fortgeschrittensten französischen Denker, die bei der ideologischen Vorbereitung der französischen bürgerlichen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts eine entscheidende Rolle spielten. 1773 besuchte er Rußland und sagte den Aufschwung der russischen Kultur und ihren zunehmenden Einfluß auf die Weltkultur voraus; er wurde zum Ehrenmitglied der Petersburger Akademie der Wissenschaften gewählt. Diderot war Vertreter des metaphysischen Materialismus, äußerte jedoch in seinen Werken eine ganze Reihe tiefer dialektischer Gedanken. Scharf kritisierte er den Idealismus, den Agnostizismus, die feudalistisch-aristokratische Moral und kämpfte für den Realismus in Literatur und Kunst. In seinen politischen Anschauungen brachte er die Interessen der revolutionären französischen Bourgeoisie zum Ausdruck und forderte die Ablösung der absoluten Monarchie durch eine repräsentative Regierungsform.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Les pensées philosophiques" (Philosophische Gedanken), 1746; „Lettre sur les aveugles à l'usage de ceux qui voient" (Brief über die Blinden, zum Gebrauch für die Sehenden), 1749; „Pensees sur l'interprétation de la nature" (Gedanken zur Interpretation der Natur), 1754; „Le neveu de Rameau" (Rameaus Neffe), 1805, u. a.
27-30 37 39 107 121
 
Dietzgen, Eugen (1862-1930)
Sohn Josef Dietzgens und Herausgeber von dessen Werken. Seinen Standpunkt in der Philosophie nannte er „Naturmonismus", in dem sich Materialismus und Idealismus angeblich versöhnen. Er verabsolutierte die schwachen Seiten der philosophischen Anschauungen Josef Dietzgens und hielt es für erforderlich, den Marxismus durch sie zu „ergänzen" ; er gelangte zur Negierung sowohl des Materialismus als auch der Dialektik. In seinen letzten Lebensjahren trat er als offener Gegner des Kommunismus auf.
Seine wichtigsten Arbeiten sind neben den Vorworten zu verschiedenen Aus­gaben der Werke Josef Dietzgens folgende: „Materialismus oder Idealismus?", 1921; „Evolutionärer Materialismus und Marxismus", 1929; „Fort mit dem Klassenkrieg!", 1929.
114 246-248
 
Dietzgen, Josef (1828-1888)
deutscher Sozialdemokrat, von Beruf Lohgerber; Philosoph, der selbstständig zum dialektischen Materialismus gekommen ist. Er nahm an der Revolution von 1848/1849 teil und emigrierte nach der Niederlage der Revolution aus Deutschland. Zwanzig Jahre lang zog er durch Amerika und Europa, arbeitete in verschiedenen Betrieben und beschäftigte sich zugleich mit philosophischen Forschungen. Von 1864 bis 1868 lebte er in Rußland und arbeitete in einem Gerbereibetrieb in Petersburg. Hier schrieb Dietzgen das Buch „Das Wesen der menschlichen Kopfarbeit", 1869, und eine Rezension über den ersten Band des „Kapitals" von Marx. 1869 kehrte er nach Deutschland zurück, wurde mit Marx bekannt und beteiligte sich aktiv an der Arbeit der deutschen sozialdemokratischen Partei. Marx stellte fest, daß Dietzgen trotz einiger Fehler und Ungenauigkeiten in der Auffassung des dialektischen Materialismus „viel Vorzügliches und - als selbständiges Produkt eines Arbeiters - selbst Bewundernswertes" geäußert hat (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 32, Berlin 1965, S. 579). 1884 reiste Dietzgen erneut in die USA, wo er die Zeitung „Der Sozialist", das Organ des Exekutivkomitees der Sozialistischen Arbeiterpartei Amerikas, redigierte. W. I. Lenin benutzte die Werke Dietzgens im Kampf gegen den philosophischen Revisionismus. Er schrieb: „... in diesem Arbeiterphilosophen, der den dialektischen Materialismus auf seine Weise entdeckt hat, steckt viel Großes!" (Siehe den vorliegenden Band, S. 246.)
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Streifzüge eines Sozialisten in das Gebiet der Erkenntnistheorie", 1887; „Das Akquisit der Philosophie", 1887, u. a. Sämtliche Schriften von Dietzgen erschienen in einer dreibändigen Ausgabe erstmalig 1911 in Wiesbaden.
12 110 111 114 115 129 130 133 134 152 153 157 170 208 237 241/242-248 260 266 267 284 334 344-346 348 349
 
Diner-Dénes, Josef (1857-1937)
ungarischer Publizist, Soziologe und Kunsthistoriker; Sozialdemokrat.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Vergangenheit und Zukunft", 1896; „A XIX. sz. magyar festészetének története" (Geschichte der ungarischen Malerei im 19. Jahrhundert), 1901; „Karl Marx. L'homme et son genie" (Karl Marx. Der Mensch und sein Genie), 1933, u. a.
249 250
 
Dixon, Edward T.
englischer Gelehrter, Verfasser der Bücher „An Essay on Reasoning" (Eine Abhandlung über das Urteilen), 1891, und „Foundations of Geometry" (Grundlagen der Geometrie), 1891.
88
 
Duhem, Pierre-Maurice-Marie (1861-1916)
französischer theoretischer Physiker, Verfasser mehrerer Arbeiten zur Geschichte der Physik; in der Erkenntnistheorie Machist.
44 256 280 305 312-315 346
 
Dühring, Eugen (1833-1921)
deutscher Philosoph und Ökonom, kleinbürgerlicher Ideologe. Die philosophischen Anschauungen Dührings sind ein eklektisches Gemisch von Positivismus, metaphysischem Materialismus und Idealismus. Sein reaktionär-utopisches System der „sozialitären" Wirtschaft idealisierte die preußischen halbfeudalistischen Wirtschaftsformen. Die Anschauungen Dührings, die bei einem Teil der deutschen Sozialdemokratie Unterstützung fanden, wurden von Engels in seinem Buch „Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft (,Anti-Dühring')" einer Kritik unterzogen. W. I. Lenin kritisierte mehrfach die eklektischen Anschauungen Dührings.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Sozialismus", 1871; „Kursus der National- und Sozialökonomie", 1873; „Kursus der Philosophie", 1875
32 33 69 126 127 129 169 170 172 173 175 183 227 237 239 240 241 333-336 338 341 342

E

Engels, Friedrich (1820-1895)
siehe W. I. Lenins Artikel „Friedrich Engels", Werke, Bd. 2, S. 1-14.
5 6 9 10 12 23 24 32 33 38 39 43 47 52 55 56 58 69 76 79 80 84 91-98 100-108 110 111 115-117 121 122 126-130 132-134 136 141 142 146 151 152 154 155 157 162 169 171-173 179 181 183-187 194 199-205 224 227 231 237-243 245 246 248-251 253 254 260-263 266 269 2% 300 312 313 317-319 321 322 333 334 336 337 340-343 348 349 351 362 365 366
 
Ewald, Oskar (Friedländer, 0.) (geb. 1881)
österreichischer Philosoph, Neukantianer; ab 1909 Privatdozent für Philosophie in Wien.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Richard Avenarius...", 1905; „Kants Methodologie in ihren Grundzügen", 1906; „Die Wiedergeburt des Geistes", 1920, u. a.
52/53 65 66 84 87
Top
 

F

Fechner, Gustav Theodor (1801-1887)
deutscher Naturforscher und idealistischer Philosoph, ab 1834 Professor der Physik an der Universität Leipzig. Die Arbeiten Fechners waren für die experimentelle Psychologie von großer Bedeutung; am bekanntesten sind seine Forschungen zum Studium der Empfindungen. In der Philosophie stand er unter dem Einfluß Schellings, er versuchte Idealismus und Religion mit dem spontan-materialistischen Charakter seiner wissenschaftlichen Entdeckungen zu vereinbaren und betrachtete die Materie als „Träger des Geistes".
Die wichtigste Arbeit: „Elemente der Psychophysik", 1860. 341
 
Feuerbach, Ludwig Andreas (1804-1872)
hervorragender deutscher Philosoph; Materialist und Atheist. Ab 1828 Privatdozent an der Universität Erlangen; in seiner ersten Arbeit „Gedanken über Tod und Unsterblichkeit" (1830) wandte er sich gegen das Dogma der christlichen Religion von der Unsterblichkeit der Seele; das Buch wurde beschlagnahmt, Feuerbach wurde Verfolgungen ausgesetzt und kurze Zeit später aus der Universität entlassen. 1836 siedelte er in das Dorf Bruckberg über, wo er fast 25 Jahre lebte. In der ersten Periode seiner philosophischen Tätigkeit gehörte er dem linken Flügel der Hegelschen Schule an. Ende der dreißiger Jahre wandte er sich vom Idealismus ab; in den Arbeiten „Zur Kritik der Hegelschen Philosophie" (1839) und „Das Wesen des Christentums" (1841) bricht er mit dem Hegelianismus und bezieht materialistische Positionen. In der Einschätzung der gesellschaftlichen Erscheinungen blieb Feuerbach Idealist. Das von ihm verkündete anthropologische Prinzip in der Philosophie nannte W. I. Lenin „ungenaue, schwache Umschreibungen des Materialismus" (Werke, Bd. 38.. S. 61). Es gelang Feuerbach nicht, den kontemplativen Charakter des metaphysischen Materialismus zu überwinden und die Rolle der Praxis im Prozeß der Erkenntnis und der gesellschaftlichen Entwicklung zu erfassen.
  Feuerbach war der Ideologe der radikalsten, demokratischen Schichten der deutschen Bourgeoisie. In der Revolution von 1848 erkannte er zwar die erstrangige Bedeutung der Politik an, hielt sich aber selbst der politischen Tätigkeit fern; nach der Revolution ging sein Einfluß in Deutschland merklich zurück. In seinen letzten Lebensjahren interessierte er sich für die sozialistische Literatur, las „Das Kapital" von Marx und trat 1870 in die Sozialdemokratische Arbeiterpartei ein.
In den „Thesen über Feuerbach" von Marx, in der „Deutschen Ideologie" von Marx und Engels und in Engels' Arbeit „Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie" wird die Philosophie Feuerbachs einer allseitigen Analyse unterzogen. (Siehe Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 3, Berlin 1969, S. 5-7, 9-530; Bd. 21, Berlin 1962, S. 259-307.) Die Leninschen Konspekte zu zwei Werken Feuerbachs siehe in den „Philosophischen Heften" (Werke, Bd. 38, S. 39-62 und 63-76).
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Zur Kritik der Hegelschen Philosophie", 1839; „Das Wesen des Christentums", 1841; „Die Unsterblichkeitsfrage vom Standpunkte der Anthropologie", 1846; „Vorlesungen über das Wesen der Religion", 1851. 12 39 43 76 77 79 80 92 94 97-99 110-113 115 125 132 136 137 149 150 154 155 157 163 171 173 197-199 202-204 230 234 238 241 306 307 333 340 341 343 348 349 364
 
Fichte, Immanuel Hermann (1796-1879)
deutscher idealistischer Philosoph, Sohn Johann Gottlieb Fichtes; ab 1836 Professor der Philosophie in Bonn, ab 1842 in Tübingen; ab 1837 redigierte er die „Zeitschrift für Philosophie und spekulative Theologie".
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Beiträge zur Charakteristik der neueren Philosophie", 1829; „System der Ethik", 1850-1853; „Anthropologie", 1856, u. a.
208
 
Fichte, Johann Gottlieb (1762-1814)
subjektiver Idealist, Vertreter der deutschen idealistischen Philosophie Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts, die die Interessen der deutschen Bourgeoisie zum Ausdruck brachte; ab 1794 Universitätsprofessor in Jena, später in Berlin und Erlangen. Ausgehend von der Philosophie Kants kritisierte er als einer der ersten den Kantianismus „von rechts", indem er die objektive Existenz des „Dinges an sich" verneinte. Der Ausgangspunkt seines idealistischen Systems, das er „Wissenschaftslehre" nannte, war der Kantsche Begriff von der transzendentalen (von der Erfahrung unabhängigen) Einheit der Vernunft; er erklärte das menschliche Ich zur einzigen Realität, zur allmächtigen Schöpferkraft, die in letzter Instanz mit dem Selbstbewußtsein der gesamten Menschheit zusammenfällt. Nach Fichte ist das Ich nicht nur Vernunft, sondern auch Wille, Handeln, und befindet sich im Prozeß der ständigen dialektischen Entwicklung. Das empirische Ich setzt das Nicht-Ich, die Natur; beide zusammen bilden eine Synthese im absoluten Ich, das Karl Marx als „metaphysisch travestierten Geist in der Trennung von der Natur" bezeichnete (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 2, Berlin 1969, S.147).
Fichte unternahm den Versuch, den Erkenntnisprozeß zu erklären; seine Philosophie enthält in idealistischer Form den Gedanken von der Bedeutung der praktischen Tätigkeit des Menschen. Die sozialen und politischen Anschauungen Fichtes brachten das Streben der deutschen Bourgeoisie zur kapitalistischen Umgestaltung Deutschlands zum Ausdruck, die er mit der Liquidierung der Ständeprivilegien, der Aufhebung der Feudalverhältnisse und der Einführung bürgerlicher Freiheiten usw. verbinden wollte.
Die wichtigsten Arbeiten Fichtes sind: „Wissenschaftslehre", 1794-1810; „Einige Vorlesungen über die Bestimmung des Gelehrten", 1794; „Die Bestimmung des Menschen", 1800; „Sonnenklarer Bericht an das größere Publikum über das eigentliche Wesen der neuesten Philosophie", 1801; „Reden an die deutsche Nation", 1807/1808, u. a.
60 61 64 69 74 135 136 139 144 147 192-194 196 208 211 212 226 299
 
Fischer, Kuno (1824-1907)
deutscher bürgerlicher Philosophiehistoriker, Hegelianer, ab 1856 Professor der Philosophie in Jena, später in Heidelberg. Sein Hauptwerk, das reiches Tatsachenmaterial enthält, ist eine mehrbändige „Geschichte der neuem Philosophie" (1854-1877), in der die philosophischen Systeme von Bacon, Descartes, Spinoza, Leibniz, Kant, Fichte, Schelling, Hegel und anderen Philosophen dargestellt sind. Da sich Fischer jedoch auf die Darlegung der Biographien und der philosophischen Anschauungen der Denker beschränkte, konnte er die sozialen Wurzeln der Philosophie, die gesellschaftlichen und historischen Bedingungen für das Entstehen des einen oder anderen Systems und ihre wirkliche Bedeutung nicht aufdecken, über die Methode z. B., wie Fischer das philosophische System Hegels darstellte, schrieb W. I. Lenin, daß er „das Leichtere herausgreift - Beispiele aus der Enzyklopädie - und Banalitäten hinzufügt..., ohne indes dem Leser zu zeigen, wie der Schlüssel zu den schwierigen Übergängen, Schattierungen, zu dem Ineinanderüberfließen der Hegelschen abstrakten Begriffe zu finden ist" (Werke, Bd. 38, S. 166).
194
 
Franck, Adolphe (1809-1893)
französischer idealistischer Philosoph, Herausgeber eines von ihm gemeinsam mit anderen Philosophen verfaßten philosophischen Lexikons. In der Arbeit „Le communisme juge par Phistoire" (Der Kommunismus im Urteil der Geschichte), 1849, trat er gegen die damaligen kommunistischen Lehren auf.
125
 
Frank, Philipp (geb. 1884)
neopositivistischer Philosoph und Physiker; von 1912 bis 1938 Professor in Prag; emigrierte 1938 in die USA. Verfasser einer Reihe philosophischer Artikel und mehrerer Bücher: „Das Ende der mechanistischen Physik", 1935; „Between Physics and Philosophy" (Zwischen Physik und Philosophie), 1941; „Philosophy of Science" (Philosophie der Wissenschaft), 1957.
161
 
Fraser, Alexander Campbell (1819-1914)
englischer Philosoph, Professor der Logik an der Universität Edinburgh, Anhänger Berkeleys und Herausgeber seiner Werke, Verfasser des Buches „Philosophy of Theism" (Philosophie des Theismus), 1895-1897, und anderer Arbeiten.
14 20-24
 
Friedländer, 0.
siehe Ewald, Oskar.
Top
 

G

Gelfond, O.J. (1863-1942)
einer der Autoren des revisionistischen Sammelbandes „Beiträge zur Philosophie des Marxismus" (1908); von Beruf Arzt; nahm ab Ende der achtziger Jahre an der revolutionären Bewegung teil. 1905 half er bei der Verbreitung sozialdemokratischer Literatur in Kiew. Nach der Sozialistischen Oktoberrevolution arbeitete er als Arzt (von 1922-1928 im Marx-Engels-Institut und an der Kommunistischen Akademie). Er schrieb eine Reihe von Arbeiten zu Fragen der Medizin und einige philosophische Artikel:
„Философия Дицгена и современный позитивизм" (Die Philosophie Dietzgens und der moderne Positivismus), 1908; „Об змпириокритической теории поэнания" (über die empiriokritische Erkenntnistheorie), 1908, u. a. Die philosophischen Anschauungen Gelfonds bezeichnete W. I. Lenin als ein „Sammelsurium aus Materialismus und Agnostizismus" (siehe den vorliegenden Band, S. 152).
9 152 153 242 334
 
Georgijewski, W.
siehe Jewlogi.
 
