Klassisches Runge-Kutta-Verfahren

Das klassische Runge-Kutta-Verfahren (nach Carl Runge und Martin Wilhelm Kutta) ist ein spezielles explizites 4-stufiges Runge-Kutta-Verfahren zur numerischen Lösung von Anfangswertproblemen (Gewöhnliche Differentialgleichungen). Eine abkürzende Bezeichnung dieses Verfahrens lautet RK4. Runge hat als erster (1895) ein mehrstufiges Verfahren angegeben und Kutta die allgemeine Form expliziter s-stufiger Verfahren.

Das klassische Runge-Kutta-Verfahren verwendet – wie die weitaus meisten numerischen Lösungsverfahren für Differentialgleichungen – den Ansatz, Ableitungen (Differentialquotienten) durch Differenzenquotienten zu approximieren. Die dabei bei nichtlinearen Funktionen notwendigerweise auftretenden Fehler (es werden sämtliche höheren Glieder der Taylor-Entwicklung vernachlässigt) können durch geeignete Kombinationen verschiedener Differenzquotienten reduziert werden. Das klassische Runge-Kutta-Verfahren ist eine solche Kombination, die Diskretisierungsfehler bis zur dritten Ableitung kompensiert.

Details

Das klassische Runge-Kutta-Verfahren mittelt in jedem Schritt vier Hilfssteigungen (rot)

Sei

y'(t)=f\left(t,y(t)\right),\quad y(t_{0})=y_{0},\quad y\colon \mathbb{R} \to \mathbb{R} ^{d}

ein Anfangsproblem 1. Ordnung.

Mit der Schrittweite h besitzt das klassische Runge-Kutta-Verfahren zur Berechnung der Näherung u_{i+1} \approx y(t_{i+1}) die Verfahrensfunktion

\Phi(t_i,u_i,h,f) = \frac{1}{6} k_1 + \frac{1}{3} k_2 + \frac{1}{3} k_3 + \frac{1}{6} k_4

mit


\begin{align}
k_1 &= f(t_i, u_i),
\\
k_2 &= f(t_i + \frac{h}{2}, u_i + \frac{h}{2} k_1),
\\
k_3 &= f(t_i + \frac{h}{2}, u_i + \frac{h}{2} k_2),
\\
k_4 &= f(t_i + h, u_i + hk_3).
\end{align}

Die Rekursionsgleichung zur Berechnung der Näherung lautet dann

{\displaystyle u_{i+1}=u_{i}+h\cdot \Phi (t_{i},u_{i},h,f)=u_{i}+h\cdot {\frac {1}{6}}\left(k_{1}+2k_{2}+2k_{3}+k_{4}\right),\quad i=0,1,\dots }

Das Verfahren benötigt in jedem Schritt der Rekursion vier Auswertungen der Funktion f. Für mindestens viermal stetig differenzierbares f zeigt eine Taylor-Entwicklung nach der Schrittweite h, dass es sich bei dem klassischen Runge-Kutta-Verfahren um ein Verfahren mit Konsistenzordnung 4 handelt.

Die charakteristischen Koeffizienten des Verfahrens können in einem Butcher-Tableau zusammengefasst werden zu:

\begin{array}{c|cccc}
		0      &     &     &     &       \\
                1/2    & 1/2 &     &     &       \\
                1/2    & 0   & 1/2 &     &       \\
                1      & 0   & 0   & 1   &       \\ \hline
                       & 1/6 & 1/3 & 1/3 & 1/6
\end{array}

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Basierend auf einem Artikel in: Wikipedia.de
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Datum der letzten Änderung:  Jena, den: 10.09. 2019