Luftabwehr

Unter Flugabwehr/ Luftabwehr versteht man militärische Maßnahmen zur Verteidigung des eigenen Luftraums gegen das Eindringen feindlicher Flugzeuge und anderer Flugkörper (Marschflugkörper, Drohnen, ballistische Raketen).

Der Luftraum wird Kriegsgebiet

Der Ausbau der Flugabwehr trug den seit Beginn des 20. Jahrhunderts bei Konstruktion und Einsatz des Flugzeuges gemachten Fortschritten Rechnung:
Der wachsende Aktionsradius der Maschinen führte zu einer weitgehenden räumlichen Entgrenzung des Krieges. Gleichzeitig stellten Militärs und Politiker eine Unterscheidung in Front und Heimat zunehmend infrage, zu vielfältig waren beide miteinander verknüpft. Im Kriegsfall war ein Staat damit nicht mehr nur an seinen Grenzen, sondern auch in seinem Inneren bedroht. Militärische Einrichtungen, Rüstungsindustrie, Verkehrsanlagen und Zivilbevölkerung stellten jetzt potentielle Ziele der gegnerischen Luftwaffe dar.
Die Antwort auf die Bedrohung aus der Luft ruht bis heute auf zwei Pfeilern: dem passiven Auflockern, Tarnen und Verbunkern und dem aktiven Bekämpfen gegnerischer Luftfahrzeuge. Letzteres geschieht sowohl durch Kräfte in der Luft als auch durch Einheiten am Boden. Der bodengestützten Flugabwehr standen zu Beginn des Zweiten Weltkrieges in Deutschland Geschütze verschiedener Kaliber, Horchgeräte, Scheinwerfer und im weiteren Verlaufe des Krieges auch sogenannte Funkmessgeräte (Radar) zur Verfügung.

Grundlagen

Bei den zur Flugabwehr eingesetzten Waffensystemen wird unterschieden zwischen Flugabwehrkanonen und Flugabwehrraketen (Boden-Luft-Raketen).
Während Ziele früher nach Sicht oder Schall geortet wurden, kommt heute als Sensor primär Radar zum Einsatz. Ferner verwenden Systeme mit geringer Reichweite Infrarot- oder andere optische Sensoren zur Ortung feindlicher Flugzeuge. Bei Nachtangriffen wurden Flugabwehrkanonen durch Flakscheinwerfer unterstützt.
Flugabwehrsysteme können fest und auch mobil auf Kraftfahrzeugen, Panzern oder Schiffen installiert werden. Außerdem gibt es Flugabwehrraketen, die von einem Mann bedient werden können, sogenannte MANPADS wie die amerikanische Stinger oder die russische Strela.

Gegenmaßnahmen

Eine erfolgreiche Flugabwehr relativiert den Vorteil der Luftüberlegenheit des Angreifers. Daher wurden parallel zur Entwicklung der Flugabwehr ab dem Zweiten Weltkrieg auch Eigenschutzvorrichtungen für Flugzeuge gegen das neu erfundene Radar entwickelt. Recht primitive Anfangsentwicklungen waren etwa die deutschen Düppelstreifen und die britischen Chaff oder Windows. Seit Mitte der 1970er-Jahre ist man bestrebt, mittels der Stealth-Technologie Tarnkappenflugzeuge zu bauen, die für das feindliche Radar schwerer zu entdecken sind.

Die Flugabwehr ist selbst stark durch Luftangriffe gefährdet. Dabei kann man insbesondere radargestützte Systeme durch Sender stören, lokalisieren und schließlich mit speziellen Raketen zerstören. Die Rakete fliegt auf dem Radarstrahl bis zur Quelle der Radarstrahlung, also der Radarantenne. Solche Einsätze werden Unterdrückung der feindlichen Flugabwehr (engl. SEAD, „Suppression of Enemy Air Defenses“) bezeichnet. Für diese Aufgabe setzen die deutsche sowie die italienische Luftwaffe das Waffensystem ECR-Tornado ein, der eine modifizierte Version des Jagdbombers Tornado mit Raketen des Typs HARM ist. Die US-amerikanische Luftwaffe bekämpft die Flugabwehr unter anderem mit der Wild-Weasel-Taktik.

Durch geschickte Taktik lässt sich das Risiko der Lokalisierung und Zerstörung von Flugabwehreinrichtungen reduzieren. Dazu werden die Radarstationen vernetzt und die eigentliche Radaranlage nur betrieben, wenn es unbedingt erforderlich ist.

Siehe auch

Trenner
Seitenende
Seite zurück
©  biancahoegel.de
Datum der letzten Änderung: Jena, den: 09.05. 2018