Graßmann, Hermann Günther (1809-1877)
deutscher Mathematiker, Physiker und Philologe. 1844 gab er in seinem Werk „Die Ausdehnungslehre" die erste systematische Darlegung der Lehre vom Euklidischen mehrdimensionalen Raum. Auf dem Gebiet der Physik schrieb er Arbeiten über Akustik, Farbenmischung und Elektromagnetismus. In seinen philosophischen Anschauungen stand er dem Materialismus nahe. 1875 verfaßte er ein vollständiges Wörterbuch zum Rigveda (Denkmal der altindischen Literatur).
167
 
Grün, Karl (Ernst von der Haide) (1817-1887)
deutscher kleinbürgerlicher Publizist, Mitte der vierziger Jahre einer der Hauptvertreter des „wahren Sozialismus". In seinen Studentenjahren schloß er sich den Junghegelianern an; 1842/1843 redigierte er die radikale bürgerliche „Mannheimer Abendzeitung"; während der Revolution von 1848/1849 kleinbürgerlicher Demokrat, Mitglied der preußischen Nationalversammlung; 1850 emigrierte er nach Brüssel und kehrte 1861 nach Deutschland zurück. Der „wahre Sozialismus" Grüns war eine utopische Lehre, der zufolge in der künftigen, durch Aufklärung, Nächstenliebe usw. errichteten Gesellschaft das Wesen des „wahren" Menschen realisiert, der „wahre Humanismus" verwirklicht werden sollte. Die abstrakten, idealistischen Seiten der Philosophie Feuerbachs verknüpfte Grün mit den anarchistischen Ideen Proudhons. Marx und Engels unterstrichen in ihrer Kritik am „wahren Sozialismus", daß er „ein reaktionäres Interesse, das Interesse der deutschen Pfahlbürgerschaft" vertrat (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 4, Berlin 1964, S. 487).
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Die soziale Bewegung in Frankreich und Belgien", 1845; „Feuerbach und die Sozialisten", 1845,- „Die Philosophie in der Gegenwart", 1876, u. a. 1874 gab Grün den literarischen Nachlaß von Ludwig Feuerbach in zwei Bänden heraus.
77 198 340/341
 
Günther, Siegmund (1848-1923)
deutscher Mathematiker, Geograph und Historiker der Naturwissenschaften, 1886-1920 Professor an der Technischen Hochschule München.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Lehrbuch der Geophysik und physikalischen Geographie", 1884-1886; „Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im Neunzehnten Jahrhundert", 1901.
288
Top
 

H

Haeckel, Ernst (1834-1919)
deutscher materialistischer Naturforscher, einer der größten Biologen in der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts; von 1862 bis 1909 Professor an der Universität Jena. Trug zur Weiterentwicklung und Propagierung des Darwinismus bei und schuf eine in ihrem Wesen materialistische Lehre von den Gesetzmäßigkeiten der Entstehung und geschichtlichen Entwicklung der belebten Natur. 1866 formulierte und begründete er das biogenetische Gesetz, das besagt, daß der Organismus in seiner individuellen Entwicklung die wichtigsten historischen Etappen der Entwicklung der Art wiederholt. Er trat gegen den Idealismus in der Naturwissenschaft auf, kämpfte aktiv gegen Mystik und Pfaffentum, gründete 1906 den „Monistenbund", der sich den Kampf gegen die religiöse Weltanschauung zum Ziel setzte. Jedoch war Haeckel kein bewußter Materialist, sondern versuchte, seinen naturwissenschaftlichen Materialismus mit der herrschenden idealistischen Weltanschauung zu versöhnen. Er hielt eine besondere „monistische Religion" für möglich und propagierte einen sozialen Darwinismus. Die Leninsche Einschätzung der Weltanschauung E. Haeckels siehe im vorliegenden Band, S. 353-357.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Generelle Morphologie der Organismen", 1866; „Natürliche Schöpfungsgeschichte", 1868; „Die Welträtsel", 1899, u. a.
37 88 223 275 351 353-360
vergl.: Personen
 
Hartmann, Eduard von (1842-1906)
deutscher reaktionärer Philosoph, Idealist und Mystiker; Anhänger A. Schopenhauers. Seinem philosophischen System legte er den Begriff des „Unbewußten" zugrunde, er betrachtete Materie und Geist als niedere und höhere Erscheinungsform des einheitlichen Wesens des Unbewußten. Nach Hartmann entwickelt sich der Weltprozeß durch den Kampf des logischen und alogischen Elements, in dessen Verlauf sich die Weltvernunft von der Herrschaft des unvernünftigen Willens befreit. Er trat gegen die Theorie des wissenschaftlichen Sozialismus auf und behauptete, das Ideal, nach dem das Proletariat strebt, sei unerreichbar.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Philosophie des Unbewußten", 1869; „Zur Geschichte und Begründung des Pessimismus", 1880; „System der Philosophie im Grundriß", 1906-1909, u. a.
57 286-288 294 355
 
Haym, Rudolf (1821-1901)
deutscher Philosophie- und Literaturhistoriker, ab 1860 Professor an der Universität Halle. In seinen Arbeiten, die umfangreiches Faktenmaterial enthalten, vertrat er den Standpunkt des Positivismus.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Feuerbach und die Philosophie", 1847; „Hegel und seine Zeit", 1857; „Die romantische Schule", 1870.
76 149
 
Hegel, Georg Wilhelm Friedrich (1770-1831)
großer deutscher Philosoph, objektiver Idealist, Ideologe der deutschen Bourgeoisie. Die Philosophie Hegels war die Krönung des deutschen Idealismus Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts. Es ist das historische Verdienst Hegels, die Dialektik, die zu einer der theoretischen Quellen des dialektischen Materialismus wurde, gründlich und allseitig ausgearbeitet zu haben. Nach Hegel befindet sich die gesamte natürliche, historische und geistige Welt in ununterbrochener Bewegung, Veränderung, Umwandlung und Entwicklung; jedoch betrachtet er die objektive Welt, die Wirklichkeit, als Produkt des „absoluten Geistes", der „absoluten Idee". W. I. Lenin bezeichnete die „absolute Idee" als eine theologische Erfindung des Idealisten Hegel. Charakteristisch für die Philosophie Hegels ist der tiefe Widerspruch zwischen der dialektischen Methode und dem konservativen, metaphysischen System, das im Grunde genommen die Beendigung der Entwicklung erheischte. In seinen sozialen und politischen Anschauungen war Hegel Anhänger der konstitutionellen Monarchie.
Karl Marx und Friedrich Engels verarbeiteten die idealistische Dialektik Hegels kritisch und schufen die materialistische Dialektik, die die allgemeinsten Entwicklungsgesetze der objektiven Welt und des menschlichen Denkens widerspiegelt.
Die Hauptwerke sind: „Phänomenologie des Geistes", 1807; „Wissenschaft der Logik", 1812-1816; „Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse", 1817, u. a.
Die Leninschen Konspekte von Werken Hegels sind in den „Philosophischen Heften" (siehe Werke, Bd. 38) enthalten.
65 76 93 94 121 122 131 188 189 224-226 230 241 313 341 343
 
Heinze, Max, (1835-1909)
deutscher Professor der Philosophie an der Leipziger Universität (ab 1875), Verfasser mehrerer Arbeiten zur Geschichte der Philosophie. Der „Grundriß der Geschichte der Philosophie" von F. Ueberweg (5-9. Auflage) wurde von ihm bearbeitet und herausgegeben.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Die Lehre vom Logos in der griechischen Philosophie", 1872; „Ernst Platner als Gegner Kants", 1880, u. a.
190
 
Helmholtz, Hermann Ludwig Ferdinand von (1821-1894)
deutscher Naturforscher; Professor für Physiologie an den Universitäten Königsberg (ab 1849), Bonn (1855), Heidelberg (1858); ab 1871 Professor der Physik an der Berliner Universität und ab 1888 Präsident der Physikalisch-technischen Reichsanstalt in Berlin. Verfasser grundlegender Arbeiten auf verschiedenen Gebieten der Physik und der Physiologie. Im Jahre 1847 gab er als erster eine mathematische Ableitung des Gesetzes der Erhaltung der Energie und wies auf die Allgemeingültigkeit dieses Gesetzes hin. Friedrich Engels kritisierte die metaphysische Auffassung dieses Gesetzes durch Helmholtz. (Siehe „Dialektik der Natur", Berlin 1961, S. 96/98.)
In der Philosophie war Helmholtz spontaner, inkonsequenter Materialist. Den Materialismus betrachtete er nicht als die einzig wissenschaftliche Weltanschauung, sondern nur als „Hypothese", die für den Naturforscher bequemer ist als der Idealismus. Obwohl Helmholtz die Existenz der objektiven Realität anerkannte, dem auf der Erfahrung beruhenden Wissen große Bedeutung beimaß und die Entstehung von Empfindungen und Vorstellungen als Ergebnis der Einwirkung der objektiven Realität auf die menschlichen Sinnesorgane betrachtete, neigte er gleichzeitig zum Kantianismus und stellte die Hieroglyphentheorie auf, der zufolge die Empfindung nur ein Zeichen, nicht aber das Abbild des Dinges ist.
W. I. Lenin gab eine Einschätzung der Weltanschauung Helmholtz' und kritisierte dessen Agnostizismus als „ »verschämten Materialismus' mit kantianischen Ausfällen" (siehe den vorliegenden Band, S. 233/234).
Die wichtigsten Arbeiten sind: „über die Erhaltung der Kraft", 1847; „Handbuch der physiologischen Optik", 1856-1867; „Vorlesungen über theo­retische Physik", 1898-1903, u. a.
230-237 256 257 263 291
 
Hering, Ewald (1834-1918)
deutscher Physiologe, Professor an den Universitäten Wien (1865), Prag (1870) und Leipzig (ab 1895). Am bekanntesten sind seine Arbeiten über die Physiologie der Sinnesorgane. In der Philosophie neigte er zum Idealismus, unterstützte die dualistische Theorie des psychophysischen Parallelismus, der zufolge die psychischen und die physischen Prozesse, die im Gehirn vor sich gehen, zwei parallele und voneinander unabhängige Reihen von Erscheinungen bilden.
Die wichtigsten Arbeiten: „über das Gedächtnis als eine allgemeine Funktion der organisierten Materie", 1870; „Zur Lehre vom Lichtsinn", 1905, u.a.
183.
 
Hertz, Heinrich Rudolf (1857-1894)
deutscher Physiker, ab 1889 Professor an der Universität Bonn. In den Jahren 1886-1889 bewies er experimentell die Existenz elektromagnetischer Wellen und untersuchte ihre Eigenschaften. Hertz' Versuche zeigten die Identität der wichtigsten Eigenschaften der elektromagnetischen und der Lichtwellen und waren von großer Bedeutung für die Begründung der elektromagnetischen Lichttheorie. W. I. Lenin wies die Versuche der Neukantianer und Machisten, „Hertz als Bundesgenossen zu gewinnen", zurück und schrieb: „Dieser kuriose Streit darüber, wem Hertz gehört, bietet ein gutes Beispiel dafür, wie die idealistischen Philosophen nach dem geringsten Fehler, nach der geringsten Unklarheit in der Ausdrucksweise der berühmten Naturforscher haschen, um ihre aufgefrischte Verteidigung des Fideismus rechtfertigen zu können. In Wirklichkeit zeigt die philosophische Einleitung von H. Hertz zu seiner »Mechanik' den üblichen Standpunkt des Naturforschers, der durch das Professorengeheul gegen die ,Metaphysik' des Materialismus eingeschüchtert ist, aber dennoch die spontane Überzeugung von der Realität der Außenwelt nicht überwinden kann." (Siehe den vorliegenden Band, S. 285.)
Die wichtigsten Arbeiten von Hertz sind: „Untersuchungen über die Aus­breitung der elektrischen Kraft", 1892; „Die Prinzipien der Mechanik", 1894, u. a.
235 263 285 286 300 302
 
Heyfelder, Victor (geb. 1871)
232
 
Hibben, John Grier (1861-1933)
amerikanischer idealistischer Philosoph, von 1897 bis 1918 Professor an der Universität Princeton, später ihr Rektor. Seine Arbeiten sind vorwiegend Problemen der Logik gewidmet,
die wichtigsten sind: „Inductive Logic" (Induktive Logik), 18%; „Hegel's Logic, an Essay in Interpretation" (Hegels Logik, Versuch einer Interpretation), 1902; „Deductive Logic" (Deduktive Logik), 1905, u. a.
272
 
Holbach, Paul-Henri Dietrich baron d' (1723-1789)
französischer Philosoph, Materialist und Atheist, einer der Ideologen der revolutionären französischen Bourgeoisie des 18. Jahrhunderts. Er war aktiver Mitarbeiter an der „Enzyklopädie der Wissenschaften, Künste und Gewerbe" und trat scharf gegen Religion und Idealismus auf. In den Arbeiten Holbachs fand der französische metaphysische Materialismus seinen vollendetsten Ausdruck. Holbach, der die theologische Lehre von der Weltschöpfung ablehnte, hielt Materie und Bewegung für ewig, faßte jedoch die Bewegung begrenzt, mechanistisch auf und reduzierte sie auf einfachen Ortswechsel. In der Erkenntnistheorie vertrat er einen materialistischen Sensualismus und wandte sich gegen den Agnostizismus und die idealistische Lehre von den angeborenen Ideen. Auf dem Gebiet der gesellschaftlichen Erscheinungen ging er von der abstrakten Auffassung der menschlichen Natur aus und vertrat die idealistische Theorie des Gesellschaftsvertrages.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Théologie portative ou dictionnaire abrégé de la religion chrétienne" (Taschenbuch der Theologie oder Handwörterbuch der christlichen Religion), 1768; „Systeme de la nature ou des lois du monde physique et du monde moral" (System der Natur oder von den Gesetzen der physischen und geistigen Welt), 1770, u. a.
238
 
Hönigswald, Richard (1875-1947)
deutscher Philosoph, Neukantianer, Anhänger des „kritischen Realismus" von A. Riehl; Professor an den Universitäten Breslau (ab 1916) und München (ab 1930); ab 1933 lebte er in den USA.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Zur Kritik der Machschen Philosophie", 1903; „Über die Lehre Humes von der Realität der Außendinge", 1904; „Ge­schichte der Erkenntnistheorie", 1933, u.a.
13 88 167 168
 
Houllevigue, Louis (1863-1944)
französischer Physiker, ab 1905 Universitätsprofessor in Marseille.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „L'évolution des sciences" (Die Evolution der Wissenschaften), 1908; „La matière" (Die Materie), 1913, u. a.
258
 
Hume, David (1711-1776)
englischer Philosoph, subjektiver Idealist, Agnostiker; bürgerlicher Historiker und Ökonom; in der Philosophie setzte er die von Berkeley begonnene idealistische Weiterentwicklung des Lockeschen Sensualismus fort. Er erkannte die Empfindungen als Grundlage der Erkenntnis an und sah die Aufgabe der Erkenntnis in der (auf Grund der Gewohnheit erfolgenden) Verbindung der elementaren Empfindungen mit den sich aus diesen bildenden Vorstellungen. Er negierte die materialistische Auffassung von der Kausalität, erkannte nur die zeitliche Aufeinanderfolge der Erscheinungen an und hielt die Frage nach der Existenz der Außenwelt für unlösbar. Die Anschauungen Humes hatten bedeutenden Einfluß auf die weitere Entwicklung der idealistischen bürgerlichen Philosophie.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „A Treatise on Human Nature" (Traktakt über die menschliche Natur), 1739/1740; „An Enquiry Concerning the Principles of Morals" (Untersuchung über die Prinzipien der Moral), 1751; „An Enquiry conceming Human Understanding" (Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand), 1748, u. a.
5 23-27 43 57 59 92-96 98 100 101 107 110 121 122 131 135 136 148 150 154 155 157 158 160-162 180 182 191 192 194 196 198 201-205 208 209 211 217 246 361 298 314 341 362
 
Huxley, Thomas Henry (1825-1895)
englischer Naturforscher, ab 1871 Sekretär, von 1883 bis 1885 Präsident der Londoner Royal Society. Arbeitete eng mit Charles Darwin zusammen und popularisierte dessen Lehre, für deren Begründung die Untersuchungen Huxleys auf dem Gebiet der Zoologie, der Paläontologie, der Anthropologie und der vergleichenden Anatomie, insbesondere der Beweis der morphologischen Verwandtschaft des Menschen mit den höchstentwickelten Affen, von großer Bedeutung waren. Als spontaner, „verschämter", wie Engels sich ausdrückte, Materialist verleugnete Huxley zugleich den Materialismus und erklärte sich zum Agnostiker (er führte diesen Terminus in der Philosophie ein). „Huxleys Philosophie", schrieb W. I. Lenin, „ist ebenso eine Mischung von Humeismus und Berkeleyanismus wie die Philosophie Machs. Nur sind Huxleys berkeleyanische Ausfälle zufällig, und sein Agnostizismus dient als Feigenblatt, um den Materialismus zu verhüllen." (Siehe den vorliegenden Band, S. 206.)
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Evidence as to Man's Place in Nature" (Zeugnisse für die Stellung des Menschen in der Natur), 1863; „Hume", 1879;„Evolution and Ethics" (Entwicklung und Ethik), 1893, u. a.
26 27 84 102 205 206 234 341 343
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I

Iljin, W.
siehe Lenin, W. I.
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J

James, William (1842-1910)
amerikanischer Philosoph und Psychologe, subjektiver Idealist, einer der Begründer des Pragmatismus; ab 1880 Professor an der Harvard-Universität. In der Behandlung verschiedener philosophischer Begriffe (Bewußtsein, Erfahrung, Wahrheit usw.) stand er dem Empiriokritizismus nahe.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „The Principles of Psychology" (Die Prin­zipien der Psychologie), 1890; „Pragmatism" (Der Pragmatismus), 1907; „A Pluralistic Universe" (Das pluralistische Universum), 1909, u. a.
346
 
Jerusalem, Wilhelm (1854-1923)
österreichischer bürgerlicher idealistischer Philosoph und Psychologe, Professor der Philosophie in Wien.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Lehrbuch der empirischen Psychologie", 1888; „Einleitung in die Philosophie", 1899; „Der kritische Idealismus und die reine Logik", 1905, u.a.
88 144 247
 
Jewlogi (Georgijewski, W.) (geb. 1868)
Monarchist, extremer Reaktionär, einer der Führer der Schwarzhundertervereinigung „Bund des russischen Volkes". Ab 1902 Bischof von Lublin. Abgeordneter der russisch-orthodoxen Bevölkerung der Gouvernements Lublin und Siedice in der II. und III. Reichsduma. 1914 zum Erzbischof von Wolhynien ernannt. Nach der Sozialistischen Oktoberrevolution einer der Führer der monarchistischen Emigration.
134
 
Jodl, Friedrich (1849-1914)
Professor der Philosophie an den Universitäten Prag (ab 1885) und Wien (ab 1896), Anhänger Ludwig Feuerbachs. Er beschäftigte sich mit Ethik, wollte sie vom Einfluß der Religion befreien und versuchte zugleich, eine neue „Menschheitsreligion" ins Leben zu rufen. Besorgte zusammen mit W. Bolin eine Neuausgabe von Ludwig Feuerbachs Sämtlichen Werken.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Geschichte der Ethik in der neueren Philosophie", 1882-1889; „Volkswirtschaftslehre und Ethik", 1886; „Ludwig Feuerbach", 1904,u.a.
77
 
Juschkewitsch, P. S. (1873-1945)
russischer Sozialdemokrat, Menschewik; auf dem Gebiet der Philosophie stand er dem Positivismus und Pragmatismus nahe; in den Jahren der Reaktion propagierte er eine Revision der marxistischen Philosophie und versuchte, sie durch den „Empiriosymbolismus", eine der Spielarten des Machismus, zu ersetzen. Er schrieb den Artikel „Современная знергетика с точки зреия змпириосимволиэма" (Die moderne Ener­getik vom Standpunkt des Empiriosymbolismus), der in dem revisionistischen Sammelband „Beiträge zur Philosophie des Marxismus" enthalten ist, sowie die Bücher: „Материалиэм и критический реалиэм" (Materialismus und kritischer Realismus), 1908; „Новые веяния" (Neue Tendenzen), 1910; „Мировозэрение и мировозэрения" (Weltanschauung und Weltanschau­ungen), 1912. Von 1917 bis 1919 arbeitete er in der Ukraine an der menschewistischen Zeitschrift „Objedinenije" (Die Vereinigung) und an anderen antibolschewistischen Publikationen mit; später zog er sich von der politischen Tätigkeit zurück und arbeitete als Übersetzer philosophischer Literatur.
6 9 12 13 21 53 54 57 62 91 145 160 161 163 169 170 172 194 202-204 228 229 249 262 263 273 275 283 294 305 334 335 350; Anm. 127
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K

Kant, Immanuel (1724-1804)
Begründer der klassischen deutschen Philosophie, ab 1770 Professor an der Universität Königsberg. In seiner ersten Schaffensperiode (etwa bis 1770) schenkte er der Naturwissenschaft große Aufmerksamkeit und stellte die bekannte kosmogonische Hypothese auf, die, wie Engels sich ausdrückte, die erste Bresche in die metaphysische Weltanschauung legte. Später beschäftigte er sich vorwiegend mit der Ausarbeitung seiner Erkenntnistheorie, wobei er die Aufgabe der Philosophie in der Erforschung der Möglichkeiten und in der Bestimmung der Grenzen der menschlichen Erkenntnis sah. Das empirische Material der Erkenntnis sind nach Kant die Empfindungen; ihre Quelle sind die außerhalb des Subjekts befindlichen und unerkennbaren „Dinge an sich". Als Ideologe der liberalen, in ihrem Kampf gegen den Feudalismus inkonsequenten deutschen Bourgeoisie konnte sich Kant von den Begriffen Gott, Freiheit des Willens und Unsterblichkeit der Seele, die die Grundlage der religiösen Moral bilden, nicht lösen; er war der Meinung, der Mensch müsse an sie glauben und sich in seinem praktischen Leben von ihnen leiten lassen. „Der Grundzug der Kantschen Philosophie", schrieb W. I. Lenin, „ist die Aussöhnung des Materialismus mit dem Idealismus, ein Kompromiß zwischen beiden, eine Verknüpfung verschiedenartiger, einander widersprechender philosophischer Richtungen zu einem System." (Siehe den vorliegenden Band, S. 195.) Der Kantianismus spielte eine bedeutende Rolle in der Geschichte der Philosophie, unter seinem Einfluß entwickelten sich die späteren Vertreter des klassischen deutschen Idealismus (Fichte, Schelling, Hegel), bildeten sich auch solche Richtungen des bürgerlichen philosophischen Denkens heraus wie der Neukantianismus, der Positivismus u. a.
Kants Hauptwerke sind: „Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels...", 1755; „Kritik der reinen Vernunft", 1781; „Kritik der praktischen Vernunft", 1788; „Kritik der Urteilskraft", 1790, u. a.
17 24 74 88 92-96 98 100 104 110 112 114 115 121 122 131 135 148 150 154 157 160 161 164 168 174 180 191-198 200-202 204 209 211 212 220 222 230 233 237 240 246 307 310 341 362 364 365
 
Kautsky, Karl (1854-1938)
einer der Führer der deutschen Sozialdemokratie und der II. Internationale, anfangs Marxist, später Renegat des Marxismus, Ideologe der gefährlichsten und schädlichsten Spielart des Opportunismus, des Zentrismus, Redakteur der theoretischen Zeitschrift der deutschen Sozialdemokratie „Die Neue Zeit". Kautsky schloß sich der sozialistischen Bewegung 1874 an. Seine damaligen Anschauungen waren eine Mischung von Lassalleanertum, Neomalthusianismus und Anarchismus. 1881 wurde er mit Karl Marx und Friedrich Engels bekannt und ging unter ihrem Einfluß zum Marxismus über, jedoch zeigte er schon in dieser Periode Schwankungen zum Opportunismus, wofür ihn Marx und Engels scharf kritisierten. In den achtziger, neunziger Jahren schrieb er mehrere Arbeiten zu Fragen der marxistischen Theorie: „Karl Marx' ökonomische Lehren", 1887; „Die Agrarfrage", 1899, u. a., die trotz der in ihnen enthaltenen Fehler eine positive Rolle bei der Propagierung des Marxismus spielten. Später, als sich die revolutionäre Bewegung breit entfaltet hatte, wurde er zum Hauptvertreter des Zentrismus in der deutschen Sozialdemokratie. Während des ersten Weltkriegs (1914-1918) vertrat Kautsky den Standpunkt des Sozialchauvinismus, den er mit Gerede über Internationalismus zu tarnen suchte. Er stellte die Theorie des Ultraimperialismus auf, deren reaktionäres Wesen Lenin in seinen Arbeiten „Der Zusammenbruch der II. Internationale", „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus" und anderen entlarvte. Nach der Sozialistischen Oktoberrevolution trat Kautsky offen gegen die proletarische Revolution, gegen die Diktatur des Proletariats und die Sowjetmacht auf.
W. I. Lenin übte in seinen Werken „Staat und Revolution", „Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky" und in verschiedenen anderen Arbeiten eine vernichtende Kritik am Kautskyanertum. In seinem Artikel „Sozialismus und Krieg" (1915) deckte W. I. Lenin die Gefährlichkeit des Kautskyanertums auf, er schrieb: „Die Arbeiterklasse kann ihre welthistorische revolutionäre Mission nicht erfüllen ohne rücksichtslosen Kampf gegen dieses Renegatentum, diese Charakterlosigkeit, diese Liebedienerei vor dem Opportunismus und diese beispiellose theoretische Verflachung des Marxismus." (Werke, Bd. 21, S. 313.)
94 201 248
 
Kelvin
siehe Thomson, William.
 
Kirchhoff, Gustav Robert (1824-1887)
deutscher Physiker, Professor an den Universitäten Heidelberg (ab 1854) und Berlin (ab 1875); ab 1874 Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften. Von großer Bedeutung für die Entwicklung der Wissenschaft waren Kirchhoffs Forschungen auf dem Gebiet der Elektrodynamik und zu anderen Fragen der Physik. 1859 begründete er zusammen mit Robert Bunsen die Spektralanalyse. Sein vierbändiges Werk „Vorlesungen über mathematische Physik", 1874-1894, spielte eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung der theoretischen Physik. Seinen philosophischen Anschauungen nach war Kirchhoff ein Vertreter des naturwissenschaftlichen Materialismus.
167 256 263
 
Kleinpeter, Hans (1869-1916)
österreichischer Philosoph, subjektiver Idealist, popularisierte den Machismus, den er in eklektischer Weise mit der Naturwissenschaft zu „vereinen" suchte.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Die Erkenntnistheorie der Naturforschung der Gegenwart", 1905, und eine Reihe von Artikeln in verschiedenen Zeitschriften.
87 190 204 218-223 229 235-237 257 285 358
 
Knox, Howard V. (geb. 1868)
englischer Philosoph, Pragmatist,
Verfasser der Bücher: „The Philosophy of William James" (Die Philosophie von William James), 1914; „The Will to be free" (Der Wille, frei zu sein), 1928; „The Evolution of truth..." (Die Evolution der Wahrheit.. .), 1930, u. a.
221
 
Kotljar, G. A.
Übersetzer philosophischer Literatur.
34
 
Kugelmann, Ludwig (1830-1902)
deutscher Sozialdemokrat, Freund von Karl Marx, Teilnehmer an der Revolution von 1848/1849 in Deutschland, Mit­glied der I. Internationale. Er war Delegierter auf den Kongressen der Internationale in Lausanne (1867) und im Haag (1872) und unterstützte die Herausgabe und Verbreitung des „Kapitals". Von 1862 bis 1874 stand er mit Marx in Briefwechsel und informierte ihn über die Lage in Deutschland. Die Briefe von Marx an Kugelmann wurden zuerst 1902 in der „Neuen Zeit" veröffentlicht; in russischer Übersetzung erschienen sie mit einem Vorwort W. I. Lenins im Jahre 1907.
130 245 332 341
Top
 

L

Laas, Ernst (1837-1885)
deutscher bürgerlicher Philosoph, Positivist, ab 1872 Professor an der Universität Straßburg. Versuchte ebenso wie R. Avenarius, die unauflösliche Verbindung (die „Prinzipialkoordination") von Subjekt und Objekt zu beweisen, wobei er die Objekte als Inhalt des individuellen Bewußtseins oder des Bewußtseins überhaupt betrachtete.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Kants Analogien der Erfahrung", 1876; „Idealismus und Positivismus", 1879-1884.
204 208.
 
Lafargue, Paul (1842-1911)
hervorragender Vertreter der französischen und internationalen Arbeiterbewegung; gründete zusammen mit J. Guesde die französische Arbeiterpartei; begabter Publizist, einer der ersten Anhänger des wissenschaftlichen Kommunismus in Frankreich; guter Freund und Mit­kämpfer von Marx und Engels.
Vom Jahre 1866 an, in dem er Mitglied der I. Internationale wurde, beteiligte er sich aktiv an der Arbeiterbewegung; wurde mit Karl Marx bekannt und ging unter seinem Einfluß auf die Positionen des Marxismus über. In der Zeit der Pariser Kommune organisierte er Hilfe für das revolutionäre Paris aus den südlichen Departements Frankreichs, reiste illegal nach Paris und informierte Marx über die Ereignisse im Lande. Nach der Niederlage der Pariser Kommune emigrierte er nach Spanien, später nach Portugal, wo er aktiv gegen den Bakunismus kämpfte. 1880 schrieb Lafargue zusammen mit Guesde unter Mitwirkung von Marx und Engels das Programm der Arbeiterpartei. Nach der Amnestie für die Kommunarden kehrte er nach Frankreich zurück und wurde Redakteur der Zeitung „L'Egalite" (Die Gleichheit), des Organs der Arbeiterpartei. Lafargue trat aktiv gegen den Opportunismus in der II. Internationale auf, begrüßte die Bildung der ersten russischen marxistischen Organisation, der Gruppe „Befreiung der Arbeit", und brachte später den Bolschewik! große Sympathien entgegen. In seinen zahlreichen Arbeiten propagierte und verteidigte Lafargue die Ideen des Marxismus auf dem Gebiet der politischen Ökonomie, der Philosophie, der Geschichte, der Sprachwissenschaft, kämpfte er gegen Reformismus und Revisionismus und kritisierte die Versuche der Bernsteinianer, eine „Synthese" zwischen Marxismus und Kantianismus herzustellen. Lenin wies auf die Bedeutung der philosophischen Arbeiten Lafargues für die Kritik am Idealismus und Agnostizismus hin. Jedoch waren die Arbeiten Lafargues nicht frei von fehlerhaften theoretischen Behauptungen, insbesondere zur Bauernfrage und zur nationalen Frage sowie hinsichtlich der Aufgaben der sozialistischen Revolution.
Lafargue und seine Frau Laura (die zweite Tochter von Marx) schieden freiwillig aus dem Leben, da sie der Ansicht waren, daß der Mensch im Alter für den revolutionären Kampf keinen Nutzen mehr bringen könne. Bei ihrer Beisetzung sprach W. I. Lenin im Namen der SDAPR und nannte Lafargue einen der „Begabtesten und Gründlichsten unter denen, welche die Ideen des Marxismus verbreiten" (Werke, Bd. 17, S. 293),
200/201 248
 
Lange, Friedrich Albert (1828-1875)
deutscher Philosoph, subjektiver Idealist, einer der frühen Vertreter des Neukantianismus; ab 1870 Professor an der Universität Zürich, ab 1872 in Marburg. Als Anhänger des „physiologischen" Idealismus falsifizierte er den Materialismus und versuchte zu beweisen, daß der Materialismus als philosophische Theorie unhaltbar ist. In seinen von bürgerlich-liberalem Standpunkt geschriebenen Arbeiten entstellte er das Wesen der Arbeiterbewegung; er unterstützte die reaktionäre Bevölkerungstheorie von Malthus und betrachtete den Kapitalismus als „natur­gemäße und ewige" Ordnung der menschlichen Gesellschaft.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Die Arbeiterfrage. Ihre Bedeutung für Gegenwart und Zukunft", 1865, und „Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart", 1866.
199 204 208 283 307 311 331 332 341
 
Langevin, Paul (1872-1946)
französischer Physiker, ab 1909 Professor am Collège de France, ab 1934 Mitglied der Pariser Akademie der Wissenschaften. Seine wichtigsten Arbeiten behandeln die Ionisation der Gase, Probleme des Magnetismus und der Akustik. Er machte (1905) als erster den Versuch, die statistische Methode, die seitdem in breitem Maße in der Physik angewandt wird, für die Erforschung der Eigenschaften des Stoffes nutzbar zu machen. Er war aktiv beteiligt an der Ausarbeitung der Quantentheorie und besonders der Relativitätstheorie. Für seine wissenschaftlichen Verdienste wurde er zum Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften der UdSSR gewählt sowie zum Ehrendoktor vieler ausländischer Universitäten ernannt. In der Philo­sophie war er konsequenter Materialist und trat gegen die idealistische Interpretation der Errungenschaften der modernen Physik auf. Er arbeitete aktiv in verschiedenen fortschrittlichen Organisationen. Ende 1941, als Frankreich okkupiert war, wurde er von der Gestapo verhaftet, ins Gefängnis geworfen und später in die Stadt Troyes ausgewiesen; von hier flüchtete er 1944 in die Schweiz. Noch im gleichen Jahr kehrte er in das befreite Paris zurück und wurde Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs.
260
 
Larmor, Joseph (1857-1942)
englischer Physiker und Mathematiker, 1880 bis 1885 Professor an der Universität Glasgow, 1885-1903 an der Universität Cambridge. Am bedeutendsten sind seine Arbeiten über Elektronentheorie.
256
 
Lavoisier, Antoine-Laurent (1743-1794)
französischer Chemiker, ab 1768 Mitglied der Pariser Akademie der Wissenschaften, ab 1785 ihr Präsident. Ebenso wie die Arbeiten M. W. Lomonossows bestätigten seine Arbeiten das Prinzip, daß das Gesamtgewicht der an einer chemischen Reaktion teilnehmenden Stoffe unverändert bleibt, was auf die gesamte spätere Entwicklung der Chemie großen Einfluß hatte. Er erklärte den Verbrennungsprozeß und zeigte die Haltlosigkeit der Phlogistontheorie. Zusammen mit anderen Chemikern schlug er eine neue chemische Nomenklatur vor, deren Grundprinzipien bis in unsere Zeit gelten. Lavoisier legte seine Anschauungen über die Chemie in dem Buch „Traité élémentaire de chimie" (Elementarlehrbuch der Chemie), 1789, dar. In der Philosophie war er Anhänger der materialistischen Anschauungen der französischen Aufklärer.
251
 
Leclair, Anton von (1848-1919)
österreichischer reaktionärer Philosoph, subjektiver Idealist, Vertreter der Immanenzschule; verteidigte den Fideismus und wandte sich, wie W. I. Lenin sagte, offen „gegen den Materialismus überhaupt und gegen die Neigung der meisten Naturforscher zum Materialismus insbesondere" (siehe den vorliegenden Band, S. 211).
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Der Realismus der modernen Naturwissenschaft im Lichte der von Berkeley und Kant angebahnten Erkenntniskritik", 1879; „Beiträge zu einer monistischen Erkenntnistheorie", 1882, u. a.
62 177 197 206 208 210-213 228 229 232 234/235 240 241 247 349 352
 
Lenin. W. I.
(Uljanow. W. I., Iljin, W., Lenin, N.)
 
Le Roy, Edouard (1870-1954)
französischer reaktionärer Philosoph, Idealist. Ab 1909 Professor der Mathematik in Saint-Louis, ab 1921 Professor der Philosophie am College de France. Anhänger des Intuitionismus H. Bergsons, Pragmatist und Neopositivist; er unternahm den Versuch, eine „organische Synthese" von Philosophie, Naturwissenschaft und Religion herzustellen.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Un positivisme nouveau" (Ein neuer Positivismus), 1900/1901; „Le probleme de dieu" (Das Gottesproblem), 1929; „La pensee intuitive" (Das intuitive Denken), 1929/1930, u a.
292 293
 
Lessewitsch, W. W. (1837-1905)
russischer bürgerlicher Philosoph, Positivist; in den achtziger, neunziger Jahren gehörte er den liberalen Volkstümlern an und war Mitarbeiter der Zeitschrift „Russkoje Bogatstwo" (siehe Anm. 109). Die Begrenztheit des Comteschen Positivismus sah Lessewitsch darin, daß in diesem die Erkenntnistheorie nicht genügend ausgearbeitet war. Er hielt es für notwendig, den alten Positivismus auf der Grundlage der neukantianischen Erkenntnistheorie, insbesondere der des Empiriokritizismus, in dem er die Krönung des philosophischen Denkens sah, zu reformieren.
Die wichtigsten Arbeiten sind in der 1915 erschienenen dreibändigen Aus­gabe seiner Gesammelten Werke enthalten.
47/48 189 204 207 322
 
Levy, Albert
Professor der Philosophie an der Universität Nancy (Frankreich),
Verfasser der Bücher: „La philosophie de Feuerbach et son influence sur la littérature allemande" (Die Philosophie Feuerbachs und ihr Einfluß auf die deutsche Literatur), 1904; „Stirner et Nietzsche" (Stirner und Nietzsche), 1904, u. a.
98-100
 
Liebknecht, Wilhelm (1826-1900)
prominenter Führer der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung, einer der Begründer und Führer der deutschen Sozialdemokratie. Er nahm aktiv an der Revolution von 1848/1849 in Deutschland teil und emigrierte nach der Niederlage der Revolution zunächst in die Schweiz und später nach England, wo er mit Karl Marx und Friedrich Engels näher bekannt wurde; unter ihrem Einfluß wurde er Sozialist. 1862 kehrte er nach Deutschland zurück. Nach der Gründung der I. Internationale war er einer der aktivsten Propagandisten ihrer revolutionären Ideen und organisierte Sektionen der Internationale in Deutschland. Von 1875 bis zu seinem Tode war Liebknecht Mitglied des Vorstands der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, ab 1876 Chefredakteur ihres Zentralorgans, des „Vorwärts". Von 1867 bis 1870 war er Abgeordneter des Norddeutschen Reichstags, von 1874 an wurde er mehrmals als Abgeordneter des Deutschen Reichstags gewählt. Er benutzte die Parlamentstribüne geschickt, um die reaktionäre Außen- und Innenpolitik des preußischen Junkertums zu entlarven. Wegen seiner revolutionären Tätigkeit mußte er mehrere Haftstrafen verbüßen. Er beteiligte sich aktiv bei der Organisierung der II. Internationale. Karl Marx und Friedrich Engels schätzten Liebknecht, berieten ihn in seiner Tätigkeit, kritisierten aber zugleich seine versöhnlerische Haltung gegenüber den opportunistischen Elementen.
105
 
Locke, John (1632-1704)
englischer materialistischer Philosoph. In seinem philosophischen Hauptwerk „An Essay conceming Human Understanding" (Abhandlung über den menschlichen Verstand), 1690, entwickelte er eine in ihrem Wesen materialistische sensualistische Erkenntnistheorie. Er kritisierte die Lehre Descartes' von den angeborenen Ideen, hatte aber zugleich selbst Abweichungen zum Idealismus hin aufzuweisen (die Lehre von den „sekundären Qualitäten", die Interpretation der inneren Erfahrung [der „Reflexion"]). In seinem Buch „Two Treatises of Govemment" (Zwei Abhandlungen über das Regieren), 1690, entwickelte er die für die damalige Zeit fortschrittliche Theorie eines bürgerlich-monarchistischen konstitutionellen Staates. Er versuchte Glauben und Vernunft miteinander zu versöhnen und eine für den „gesunden Menschenverstand" annehmbare Religion zu schaffen. Die Inkonsequenz des metaphysischen Materialismus Lockes, die Widersprüchlichkeit seiner religiösen und soziologischen Anschauungen waren nicht nur durch das begrenzte Wissen der damaligen Zeit bedingt, sondern auch durch die politische Einstellung Lockes, der, wie Engels sich ausdrückte, „in Religion wie Politik der Sohn des Klassenkompromisses von 1688 war", mit dem die englische bürgerliche Revolution zu Ende gegangen war (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke. Bd. 37, Berlin 1967, S. 492). Die Zwiespältigkeit der Philosophie Lockes hatte zur Folge, daß sie nicht nur von den Materialisten, sondern auch von den Idealisten ausgenutzt wurde: „Sowohl Berkeley als auch Diderot sind von Locke ausgegangen", schrieb W. I. Lenin.
20 121
 
Lodge, Oliver Joseph (1851-1940)
englischer Physiker, ab 1879 Professor an der Londoner, ab 1881 an der Liverpooler Universität, von 1900 bis 1919 Rektor der Universität Birmingham; schrieb eine Reihe von Arbeiten zu verschiedenen Gebieten der Physik. Seinen philosophischen Anschauungen nach war er Idealist und Mystiker; er wandte sich gegen den Materialismus und versuchte, die Entdeckungen der Naturwissenschaft zur Verteidigung der Religion auszunutzen.
Die Hauptwerke sind: „Modem Views of Electricity" (Neueste Anschauungen über Elektrizität), 1889; „Life and Matter" (Leben und Materie), 1905; „The Reality of a Spiritual World" (Die Realität einer geistigen Welt), 1930, u. a.
88 260 283 353
 
Lopatin, L. M. (1855-1920)
russischer idealistischer Philosoph, Professor an der Moskauer Universität, Vorsitzender der Moskauer Psychologischen Gesellschaft, ab 1894 Redakteur der idealistischen Zeitschrift „Woprossy Filossofii i Psichologii" (siehe Anm. 107). In seinen philosophischen Anschauungen stand er dem Mystiker W. S. Solowjow nahe; er propagierte den Spiritualismus, hielt die Begründung der „Unsterblichkeit der Seele" für eines der „aktuellen Probleme" der Philosophie und versuchte, die Seele als schöpferisches Element darzustellen, das über Willensfreiheit verfügt.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Положительные эадачи философии" (Die positiven Aufgaben der Philosophie), 1886-1891; „История новои философии" (Geschichte der neuen Philosophie), 1905-1908; „Философие характеристики и речи" (Philosophische Charakteristiken und Reden), 1911.
302-304 306 348 357/358
 
Lorentz, Hendrik Antoon (1853-1928)
niederländischer Physiker, ab 1878 Professor an der Universität Leiden, ab 1923 Direktor eines Forschungsinstituts in Haarlem (bei Leiden). Auf der Grundlage der von ihm aufgestellten Elektronentheorie vermochte er eine Reihe wichtiger elektrischer und optischer Erscheinungen (darunter insbesondere den Zeeman-Effekt) zu erklären und andere vorauszusagen; er entwickelte die Elektrodynamik der bewegten Körper, die für die Vorbereitung der Relativitätstheorie von großer Bedeutung war. Seinen philosophischen Anschauungen nach war er Materialist und trat aktiv gegen die verschiedenen Erscheinungsformen des Idealismus in der Physik auf.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „La théorie electromagnétique de Maxwell et son application nux corps mouvants" (Die elektromagnetische Theorie Maxwells und ihre Anwendung auf bewegte Körper), 1892, „The Theory of Electrons and Its Applicalions to the Phenomena of Light and Radiant Heat" (Die Elektronentheorie und ihre Anwendung auf die Erscheinungen des Lichts und der Wärmestrahlung), 1909, u. a.
256
 
Lucka, Emil (1877-1941)
österreichischer Schriftsteller und Philosoph, Kantianer.
Die wichtigsten philosophischen Arbeiten sind: „Die Phantasie", 1908; „Grenzen der Seele", 1915, sowie der von W. I. Lenin erwähnte Artikel.
88 162 190
 
Lunatscharski, A. W. (1875-1933)
russischer Berufsrevolutionär, später bedeutender sowjetischer Staatsmann und Politiker. Von Beginn der neunziger Jahre an nahm er an der revolutionären Bewegung teil. Nach dem II. Parteitag der SDAPR Bolschewik. Er gehörte dem Redaktionskollegium der bolschewistischen Zeitungen „Wperjod" (Vorwärts), „Proletari" (Der Proletarier) und „Nowaja Shisn" (Neues Leben) an. Im Auftrag W. I. Lenins hielt er auf dem III. Parteitag das Referat über den bewaffneten Aufstand; nahm am IV. (Vereinigungs-) Parteitag und am V. (Londoner) Parteitag teil. 1907 nahm er als Vertreter der Bolschewik; am Internationalen Sozialistenkongreß in Stuttgart teil. In den Jahren der Reaktion rückte er vom Bolschewismus ab, propagierte das „Gottbildnertum" und gehörte zur parteifeindlichen Gruppe „Wperjod". W. I. Lenin zeigte und kritisierte die Fehlerhaftigkeit der Anschauungen Lunatscharskis. Im ersten Weltkrieg vertrat Lunatscharski den Standpunkt des Internationalismus. Anfang 1917 schloß er sich der „Zwischengruppe" an, mit der er auf dem VI. Parteitag der SDAPR(B) in die Partei aufgenommen wurde. Nach der Sozialistischen Oktoberrevolution war er bis 1929 Volkskommissar für Bildungswesen, danach Vorsitzender des Wissenschaftlichen Komitees beim Zentralexekutivkomitee der UdSSR. Im August 1933 wurde er zum bevollmächtigten Vertreter der UdSSR in Spanien ernannt. Er verfaßte eine Reihe von Arbeiten zu Fragen der Kunst und Literatur.
9 10 71 72 184 185 283 334 347-350 354
Top
 

M

Mach Ernst (1838-1916)
österreichischer Physiker und Philosoph, subjektiver Idealist, einer der Begründer des Empiriokritizismus; unterrichtete Mathematik und Physik an den Universitäten in Graz und Prag, von 1895 bis 1901 Professor der Philosophie an der Wiener Universität. In der Erkenntnistheorie erneuerte er die Anschauungen Berkeleys und Humes. Eine allseitige Kritik der reaktionären Philosophie Machs und eine Analyse seiner wichtigsten Arbeiten gab W. I. Lenin in seinem Werk „Materialismus und Empiriokritizismus".
6 13/14 17 18 26 30-39 42-47 49^57 59-61 63 65 67-69 70 72 79 80 84-90 97 100-102 105-109 120-122 124 131 133-136 140 142 144-146 154-157 159 162 165-169 171 174-181 183 185 187-192 196 197 202-209 211-218 220-223 228-230 234-236 238-241 245-248 253 255-257 269 272 280 284 285 289 290 292 295 297-299 301 304-308 312-314 320 322 324 325 333 345-349 351-353 355 357-360 362 364 365
vergl.: Personen
 
Malinowski, A. A.
siehe Bogdanow, A.
 
Marx, Karl (1818-1883)
siehe den Artikel W. I. Lenins „Karl Marx (Kurzer biographischer Abriß mit einer Darlegung des Marxismus)", Werke, Bd. 21, S. 31-80.
9 10 32 39 43 44 47 57 76 92 97-100 111 130-134 136 138 142 154 155 157 165 169 181 187 188 194 199 202 214 237-239 241 242 245-248 253 262 263 269 300 311 317-322 325-328 331-334 337 338 340-343 347-349 351 362 366
 
Maxwell, James Clark (1831-1879)
englischer Physiker; ab 1856 Universitätsprofessor in Aberdeen, ab 1860 in London, ab 1871 in Cambridge, wo er das auf seine Initiative (1874) gegründete Cavendish-Laboratorium leitete. Er ist bekannt durch seine theoretischen Untersuchungen auf dem Gebiet der Optik, der kinetischen Gastheorie und besonders der Elektrizitätstheorie. Er verallgemeinerte die Forschungsergebnisse M. Faradays auf dem Gebiet der elektromagnetischen Erscheinungen und schuf die Theorie des elektromagnetischen Feldes und die elektromagnetische Lichttheorie. Seinen philosophischen Anschauungen nach war er Materialist, jedoch war sein Materialismus mechanistisch und inkonsequent. Die wichtigsten Arbeiten sind: „Theory of Heat" (Wärmetheorie), 1871; „A Treatise on Electricity and Magnetism" (Abhandlung über Elektrizität und Magnetismus), 1873; „Matter and Motion" (Materie und Bewegung), 1876, u. a.
256 263 300
 
Mehring, Franz (1846-1919)
hervorragender Führer der deutschen Arbeiterbewegung, einer der Führer und Theoretiker des linken Flügels der deutschen Sozialdemokratie; Historiker, Publizist und Literaturwissenschaftler. Ab Ende der sechziger Jahre radikaler bürgerlich-demokratischer Publizist. Er war Redakteur der demokratischen „Volks-Zeitung" und trat zur Verteidigung der Sozialdemokratie gegen Bismarck auf. 1891 wurde er Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Er war aktiver Mitarbeiter und einer der Redakteure der „Neuen Zeit", des theoretischen Organs der Partei, später Redakteur der „Leipziger Volkszeitung".
1893 erschien seine „Lessing-Legende" als Einzelausgabe, 1897 die vierbändige „Geschichte der deutschen Sozialdemokratie". Mehring leistete eine umfangreiche Arbeit bei der Herausgabe des literarischen Nachlasses von Marx, Engels und Lassalle; 1918 erschien sein Buch „Karl Marx. Geschichte seines Lebens".
Mehring kämpfte aktiv gegen den Opportunismus und Revisionismus innerhalb der II. Internationale; er verurteilte das Kautskyanertum, teilte aber die falschen Anschauungen der deutschen Linken, die die Notwendigkeit des organisatorischen Bruchs mit den Opportunisten nicht erkannten. Mehring verteidigte konsequent den Internationalismus und begrüßte die Sozialistische Oktoberrevolution. Ab 1916 war er einer der Führer der revolutionären „Spartakusgruppe" und spielte eine bedeutende Rolle bei der Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands (Spartakusbund).
10 248 360
 
Menger, Anton (1841-1906)
österreichischer Jurist, Vertreter des sogenannten „Juristensozialismus"; ab 1877 Professor an der Wiener Universität.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Das Recht auf den vollen Arbeitsertrag in geschichtlicher Darstellung", 1886; „Das bürgerliche Recht und die besitzlosen Volksklassen", 1890, u. a.
324
 
Menschikow, M. 0. (1859-1919)
russischer reaktionärer Publizist. Seine literarische Tätigkeit begann 1879, er war Mitarbeiter der Zeitung „Nowoje Wremja" (Neue Zeit). W. I. Lenin nannte Menschikow einen „treuen Kettenhund der zaristischen Schwarzhunderter" (Werke, Bd. 17, S. 75). Nach der Sozialistischen Oktoberrevolution kämpfte er aktiv gegen die Sowjetmacht; er wurde 1919 erschossen.
65 124 209 211
 
Michailowski, N. K. (1842-1904)
bekannter Theoretiker der liberalen Tendenz der Volkstümlerbewegung, Publizist, Literaturkritiker; als Philosoph Positivist, Vertreter der subjektiven Schule in der Soziologie. Seine literarische Tätigkeit begann 1860; ab 1868 Mitarbeiter, später einer der Redakteure der Zeitschrift „Otetschestwennyje Sapiski" (Vaterländische Blätter). Ende der siebziger Jahre beteiligte er sich an der Zusammenstellung und Redaktion der Publikationen der Organisation „Narodnaja Wolja" (Volkswille). 1892 leitete er die Zeitschrift „Russkoje Bogatstwo" (siehe Anm. 109), in deren Spalten er einen erbitterten Kampf gegen die Marxisten führte. Eine Kritik der Anschauungen Michailowskis ist m W. I. Lenins Arbeit „Was sind die ,Volksfreunde' und wie kämpfen sie gegen die Sozialdemokraten?" (1894) sowie in anderen Werken enthalten.
202 203 330
 
Mill, John Stuart (1806-1873)
englischer bürgerlicher Philosoph und Ökonom, bekannter Vertreter des Positivismus. Von 1865 bis 1868 war er Mitglied des Unterhauses im englischen Parlament. Die wichtigsten philosophischen Arbeiten Mills sind: „System of Logic" (System der Logik), 1843, und „Examination of Sir W. Hamilton's Philosophy" (Eine Prüfung der Philosophie Sir W. Hamiltons), 1865. Seine wichtigste ökonomische Arbeit ist: „Principles of Political Economy" (Grundsätze der politischen Ökonomie), 1848. Mill gehörte zu jenen Vertretern der bürgerlichen politischen Ökonomie, die, wie Marx sagte, „die politische Ökonomie des Kapitals in Einklang zu setzen suchten mit den jetzt nicht länger zu ignorierenden Ansprüchen des Proletariats" (Karl Marx, „Das Kapital", Bd. I, Berlin 1961, S. 13, oder Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 23, Berlin 1969, S. 31). Mill ging im Vergleich mit Ricardo einen Schritt zurück. Er ging von der Arbeitswerttheorie ab und ersetzte sie durch die vulgäre Theorie der Produktionskosten. Den Profit der Kapitalisten versuchte Mill mit der pseudowissenschaftlichen Abstinenztheorie zu erklären, nach der die Kapitalisten in bezug auf den Konsum angeblich Abstinenz üben. Mill war Anhänger der menschenfeindlichen Bevölkerungstheorie von Malthus. N. G. Tschernyschewski kritisierte die ökonomischen Anschauungen Mills in seinen Anmerkungen zur Übersetzung von Mills Buch „Grundsätze der politischen Ökonomie" (1860/1861) und in der Arbeit „Очерки иэ политической зконмии (по Миллю)" (Umrisse der politischen Ökonomie [nach Mill]), 1861.
102 270
 
Moleschott, Jacob (1822-1893)
holländischer Gelehrter, Privatdozent an der Heidelberger Universität (1847-1854), Professor der Physiologie an den Universitäten Zürich (1856-1861), Turin (1861-1879) und Rom (1879-1893). Einer der Hauptvertreter des Vulgärmaterialismus; erneuerte die mechanistischen Anschauungen über Natur und Gesellschaft. Er schrieb eine Reihe von Arbeiten zu Fragen der Physiologie.
Seine wichtigste philosophische Arbeit ist „Der Kreislauf des Lebens", 1852.
39 238 333
 
Morgan, Conwy Loyd (1852-1936)
englischer Biologe, Psychologe und Philosoph; ab 1884 Professor an der Universität Bristol. In seiner ersten Schaffensperiode stand er auf materialistischen Positionen; später ging er vom Materialismus ab und vertrat eine der idealistischen Richtungen der modernen englischen bürgerlichen Philosophie, die Schule der „Emergenzevolution"; er versuchte zu beweisen, daß es notwendig sei, die Existenz einer bestimmten „immanenten Kraft" in der Welt anzuerkennen, die er mit Gott identifizierte.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Animal Life and Intelligence" (Leben und Verstand der Tiere), 1890/1891; „Introduction to Comparative Psychology" (Einführung in die vergleichende Psychologie), 1895; „Emergent Evolution" (Emergenzevolution), 1923, u. a.
37 180
 
Müller, Johannes Peter (1801-1858)
deutscher Naturforscher, ab 1830 Professor an der Bonner, ab 1833 an der Berliner Universität. Schrieb Arbeiten über Physiologie, vergleichende Anatomie, Embryologie und Histologie; befaßte sich mit der Untersuchung des zentralen Nervensystems und der Sinnesorgane; 1834 gründete er die Zeitschrift „Archiv für Anatomie, Physiologie und wissenschaftliche Medizin"; Begründer der physikalisch-chemischen Schule in der Physiologie.
Müller war einer der Begründer des „physiologischen" Idealismus, ausgehend von dem von ihm formulierten sogenannten „Gesetz der spezifischen Energie der Sinnesorgane" betrachtete er die Empfindungen als Ergebnis des Wirkens einer inneren Energie der Sinnesorgane des Menschen und zog im Sinne des Kantianismus den Schluß, daß es unmöglich sei, die Außenwelt zu erkennen.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Zur vergleichenden Physiologie des Gesichtssinnes des Menschen und der Tiere ...", 1826, „Handbuch der Physiologie des Menschen", 1833-1840, u. a.
306
Top
 

N

Napoleon I. (Bonaparte) (1769-1821)
Kaiser der Franzosen (1804-1814 und 1815).
126 127 131 138 179
 
Newski, W. I. (1876-1937)
russischer Berufsrevolutionär, Mitglied der Partei ab 1898, einer der Organisatoren des ersten Donkomitees der SDAPR. Leistete Parteiarbeit in Rostow am Don, in Moskau, Petersburg, Woronesh, Charkow und anderen Städten; aktiver Teilnehmer der Revolution von 1905 bis 1907. War wiederholt Repressalien seitens der zaristischen Regierung ausgesetzt. Nach der bürgerlich-demokratischen Februarrevolution 1917 war er einer der Organisatoren und Leiter der Militärorganisation in Petrograd; er beteiligte sich aktiv am bewaffneten Oktoberaufstand, Mitglied des Petrograder Revolutionären Militärkomitees. Nach der Sozialistischen Oktoberrevolution arbeitete er im Sowjet- und Parteiapparat sowie auf wissenschaftlichem Gebiet: als Volkskommissar für Verkehrswesen, als Stellvertreter des Vorsitzenden des Gesamtrussischen Zentralexekutivkomitees, als Rektor der Kommunistischen J.-M.-Swerdlow-Universität, als stellvertretender Leiter der Kommission für die Parteigeschichte und als Direktor der Staatlichen W.-I.-Lenin-Bibliothek. Verfasser verschiedener philosophischer Arbeiten.
11
 
Newton, Isaac (1642-1727)
großer englischer Physiker, Anhänger der Mechanik; Astronom und Mathematiker. Ab 1669 leitete er den physikalisch-mathematischen Lehrstuhl an der Universität Cambridge, ab 1672 war er Mitglied der Londoner Royal Society, ab 1703 ihr Präsident. Er formulierte die Grundgesetze der klassischen Mechanik, entdeckte das Gesetz der universellen Gravitation, die Dispersion des Lichts und entwickelte (gleichzeitig mit G. Leibniz) die Differential- und Integralrechnung. Seinen philosophischen Anschauungen nach war Newton spontaner Materialist. Er hielt die Materie für träge und unfähig zur Selbstbewegung und behauptete, den „ersten Anstoß" zur Bewegung des Universums habe Gott gegeben. Die Anschauungen Newtons hatten großen Einfluß auf die Herausbildung des mechanistischen Materialismus.
Die Hauptwerke sind: „Philosophiae naturalis principia mathematica" (Mathematische Prinzipien der Naturphilosophie), 1687; „Optics, or a Treatise of the Reflections, Refractions, Inflections and Colours of Light" (Optik, oder Abhandlung über Spiegelungen, Brechungen, Beugungen und Farben des Lichts), 1704, u a.
175 252
Top
 

O

Orthodox
siehe Axelrod, L. I.
 
Ostwald, Wilhelm (1853-1932)
deutscher Naturforscher und Philosoph, Idealist; ab 1882 Professor am Polytechnikum in Riga, ab 1887 Professor der physikalischen Chemie an der Leipziger Universität; Er trat auf verschiedenen Gebieten der Chemie hervor; seine wichtigsten Arbeiten sind der Theorie der elektrolytischen Dissoziation gewidmet. Er ist der Begründer der „energetischen" Theorie, einer der Spielarten des „physikalischen" Idealismus; er betrachtete die Energie als den allgemeinsten Begriff und versuchte, sich Bewegung und Energie losgelöst von der Materie zu denken. W. I. Lenin, der Ostwald einen großen Chemiker und kleinen Philosophen nannte, kritisierte den „Energetismus" und bewies dessen wissenschaftliche Haltlosigkeit.
Die wichtigsten philosophischen Arbeiten sind: „Die Energie und ihre Wand­lungen", 1888; „Die Überwindung des wissenschaftlichen Materialismus", 1895; „Vorlesungen über Naturphilosophie", 1902; ab 1901 gab er die Zeitschrift „Annalen der Naturphilosophie" heraus.
42 51 164 223 229/230 253
Top
 

P

Paulsen, Friedrich (1846-1908)
deutscher Philosoph, Neukantianer, einer der konservativsten Theoretiker der deutschen Pädagogik Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts. Ab 1878 Professor an der Berliner Universität. Er stand unter dem Einfluß der idealistischen Philosophie A. Schopenhauers und verteidigte die Religion.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „System der Ethik", 1889; „Philosophia militans", 1901, u. a. Bemerkungen W. I. Lenins zu Paulsens Arbeit „Einleitung in die Philosophie" (1892) siehe in den „Philosophischen Heften" (Werke, Bd. 38. S. 359-361).
354
 
Pearson, Karl (1857-1936)
englischer Mathematiker, Biologe und idealistischer Philosoph, ab 1884 Professor an der Londoner Universität; er verteidigte in seinen Arbeiten die reaktionäre eugenische „Theorie der natürlichen Auslese" in der menschlichen Gesellschaft. Er war ebenso wie H. Spencer bemüht, dem Positivismus eine populäre Form zu geben, negierte den objektiven Charakter der Naturgesetze und bekämpfte die materialistische Weltanschauung. „Der englische Machist K. Pearson", schrieb W. I. Lenin, „der auf alle philosophischen Kniffe verzichtet und weder Introjektion noch Koordination, noch die »Entdeckung der Weltelemente' anerkennt, kommt zu dem unausweichlichen Resultat, zu dem der Machismus, wenn er dieser ,Deckungen' beraubt ist, gelangen muß, nämlich: zum reinen subjektiven Idealismus." (Siehe den vorliegenden Band, S. 84/85.)
Die wichtigste philosophische Arbeit ist: „The Grammar of Science" (Die Grammatik der Wissenschaft), 1892.
43 84/85 88 89 140 142 156 179-181 204 211 221 258/259 268/269 281 306 308 346
 
Pellat, Joseph-Solange-Henri (1850-1909)
französischer Physiker, Professor, bekannt durch seine Arbeiten auf dem Gebiet der Elektrizität.
Die wichtigste Arbeit ist: „Cours d' électricité" (Lehrbuch der Elektrizität), 1901-1908.
260
 
Petzoldt, Joseph (1862-1929)
deutscher reaktionärer Philosoph, subjektiver Idealist, Schüler von E. Mach und R. Avenarius. Er lehnte den Materialismus als philosophische Richtung ab, wollte die Kausalität durch das apriorische Prinzip der „eindeutigen Bestimmtheit" ersetzen und trat gegen den wissenschaftlichen Sozialismus auf. Petzoldt kann, wie W, I. Lenin sagte, „als vorzügliches Beispiel der reaktionären Scholastik des Machismus dienen" (siehe den vorliegenden Band, S. 157).
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Einführung in die Philosophie der reinen Erfahrung", 1900-1904: „Das Weltproblem von positivistischem Standpunkte aus", 1906, u. a.
6 17 33 47 48 54 58 67 70-74 77 86 123 131 142 147 157-160 168 170 175 185 188 203 204 207 211 215 218 221 248 322 323 325 348 349 351 352 355 358
 
Pillon, François-Thomas (1830-1914)
französischer Philosoph, Neukantianer, Schüler des prominentesten Neukantianers in Frankreich, des Neokritizisten Ch. Renouvier; ab 1890 redigierte er die Zeitschrift "L'Année Philosophique" (siehe Anm. 82), in der er einige Artikel veröffentlichte. Er schrieb das Buch: „La philosophie de Secrétan" (Die Philosophie Secrétans), 1898.
26 209 229
 
Plato (richtiger Name Aristokles) (427-347 v. u. Z.)
altgriechischer Philosoph, Begründer der obiektiv-idealistischen Richtung, in der antiken Philosophie. Die Werke Platos, die größtenteils in Form von Dialogen geschrieben sind („Gastmahl", „Theaetet", „Phaedo" u. a.), umfassen die verschiedenen Seiten der antiken Philosophie: Metaphysik, Dialektik, Logik usw. Die Philosophie Platos, insbesondere seine religiöse Ethik und seine Lehre vorn „Idealstaat", brachte die Interessen der reaktionären Sklavenhalteraristokratie zum Ausdruck. Plato trat gegen den Materialismus auf und behauptete, daß die Natur, „die Welt der Sinnendinge", nicht objektiv existiere, sondern nur „Schatten", Abbild der ewigen und unveränderlichen ,Welt der geistigen Wesenheiten", der Ideen, sei. Die mystische Erkenntnistheorie Platos beruht auf dem Glauben an die Unsterblichkeit der Seele und ihre Unabhängigkeit vom Körper; er behauptete, man könne die Wahrheit nur erkennen durch vertiefte Selbstbeobachtung, durch „Anamnesis", die Wiedererinnerung dessen, was die Seele einstmals im Reich der Ideen beobachtet hat.
Die Leninsche Einschätzung der Philosophie Platos siehe in den „Philosophischen Heften" (Werke, Bd. 38).
124
 
Plechanow, G. W. (Beltow, N.) (1856-1918)
hervorragender Vertreter der russischen und internationalen Arbeiterbewegung, der erste Propagandist des Marxismus in Rußland. 1875 trat er, noch als Student, mit den Volkstümlern und mit Petersburger Arbeitern in Verbindung und nahm an der revolutionären Tätigkeit teil; 1877 trat er der Volkstümlerorganisation „Semlja i Wolja" (Land und Freiheit) bei und leitete nach deren Spaltung im Jahre 1879 die neugegründete Organisation der Volkstümler „Tschorny Peredel" (Schwarze Umteilung). 1880 emigrierte er in die Schweiz, brach mit den Volkstümlern und gründete 1883 in Genf die erste russische marxistische Organisation, die Gruppe „Oswoboshdenije Truda" (Befreiung der Arbeit). Er kämpfte gegen die Volkstümlerrichtung und trat gegen den Revisionismus in der internationalen Arbeiterbewegung auf. Anfang dieses Jahrhunderts redigierte er zusammen mit W. I. Lenin die Zeitung „Iskra" (Der Funke) und die Zeitschrift „Sarja" (Die Morgenröte) und nahm an der Vorbereitung des II. Parteitags der SDAPR teil. Auf dem Parteitag war er Delegierter der Gruppe „Befreiung der Arbeit".
In den Jahren 1883 bis 1903 schrieb er eine Reihe von Arbeiten, die eine große Rolle bei der Verteidigung und Propagierung der materialistischen Weltanschauung spielten: „Социалиэм и политическая борыба" - (Sozialismus und politischer Kampf) (1883); „Наши раэногласия" (Unsere Meinungs­verschiedenheiten) (1885); „К вопросу o раэвитии монистического взглида на историю" (Zur Frage der Entwicklung der monistischen Geschichtsauffassung) (1895); „Очерики по истории материалиэма" (Beiträge zur Geschichte des Materialismus) (1896); „K вопросу o роли личности в истории" (über die Rolle der Persönlichkeit in der Geschichte) (1898), u. a.
Jedoch schon zu dieser Zeit traten ernste Fehler bei ihm auf, die den Keim seiner späteren menschewistischen Anschauungen bildeten. Nach dem II. Parteitag der SDAPR stellte sich Plechanow auf die Position des Versöhnlertums gegenüber dem Opportunismus und schloß sich dann den Menschewiki an. Während der Revolution von 1905 bis 1907 vertrat, er in allen Grundfragen einen menschewistischen Standpunkt; er unterschätzte die revolutionäre Rolle der Bauernschaft und forderte ein Bündnis mit der liberalen Bourgeoisie; er erkannte in Worten die Idee der Hegemonie des Proletariats an, trat jedoch faktisch gegen das Wesen dieser Idee auf. Er verurteilte den bewaffneten Aufstand vom Dezember 1905. In den Jahren der Reaktion und des neuen revolutionären Aufschwungs wandte er sich gegen die machistische Revision des Marxismus und gegen das Liquidatorentum, stand er an der Spitze der Gruppe der „parteitreuen Menschewiki". Im ersten Weltkrieg bezog er den Standpunkt des Sozialchauvinismus und trat für die menschewistische Taktik der Vaterlandsverteidigung ein. Nach der bürgerlich-demokratischen Februarrevolution 1917 nach Rußland zurückgekehrt, leitete er die extrem rechte Gruppe der menschewistischen Vaterlandsverteidiger „Jedinstwo" (Einheit) und trat, da er der Meinung war, Rußland sei nicht reif für den Übergang zum Sozialismus, aktiv gegen die Bolschewiki, gegen die sozialistische Revolution auf. Zur Sozialistischen Oktoberrevolution verhielt er sich ablehnend, nahm jedoch nicht am Kampf gegen die Sowjetmacht teil.
W. L Lenin schätzte die philosophischen Arbeiten Plechanows und seine Rolle bei der Verbreitung des Marxismus in Rußland sehr hoch ein; gleichzeitig kritisierte er Plechanow scharf wegen seiner Abweichungen vom Marxismus und wegen der schweren Fehler in seiner politischen Tätigkeit.
12 13 16 49 74-76 79 91-94 97 98 103 105 117 136 141 146-148 194 231 237 247/248 250 360
 
Poincaré, Henri (1854-1912)
französischer Mathematiker und Physiker, ab 1886 Professor an der Pariser Universität; ab 1887 Mitglied der Pariser Akademie der Wissenschaften; bekannt durch seine Arbeiten zur Theorie der Differentialgleichungen, auf dem Gebiet der mathematischen Physik und der Himmelsmechanik; schuf zur gleichen Zeit wie Albert Einstein die Grundlagen einer speziellen Relativitätstheorie.
In der Philosophie stand Poincaré dem Machismus nahe; er leugnete die objektive Existenz der Materie und die objektive Gesetzmäßigkeit der Natur. Für Poincaré, schrieb W. I. Lenin, „sind die Naturgesetze Symbole, Konventionen, die sich der Mensch der ,Bequemlichkeit' halber schafft" (siehe den vorliegenden Band, S. 160). Der Wert der wissenschaftlichen Theorie wird nach Poincaré nicht dadurch bestimmt, wie richtig und wie tief sie die Wirklichkeit widerspiegelt, sondern lediglich durch die Bequemlichkeit und Zweckmäßigkeit ihrer Anwendung.
Die wichtigsten philosophischen Arbeiten sind: „La Science et l'Hypothèse" (Wissenschaft und Hypothese), 1902; „La Valeur de la Science" (Der Wert der Wissenschaft), 1905; „Science et Méthode" (Wissenschaft und Methode), 1909, u. a.
21 44 160 161 179 251 252 255 256 263 275 284 292-294 298 299 301 305 308 311 313 346 347
 
Poincarè, Lucien-Antoine (1862-1920)
französischer Physiker, Professor. Seine Hauptarbeiten sind der Elektrizitätstheorie gewidmet. Am bekanntesten ist sein Buch „La Physique Moderne" (Die moderne Physik), 1906.
300
 
Popper, Josef (1838-1921)
österreichischer Ingenieur, Positivist; Vertreter des kleinbürgerlichen „Beamtensozialismus"; Verfasser des Buches „Das Recht zu leben und die Pflicht zu sterben", 1878, und anderer.
324
 
Poynting, John Henry (1852-1914)
englischer Physiker; ab 1880 Professor an der Universität Birmingham, ab 1888 Mitglied der Londoner Royal Society.
Seine wichtigste Arbeit ist: „On the Transfer of Energy in the Electromagnetic Field" (Die Übertragung von Energie im elektromagnetischen Feld), 1884.
275
 
Purischkewitsch, W. M. (1870-1920)
russischer Großgrundbesitzer, extremer Reaktionär und Schwarzhunderter, Monarchist. Er arbeitete ab 1900 im Innenministerium und wurde dort im Jahre 1904 unter Plehwe Beamter für Sonderaufträge. Einer der Initiatoren der Schwarzhunderterorganisation „Bund des russischen Volkes" (siehe Anm. 108); 1907 trat er aus diesem Bund aus und gründete eine neue Organisation, den monarchistischen konterrevolutionären „Erzengel-Michael-Bund". Er war Abgeordneter der II., III. und IV. Reichsduma vom Gouvernement Bessarabien; bekannt durch seine antisemitischen Pogromreden in der Duma. Nach der Sozialistischen Oktoberrevolution kämpfte er aktiv gegen die Sowjetmacht.
196
 
Pyrrhon (etwa 365-275 v. u. Z.)
altgriechischer Philosoph, Begründer des antiken Skeptizismus. Pyrrhon leugnete die Erkenntnis der objektiven Wahrheit, predigte Zurückgezogenheit vom praktischen Leben und völligen Gleichmut ihm gegenüber.
135
Top
 

R

Rachmetow, N. (Blum, 0. W.) (geb. 1886)
russischer Sozialdemokrat, Menschewik, später Provokateur. War literarisch tätig und schrieb über philosophische Fragen. Er war Mitglied der Redaktionskommission der Sozialdemokratie des Lettischen Gebiets und arbeitete an der Zeitung „Golos Truda" (Die Stimme der Arbeit) mit. Ab Juli 1909 Geheimagent der Rigaer Ochrana. 1917 entlarvt, zu Freiheitsentzug verurteilt und später des Landes verwiesen.
6 229
 
Ramsay, William (1852-1916)
englischer Chemiker und Physiker; Professor an den Universitäten Bristol (ab 1880) und London (ab 1887), Ehrenmitglied der Petersburger Akademie der Wissenschaften; bekannt durch seine Arbeiten auf dem Gebiet der organischen und der physikalischen Chemie; er entdeckte die Gase Argon (zusammen mit J. Rayleigh), Helium und (zusammen mit M. Travers) Krypton, Xenon und Neon, die die sogenannte Nullgruppe des Periodischen Systems von D. I. Mendelejew bilden. Unabhängig von Mendelejew und bedeutend später als dieser machte Ramsay den Vorschlag, Steinkohle unterirdisch in Gas zu verwandeln und dieses Gas für technische Zwecke zu verwenden. W. I. Lenin schätzte den Vorschlag Ramsays sehr hoch ein und widmete dieser Frage den Artikel „Ein großer Sieg der Technik" (Werke, Bd. 19, S. 42/43).
Die wichtigsten Arbeiten Ramsays sind: „A System of Chemistry" (System der Chemie), 1891; „The Gases of the Atmosphere" (Die Gase der Atmosphäre), 1896; „Modern Chemistry" (Moderne Chemie), 1901; „Essays Biographical and Chemical" (Biographische und chemische Essays), 1908, u. a.
315/316
 
Rappoport Charles (geb. 1865)
französischer Sozialist, propagierte eine Revision der marxistischen Philosophie, wofür er von P. Lafargue scharf kritisiert wurde. Er schrieb verschiedene Arbeiten zu Fragen der Philosophie und Soziologie. 200
 
Rau, Albrecht (1843-1920)
deutscher Philosoph, Anhänger Feuerbachs.
Seine wichtigsten Werke sind: „Ludwig Feuerbachs Philosophie, die Naturforschung und die philosophische Kritik der Gegenwart", 1882; „Empfinden und Denken", 1896; „Das Wesen des menschlichen Verstandes", 1910, u.a.
Bemerkungen W. I. Lenins über Raus Arbeit „Fr. Paulsen über E. Haeckel" siehe in den „Philosophischen Heften" (Werke, Bd. 38, S. 382).
199 234 364
 
Rehmke, Johannes (1848-1930)
deutscher idealistischer Philosoph, Vertreter der Immanenzschule. Ab 1885 Professor an der Universität Greifswald. Trat gegen den dialektischen und den naturwissenschaftlichen Materialismus auf und verteidigte die Religion, indem er von Gott als einem „realen Begriff" sprach.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Lehrbuch der allgemeinen Psychologie", 1894; „Philosophie als Grundwissenschaft", 1910; „Logik oder Philosophie als Wissenslehre", 1918, u.a.
62 177 197 206 210 226 278 307 352 354
 
Renouvier, Charles (1815-1903)
französischer Philosoph, Eklektiker, Haupt der philosophischen Schule der Neokritizisten; von Beruf Mathematiker. Ab 1890 arbeitete er aktiv an der Zeitschrift „L'Année Philosophique" (siehe Anm. 82) mit. W. I. Lenin charakterisierte Renouvier als einen reaktionären Philosophen, er schrieb: „Seine theoretische Philosophie ist eine Vereinigung des Phänomenalismus Humes mit dem Apriorismus Kants. Das Ding an sich wird entschieden abgelehnt. Der Zusammenhang der Erscheinungen, Ordnung, Gesetz werden für apriorisch erklärt, Gesetz wird mit großen Buchstaben geschrieben und zur Grundlage der Religion, gemacht. Die katholischen Pfaffen sind von dieser Philosophie begeistert," (Siehe den vorliegenden Band, S. 209.)
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Manuel de philosophie moderne" (Handbuch der modernen Philosophie), 1842; „Manuel de philosophie ancienne" (Handbuch der antiken Philosophie), 1844; „Essais de critique générale" (Versuche einer allgemeinen Kritik), 1854-1864; „Le Personnalisme" (Der Personalismus), 1903. u. a.
26 205 208 209 211 229
 
Rey, Abel (1873-1940)
französischer Philosoph, Positivist; ab 1919 Professor an der Sorbonne. In den Fragen der Naturwissenschaft war er inkonsequenter spontaner Materialist; in der Erkenntnistheorie stand er auf den Positionen des Machismus. Außer Reys Arbeit „La théorie de la physique chez les physiciens contemporains" (Die Theorie der Physik bei den modernen Physikern) 1907, die Lenin in seinem Werk „Materialismus und Empiriokritizismus" analysierte, siehe Lenins Bemerkungen und Notizen in Reys Buch „La Philosophie Moderne" (Die moderne Philosophie), 1908, die in den „Philosophischen Heften" veröffentlicht wurden (Werke, Bd. 38, S. 512-571).
252-257 260 263-265 286 294-301 307-311 314
 
Riehl, Alois (1844-1924)
eutscher Philosoph, Neukantianer, ab 1873 Professor in Graz, Freiburg, Kiel, Halle und Berlin; unternahm den Versuch, die Lehre Kants im Hinblick auf die moderne Naturwissenschaft „realistisch" zu interpretieren.
Die Hauptarbeit Riehls ist „Der philosophische Kritizismus und seine Bedeutung für die positive Wissenschaft", 1876-1887.
144 204 208
 
Righi, Augusto (1850-1921)
italienischer Physiker, ab 1873 Professor am Technischen Institut in Bologna; bekannt durch seine Arbeiten auf dem Gebiet der Elektrizität und des Magnetismus. Seinen philosophischen Anschauungen nach spontaner Materialist.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „La moderna teoria dei fenomeni fisici" (Die moderne Theorie der physikalischen Erscheinungen), 1904; „Le nuove vedute sull'intima struttura della materia" (Neuere Anschauungen über die Struktur in der Materie), 1907, u. a.
258 260 262 263
 
Rodier, Georges (1848-1910)
Professor für Geschichte der antiken Philosophie in Paris.
221
 
Rücker, Arthur William (1848-1915)
englischer Physiker; von 1901 bis 1908 Rektor der Londoner Universität; arbeitete vorwiegend auf dem Gebiet der Geophysik sowie der Theorie der Elektrizität und des Magnetismus; in der Philosophie spontaner Materialist.
274-279
 
Rudnew, W. A.
siehe Basarow, W.
 
Ryle, Reginald John (1854-1922)
englischer Naturforscher. Veröffentlichte in der Zeitschrift „Natural Science" (siehe Anm. 68); Jahrgang 1892, Nr. 6, den Artikel „Professor Lloyd Morgan on the ,Grammar of Science' " (Professor Lloyd Morgan über die „Grammatik der Wissenschaft"), in dem er die idealistischen Anschauungen Pearsons verteidigte.
181
Top
 

S

Schelling, Friedrich Wilhelm Joseph von (1775-1854)
Vertreter der deutschen idealistischen Philosophie Ende des 18., Anrang des 19. Jahrhunderts, Professor an den Universitäten Jena (ab 1798), Würzburg (ab 1803), München (ab 1806) und Berlin (ab 1841). Ursprünglich Anhänger der Philosophie Fichtes, entwickelte er dann die objektiv-idealistische „Identitätsphilosophie" mit der Idee der absoluten Identität von Sein und Denken, Materie und Geist, Objekt und Subjekt; diese Identität betrachtete er als unbewußten Zustand eines „Weltgeistes". Die Entwicklung der Natur wurde von Schelling als dialektischer Prozeß der Selbstentwicklung des „Weltgeistes" dargestellt. Schelling war ein prominenter Vertreter der Naturphilosophie, die trotz ihres idealistischen Charakters das Wertvollste in seinem philosophischen System darstellte. In seiner letzten Schaffensperiode propagierte er als offizieller Ideologe des preußischen Königtums die religiös-mystische „Philosophie der Offenbarung", gegen die sich Friedrich Engels wandte. (Siehe Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Ergänzungsband, Zweiter Teil, Berlin 1967, S. 161-245.)
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Erster Entwurf eines Systems der Natur­philosophie", 1799; „System des transzendentalen Idealismus", 1800, u. a.
341
 
Schischkin, N. J. (1840-1906)
russischer Mathematiker und Physiker, Mitglied der Moskauer Psychologischen Gesellschaft, Mitarbeiter der Zeitschrift „Woprossy Filossofii i Psichologii" (siehe Anm. 107). In den Artikeln „über die psychophysischen Erscheinungen vom Standpunkt der mechanischen Theorie", „Über den Determinismus im Zusammenhang mit der mathematischen Psychologie" und „Der Raum bei Lobatschewski" verteidigte er die Ideen des Empiriokritizismus in der Naturwissenschaft.
302-305
 
Schmidt, Heinrich (1874-1935)
deutscher Biologe, Schüler und Anhänger von Ernst Haeckel, Direktor des Haeckel-Archivs in Jena. Er beteiligte sich aktiv am Kampf Haeckels gegen Idealismus und Klerikalismus, verteidigte ihn gegen die Angriffe reaktionärer Philosophen und Theologen und schrieb zu diesem Zweck eine Reihe von Arbeiten:
„Der Kampf um die »Welträtsel'", 1900; „Haeckels biogenetisches Grundgesetz und seine Gegner", 1902; „Monismus und Christentum", 1906, u. a.
354
 
Schopenhauer, Arthur (1788-1860)
deutscher Philosoph, subjektiver Idealist, der die Stimmungen der reaktionären Schichten der deutschen Bourgeoisie zum Ausdruck brachte. Engels bezeichnete die Philosophie Schopenhauers als „auf den Philister zugeschnittene ... Abfälle vergangner Philosophien" (siehe „Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft [»Anti-Dühring']", in Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 20. Berlin 1968, S. 332). Die Außenwelt ist nach Schopenhauer eine Welt der Vorstellungen, eine vom inneren Wesen des Subjekts hervorgerufene Bewußtseinserscheinung; sie ist unerkennbar. Schopenhauer lehnte die Idee des gesellschaftlichen Fortschritts ab und wandte sich gegen das Recht der Volksmassen, für die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen zu kämpfen. Die Grundthesen seiner Philosophie formulierte er 1813 in seiner Doktordissertation und legte sie später in seinem Hauptwerk „Die Welt als Wille und Vorstellung", 1819, dar.
Der Voluntarismus und Irrationalismus in der Philosophie Schopenhauers wurden in der Epoche des Imperialismus von den reaktionären bürgerlichen Philosophen (F. Nietzsche, H. Bergson, W. James, B. Croce u. a.) weitgehend ausgenutzt und bildeten eine der Quellen der Ideologie des deutschen Faschismus.
189 226
 
Schubert-Soldern, Richard von (1852-1935)
Professor der Philosophie in Leipzig, Vertreter der sogenannten Immanenzphilosophie; beteiligte sich an der Herausgabe der reaktionären deutschen „Zeitschrift für immanente Philosophie".
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Über Transzendenz des Objekts und Subjekts", 1882; „Grundlagen einer Erkenntnistheorie", 1884; „Das menschliche Glück und die soziale Frage", 1896, u. a.
62 68 69 177 206-208 210/211 213 214 229 247 327 329 349 352
 
Schulze, Gottlob Ernst (1761-1833)
deutscher idealistischer Philosoph, Anhänger David Humes, Professor in Helmstedt, später in Göttingen. Schulze lehnte das Kantsche Ding an sich als ein Zugeständnis an den Materialismus mit aller Entschiedenheit ab; er verneinte die Möglichkeit objektiven Wissens und beschränkte die Erkenntnis auf die in den Empfindungen gegebene Erfahrung. Er versuchte den antiken Skeptizismus zu erneuern und zu modernisieren. In der Geschichte der Philosophie wird er Aenesidem-SchuIze genannt, und zwar nach dem Skeptiker Aenesidemus, dem altgriechischen Philosophen, über den er sein philosophisches Hauptwerk geschrieben hat.
Außer dem von W. I. Lenin erwähnten Buch schrieb er: „Grundriß der philosophischen Wissenschaften", 1788-1790; „Kritik der theoretischen Philosophie", 1801, und andere Arbeiten.
135 136 182 192 193 194 196
 
Schuppe, Wilhelm (1836-1913)
deutscher Philosoph, subjektiver Idealist, Haupt der sogenannten Immanenzschule, Professor an der Universität Greifswald (ab 1873). Nach Schuppe ist das Sein identisch mit dem Bewußtsein, das in Gestalt der einzelnen Ichs auftritt. Diese Anschauung führte Schuppe unweigerlich zum Solipsismus. Er arbeitete an der reaktionären deutschen „Zeitschrift für immanente Philosophie" mit.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Erkenntnistheoretische Logik", 1878; „Die immanente Philosophie", 1897; „Der Solipsismus", 1898, u. a.
6 62 64-66 70 106 177 206-208 210-213 216 220 221 226 228 241 327 349 359 360
 
Schwegler, Albert (1819-1857)
deutscher Theologe, Philosoph, Philologe und Historiker, Verfasser des Buches „Geschichte der Philosophie im Umriß", 1848. Er übersetzte die „Metaphysik" des Aristoteles ins Deutsche und redigierte die „Jahrbücher der Gegenwart", die von 1843 bis 1848 in Stuttgart und Tübingen erschienen.
125
 
Senior, Nassau William (1790-1864)
englischer Vulgärökonom; er vertrat die Interessen der Fabrikanten und beteiligte sich aktiv an ihrer Agitation gegen die Verkürzung des Arbeitstages in England (dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts). Seine Streitschrift „Letters on the Factory Act, as It Affects the Cotton Manufacture" (Briefe über den Einfluß der Fabrikgesetzgebung auf die Baumwollindustrie), 1837, unterzog Marx im I. Band des „Kapitals" einer scharfen Kritik. (Siehe Karl Marx, „Das Kapital", Bd. I, Berlin 1961, S. 232 bis 237, oder Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 23, Berlin 1969, S. 237 bis 243.
133
 
Sextus Empiricus (2. Jh. u. Z.)
altgriechischer Philosoph und Arzt, bekannter Vertreter des antiken Skeptizismus; er verneinte die Möglichkeit der wahren Erkenntnis und trat gegen jegliche „dogmatischen" Urteile und sittlichen Prinzipien auf; er behauptete, der Mensch dürfe keinerlei Überzeugungen haben, da diese seiner Meinung nach das Haupthindernis auf dem Weg zum Glück („Ataraxie") seien. Die überlieferten Werke von Sextus Empiricus „Pyrrhonische Grundzüge" und „Gegen die Mathematiker" enthalten reichhaltiges Material zur Geschichte der Philosophie.
135
 
Smith, Norman Kemp (1872-1958)
englischer idealistischer Philosoph, stand dem „Neorealismus" nahe; von 1919 bis 1945 Professor an der Uni­versität Edinburgh.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Prolegomena to an Idealistic Theory of Knowledge" (Prolegomena zu einer idealistischen Erkenntnistheorie), 1924; „The Philosophy of David Hume" (Die Philosophie David Humes), 1941, u. a.
62-65 84 144
 
Snyder, Carl (geb. 1869)
amerikanischer Ökonom und Schriftsteller; Verfasser populärer Arbeiten zu naturwissenschaftlichen Fragen: „New Conceptions in Science" (Neue Konzeptionen in der Wissenschaft), 1903; „The World Machine" (Die Weltmaschine), 1907.
358 359
 
Solowjow, W. S. (1853-1900)
russischer reaktionärer Philosoph, Irrationalist und Mystiker. In seiner objektiv-idealistischen Philosophie, mit der er die Ideen der Neuplatoniker erneuerte, stellte er über jedes Sein den „geistigen Ursprung", einen Gott, in dem er die Grundlage der „All-Einheit" der Welt erblickte. Er trat gegen den Materialismus auf, stellte die Aufgabe, das Christentum philosophisch zu begründen, und propagierte die Idee der ökumenischen Kirche, der religiösen „Erneuerung" der Menschheit. Die Philosophie Solowjows hatte bedeutenden Einfluß sowohl auf die russischen bürgerlichen Philosophen Ende des 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als auch auf die modernen idealistischen Philosophen einer Reihe kapitalistischer Länder.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Криэие эападной философии" (Die Krise der westlichen Philosophie), 1874; „Философские начала цельного энания" (Die philosophischen Prinzipien des einheitlichen Wissens), 1877; „Критика отвлеченных начал" (Kritik der abstrakten Prinzipien), 1877 bis 1880, u. a.
302
 
Sorel, Georges (1847-1922)
französischer Soziologe und Philosoph, Theoretiker des Anarchosyndikalismus, in der Philosophie Eklektiker. Unter dem Einfluß von P. J. Proudhon, F. Nietzsche und H. Bergson versuchte er, den Marxismus mit dem Proudhonismus zu vereinen, und verteidigte den Irrationalismus und Voluntarismus.
294
 
Spencer, Herbert (1820-1903)
englischer Philosoph, Psychologe und Soziologe, bekannter Vertreter des Positivismus, einer der Begründer der sogenannten organischen Theorie der Gesellschaft. Bei seinem Versuch, die soziale Ungleichheit zu rechtfertigen, verglich er die menschliche Gesellschaft mit dem Tierorganismus und übertrug die biologische Lehre vom Kampf ums Dasein auf die Geschichte der Menschheit. Die reaktionären philosophischen und soziologischen Anschauungen Spencers machten ihn zu einem der populärsten Ideologen der englischen Bourgeoisie. Die Hauptarbeit Spencers ist: „A System of Synthetic Philosophy" (System der synthetischen Philosophie), 1862-1896.
202 203 330
 
Stallo, John Bernard (1823-1900)
amerikanischer Philosoph und Physiker, zu Beginn seiner Tätigkeit war er Anhänger des Hegelschen Idealismus, später unterstützte er den Empiriokritizismus.
312 313
 
Starcke, Carl Nicolai (1858-1926)
dänischer Philosoph und Soziologe, Professor in Kopenhagen (ab 1916); Verfasser des Buches „Ludwig Feuerbach", 1885, dessen kritischer Analyse Friedrich Engels' Schrift „Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie" gewidmet ist.
203 204
 
Stolypin, P. A. (1862-1911)
Staatsmann im zaristischen Rußland, Großgrundbesitzer. Von 1906 bis 1911 Vorsitzender des Ministerrats und Innenminister in Rußland. Mit seinem Namen ist eine Periode grausamster politischer Reaktion verbunden, in der zur Unterdrückung der revolutionären Bewegung weitgehend die Todesstrafe angewendet wurde („Stolypinsche Reaktion" 1907-1910). Stolypin führte eine Agrarreform durch, um der zaristischen Selbstherrschaft in Gestalt des Kulakentums eine Stütze auf dem Lande zu schaffen. Sein Versuch, die Selbstherrschaft durch einige Reformen von oben im Interesse der Bourgeoisie und der Gutsbesitzer zu festigen, schlug jedoch fehl. 1911 wurde Stolypin in Kiew von dem Sozialrevolutionär Bogrow ermordet.
218
 
Struve, P. B. (1870-1944)
russischer bürgerlicher Ökonom und Publizist, einer der Führer der Kadettenpartei. In den neunziger Jahren prominenter Vertreter des „legalen Marxismus", Mitarbeiter und Redakteur der Zeitschriften „Nowoje Slowo" (Neues Wort) (1897), „Natschalo" (Der Anfang) (1899) und „Shisn" (Das Leben) (1900). Bereits in seiner ersten Arbeit „Критические замеки к вопросу об зкономическом раэвитий России" (Kritische Bemerkungen zur ökonomischen Entwicklung Rußlands) (1894) kritisierte Struve die Volkstümlerrichtung und trat mit „Ergänzungen" und einer „Kritik" der ökonomischen und philosophischen Lehre von Karl Marx auf; er solidarisierte sich mit den Vertretern der bürgerlichen Vulgärökonomie, propagierte den Malthusianismus, wollte den Marxismus und die Arbeiterbewegung den Interessen der Bourgeoisie anpassen. Struve war einer der Theoretiker und Organisatoren des liberal-monarchistischen „Bundes der Befreiung" (1903-1905) und Redakteur seines illegalen Organs, der Zeitschrift „Oswoboshdenije" (Die Befreiung) (1902-1905). Seit der Gründung der Kadettenpartei im Jahre 1905 Mitglied ihres ZK. Einer der Ideologen des russischen Imperialismus. Nach der Sozialistischen Oktoberrevolution ausgesprochener Feind der Sowjetmacht, Mitglied der konterrevolutionären Wrangelregierung, Weißemigrant.
65 209 350
 
Suworow, S. A. (1869-1918)
russischer Sozialdemokrat, Schriftsteller und Statistiker. Er begann seine revolutionäre Tätigkeit in den neunziger Jahren im Geheimbund der Volkstümler „Narodnaja Wolja" (Volkswille). Ab 1900 Sozialdemokrat; in den Jahren 1905-1907 arbeitete er in den bolschewistischen Organisationen verschiedener Städte Rußlands. Er war Delegierter des IV. (Vereinigungs-) Parteitags der SDAPR. Nach der Niederlage der Revolution von 1905-1907 schloß er sich der Gruppe der machistischen Parteiintelligenz an, die einen Feldzug gegen die Philosophie des Marxismus begonnen hatte. In dem Sammelband „Beiträge zur Philosophie des Marxismus" (1908) veröffentlichte er den Artikel „Grundlagen der sozialen Philosophie", den Lenin in „Materialismus und Empiriokritizismus" einer vernichtenden Kritik unterwarf.
Nach 1910 zog sich Suworow von der Partei zurück und arbeitete als Statistiker. 1917 schloß er sich den internationalistischen Menschewiki an. Nach der Sozialistischen Oktoberrevolution hatte er verschiedene Wahlfunktionen in Moskau und Jaroslawl inne und kam während eines konterrevolutionären Aufstands in Jaroslawl im Juli 1918 ums Leben.
9 334-339
Top
 

T

Thomson, Joseph John (1856-1940)
englischer Physiker; ab 1884 Professor am Trinity College und Direktor des Cavendish-Laboratoriums an der Universität Cambridge; Mitglied der Londoner Royal Society, von 1915 bis 1920 ihr Präsident. Bekannt durch seine Arbeiten über die Theorie der Wirbel, über die Anwendung der allgemeinen Prinzipien der Mechanik auf physikalische und physikalisch-chemische Erscheinungen und insbesondere durch seine Forschungen auf dem Gebiet der Elektrizität und des Magnetismus; er entdeckte (1897) das Elektron und machte einen der ersten Entwürfe für ein Atommodell (1903). Seinen philosophischen Anschauungen nach war er spontaner Materialist.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Electricity and Matter" (Elektrizität und Materie), 1903; „The Corpuscular Theory of Matter" (Die Korpuskulartheorie der Materie), 1907; „The Electron in Chemistry" (Das Elektron in der Chemie), 1923, u. a.
260
 
Thomson, William Lord Kelvin (1824-1907)
englischer Physiker; von 1846 bis 1899 Professor an der Universität Glasgow, Mitglied der Londoner Royal Society, von 1890 bis 1895 ihr Präsident; Ehrenmitglied der Petersburger Akademie der Wissenschaften. Die wissenschaftliche Tätigkeit Thomsons war sehr vielseitig: große Aufmerksamkeit schenkte er den Problemen der mathematischen Physik, deren Unterricht und technischer Anwendung; große Bedeutung haben seine Arbeiten auf dem Gebiet der Thermodynamik, der Elektrizität, des Magnetismus u. a. Thomson erfand und vervollkommnete eine Reihe physikalischer Instrumente (Kompaß, Galvanometer u. a.) Seinen philosophischen Anschauungen nach war er mechanistischer Materialist.
Die wichtigsten Arbeiten Thomsons erschienen in Sammelbänden: „Reprint of Papers on Electricity and Magnetism" (Neuauflage der Arbeiten über Elektrizität und Magnetismus), 1872; „Mathematical and Physical Papers" (Mathematische und physikalische Arbeiten), 1882-1911; „Populär Lectures and Addresses" (Populäre Vorlesungen und Reden), 1889-1894.
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Tschernow, W. M. (1876-1952)
einer der Führer und Theoretiker der Partei der Sozialrevolutionäre. Von 1902 bis 1905 Redakteur des Zentralorgans der Sozialrevolutionäre, der Zeitung „Rewoluzionnaja Rossija" (Das revolutionäre Rußland). Er schrieb Artikel gegen den Marxismus und versuchte zu beweisen, daß die Marxsche Theorie auf die Landwirtschaft nicht anwendbar ist. In den theoretischen Arbeiten Tschernows verknüpfen sich subjektiver Idealismus und Eklektik mit Revisionismus und den utopischen Ideen der Volkstümler; er versuchte dem wissenschaftlichen Sozialismus einen reformistischen bürgerlichen „konstruktiven Sozialismus" gegenüberzustellen. Nach der bürger­lichdemokratischen Februarrevolution von 1917 war er Landwirtschaftsminister in der bürgerlichen Provisorischen Regierung und organisierte grausame Repressalien gegen die Bauern, die von Gutsbesitzerländereien Besitz ergriffen hatten. Nach der Sozialistischen Oktoberrevolution organisierte er anti­sowjetische Meutereien. 1920 emigrierte er und setzte seine sowjetfeindliche Tätigkeit im Ausland fort.
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Tschernyschewski, N. G. (1828-1889)
großer russischer revolutionärer Demokrat; Gelehrter, Schriftsteller und Literaturkritiker, einer der bedeutendsten Vorläufer der russischen Sozialdemokratie. Tschernyschewski war der geistige Inspirator und Führer der revolutionär-demokratischen Bewegung der sechziger Jahre in Rußland. Als utopischer Sozialist hielt er es für möglich, über die bäuerliche Dorfgemeinde zum Sozialismus zu kommen, verstand es aber gleichzeitig als revolutionärer Demokrat, „auf alle politischen Ereignisse seiner Epoche in revolutionärem Geist einzuwirken, indem er - über alle Hindernisse und Schranken der Zensur hinweg - die Idee der Bauernrevolution, die Idee des Massenkampfes für den Sturz aller alten Gewalten propagierte" (W. I. Lenin, Werke, Bd. 17, S. 107). Voller Empörung entlarvte Tschernyschewski den fronherrlichen Charakter der „Bauernreform" von 1861 und rief die Bauern zum Aufstand. 1862 wurde er von der zaristischen Regierung verhaftet und in der Peter-Pauls-Festung eingekerkert, wo er ungefähr zwei Jahre verbrachte; dann wurde er zu sieben Jahren Zwangsarbeit und lebenslänglicher Verbannung nach Sibirien verurteilt. Erst im Alter wurde Tschernyschewski aus der Verbannung befreit. Er blieb bis zu seinem Tode ein leidenschaftlicher Kämpfer gegen die soziale Ungleichheit, gegen alle Formen politischer und ökonomischer Unterdrückung.
Große Verdienste erwarb sich Tschernyschewski bei der Entwicklung der russischen materialistischen Philosophie. Seine philosophischen Anschauungen waren der Höhepunkt der gesamten vormarxschen materialistischen Philosophie. Der Materialismus Tschernyschewskis war revolutionär, aktiv. Tschernyschewski kritisierte mit aller Schärfe die verschiedenen idealistischen Theorien und bemühte sich, die Dialektik Hegels in materialistischem Sinne zu verarbeiten. Auf dem Gebiet der politischen Ökonomie, der Ästhetik, der Kunstkritik und der Geschichte zeigte Tschernyschewski Beispiele des dialektischen Herangehens an das Studium der Wirklichkeit. Karl Marx, der die Werke Tschernyschewskis studiert hatte, schätzte diese sehr hoch ein und nannte Tschernyschewski einen großen russischen Gelehrten. Lenin schrieb über ihn: „Tschernyschewski ist der einzige wirklich große russische Schriftsteller, der es verstand, von den fünfziger Jahren bis zum Jahre 1888 auf dem Niveau eines geschlossenen philosophischen Materialismus zu bleiben . .. Tschernyschewski vermochte es aber nicht - oder richtiger, er konnte es infolge der Rückständigkeit des russischen Lebens nicht -, sich zum dialektischen Materialismus von Marx und Engels auf­zuschwingen." (Siehe den vorliegenden Band, S. 366.)
Tschernyschewski schrieb eine Reihe hervorragender Werke zu Fragen der Philosophie, der politischen Ökonomie, der Geschichte, Ethik und Ästhetik. Seine literaturkritischen Werke hatten bedeutenden Einfluß auf die Entwicklung der russischen Literatur und Kunst. Tschernyschewskis Roman „Что делать?" (Was tun?) (1863) erzog viele Generationen von Revolutionären in Rußland und im Ausland.
364-366
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U

Ueberweg, Friedrich (1826-1871)
deutscher bürgerlicher Philosoph, ab 1867 Professor an der Universität Königsberg; in seinen philosophischen Anschauungen stand er dem Materialismus nahe. Er wurde bekannt als Verfasser des fundamentalen Werks „Grundriß der Geschichte der Philosophie" (1862 bis 1866). Außer dem „Grundriß" schrieb er:
„System der Logik .. .", 1857; „Über Idealismus, Realismus und Idealrealismus", 1859, u. a.
190
 
Uljanow, W. I.
siehe Lenin, W. I.
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V

Vaubel, Johann Wilhelm (1864-1957)
deutscher Chemiker, arbeitete auf dem Gebiet der organischen Chemie, ab 1898 Privatdozent, später Professor an der Technischen Hochschule in Darmstadt; W. I. Lenin meint sein „Lehrbuch der theoretischen Chemie", 1903.
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Verworn, Max (1863-1921)
deutscher Physiologe und Biologe, ab 1895 Professor an der Universität Jena, später in Göttingen und Bonn; gab die „Zeitschrift für allgemeine Physiologie" heraus. Er beschäftigte sich in der Hauptsache mit Problemen der allgemeinen Physiologie und schrieb verschiedene monographische Arbeiten. Bemerkungen W. I. Lenins über Verwoms Buch „Die Biogenhypothese" (1903) siehe in den „Philosophischen Heften" (Werke, Bd. 38, S. 376/377). Seinen philosophischen Anschauungen nach war Verworn Eklektiker; er stand dem Machismus nahe und verteidigte den „Konditiona­lismus ".
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Vogt, Karl (1817-1895)
deutscher Naturforscher, einer der Hauptvertreter des Vulgärmaterialismus. Er nahm an der Revolution von 1848/49 in Deutschland teil, war Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung und gehörte als kleinbürgerlicher Demokrat zu deren linkem Flügel. Nach der Niederlage der Revolution emigrierte er in die Schweiz. Er schrieb verschiedene Arbeiten zu Fragen der Zoologie, Geologie und Physiologie. Als Anhänger des Vulgärmaterialismus behauptete er, „daß die Gedanken in demselben Verhältnis etwa zu dem Gehirne stehen, wie die Galle zu der Leber oder der Urin zu den Nieren" („Physiologische Briefe für Gebildete aller Stände", Stuttgart- Tübingen 1857, S. 323). Er war ein erbitterter Gegner des wissenschaftlichen Sozialismus, beteiligte sich an Verfolgungen proletarischer Revolutionäre und äußerte sich verleumderisch über die Tätigkeit von Marx und Engels. In Marx' Streitschrift „Herr Vogt" (1860) wurde Vogt als bezahlter Geheimagent Louis Bonapartes entlarvt. (Siehe Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 14, Berlin 1964, S. 381-686.)
39 238 333
 
Volkmann, Paul (1856-1938)
Professor für theoretische Physik in Königsberg (ab 1894); in der Philosophie Eklektiker; er bekämpfte den Materialismus und verteidigte die protestantische Kirche; er war Anhänger des („Fiktionalismus" von Vaihinger. Bemerkungen W. I. Lenins zu Volkmanns Buch „Erkenntnistheoretische Grundzüge der Naturwissenschaften" (1896) siehe in den „Philosophischen Heften" (Werke, Bd. 38, S. 375/376.)
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W

Walentinow, N. (Wolski, N. W.) (1879-1964)
russischer Menschewik; Journalist und Philosoph; Machist. Nach dem II. Parteitag der SDAPR schloß er sich den Bolschewiki an, ging jedoch Ende 1904 zum Menschewismus über. Er redigierte die menschewistische „Moskowskaja Gaseta" (Moskauer Zeitung) und arbeitete an verschiedenen anderen menschewistischen und bürgerlichen Publikationen mit. In den Jahren der Reaktion gehörte er zu den Liquidatoren; nachdem er endgültig mit dem Marxismus gebrochen hatte, propagierte er eine Revision der marxistischen Philosophie, die er durch die subjektiv-idealistischen Anschauungen von Mach und Avenarius zu „ergänzen" suchte. W. I. Lenin unterzog die unklaren idealistischen Anschauungen Walentinows einer scharfen Kritik. Nach der Sozialistischen Oktoberrevolution arbeitete Walentinow als stellvertretender Chefredakteur der „Torgowo-Promyschlennaja Gaseta" (Han­dels- und Industriezeitung) und später in der Handelsvertretung der UdSSR in Paris. Ab 1930 war er Weißemigrant und trat gegen den Marxismus-Leninis­mus und gegen den Sowjetstaat auf.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Философские построения марксиэма" (Die philosophischen Konstruktionen des Marxismus), 1908; „Max m марксиэм" (Mach und der Marxismus), 1908, u. a.
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Ward, James (1843-1925)
englischer Psychologe, idealistischer Philosoph und Mystiker; ab 1897 Professor an der Universität Cambridge. In seinen Arbeiten, besonders in dem Buch „Naturalism and Agnosticism" (Naturalismus und Agnostizismus), 1899, versuchte er die Entdeckungen der Physik zum Kampf gegen den Materialismus und zur Verteidigung der Religion auszunutzen.
84 168 205 206 274 278-284 286 291 294 301 346 348 349
 
Willy, Rudolf (1855-1920)
deutscher Philosoph, Machist, Schüler von R. Avenarius. Außer den von W. I. Lenin behandelten Arbeiten schrieb er:
„Die Gesamterfahrung vom Gesichtspunkt des Primärmonismus", 1908; „Ideal und Leben...", 1909, u. a.
40 52 66 67 71-74 77 86 160 204 207 209 352 357-359
 
Windelband, Wilhelm (1848-1915)
deutscher idealistischer Philosoph, Philosophiehistoriker; Begründer der Badischen (Freiburger) Schule des Neukantianismus; Professor an den Universitäten Zürich (ab 1876), Freiburg (ab 1877), Straßburg (ab 1882) und Heidelberg (ab 1903). Er entwickelte den Kantianismus im Sinne des Irrationalismus. Die Philosophie betrachtete er als Wissenschaft von den „absoluten Werten"; er stellte die Gesellschaftswissenschaften der Naturwissenschaft gegenüber und verneinte die Möglichkeit einer wissenschaftlichen Erklärung der sozialen Prozesse.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Geschichte der neueren Philosophie", 1878 bis 1880; „Präludien", 1884; „Geschichte und Naturwissenschaft", 1894; „Vom System der Kategorien", 1900, u. a.
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Wolski, N. W.
siehe Walentinow, N.
 
Wundt, Wilhelm (1832-1920)
deutscher bürgerlicher Philosoph und Psychologe, einer der Begründer der experimentellen Psychologie, ab 1864 Professor der Physiologie an der Universität Heidelberg, ab 1874 Professor der Philosophie in Zürich, ab 1875 in Leipzig. Nach Lenins Einschätzung „Idealist und Fideist", stand er unter dem Einfluß von Kant und Leibniz sowie des Neukantianismus und Positivismus. Als wichtigste philosophische Disziplin betrachtete er die Psychologie, in der er neben der experimentellen Methode die dualistische Theorie des psychophysischen Parallelismus vertrat. Er versuchte das Handeln des Individuums vom Standpunkt einer sozialen Psychologie zu erklären? die Gesetze der historischen Entwicklung hielt er für unerkennbar.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Grundzüge der physiologischen Psychologie", 1873/1874; „System der Philosophie", 1889; „Grundriß der Psychologie", 18%, u.a.
53-55 57 58 62 68 83 84 86 144 146-148 154 168 190 204 212
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Z

Zeeman, Pieter (1865-1943)
niederländischer Physiker; ab 1900 Professor an der Amsterdamer Universität. 1896 entdeckte er die Aufspaltung von Spektrallinien unter dem Einfluß des äußeren Magnetfeldes (der sogenannte Zeeman-Effekt), was für die Begründung und Entwicklung der Elektronentheorie von großer Bedeutung war.
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Ziehen, Theodor (1862-1950)
deutscher idealistischer Philosoph, Physiologe und Psychiater; ab 1892 Professor für Psychiatrie in Jena, danach in Utrecht und Halle, ab 1904 in Berlin, ab 1917 Professor der Philosophie in Halle; Anhänger des Empiriokritizismus und der Immanenzphilosophie.
Die wichtigsten Arbeiten sind: „Psychophysiologische Erkenntnistheorie", 1898; „Die Grundlagen der Psychologie", 1915; „Vorlesungen über Ästhetik", 1923-1925, u. a.
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Datum der letzten Änderung : Jena, den: 08.07. 2015