Petroleum

Petroleum
Siedekurven white.svg
Siedeverläufe von Erdöl qualitativ
Andere Namen Leuchtöl, Mitteldestillat
Kurzbeschreibung Brennstoff, Reinigungsmittel, Kraftstoff für Modellflugzeug-Selbstzündermotoren
Eigenschaften
Aggregatzustand flüssig
Viskosität 2 mm²/s (20 °C)
Dichte etwa 0,8 g/cm³
Schmelzbereich −48 bis −26 °C
Siedebereich etwa 175–325 °C
Flammpunkt 55 bis ca. 74 °C
Zündtemperatur 210 °C
Explosionsgrenze 0,7–5,0 %vol[1]
Temperaturklasse T3
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung
07 – Achtung 08 – Gesundheitsgefährdend 09 – Umweltgefährlich
Gefahr
H- und P-Sätze H: Kann bei Verschlucken und Eindringen in die Atemwege tödlich sein.
P:
  • Bei Verschlucken: Sofort Giftinformationszentrum, Arzt oder … anrufen.
  • Kein Erbrechen herbeiführen.
UN-Nummer 1223
Gefahrnummer 30

Petroleum (von mittellateinisch petroleum ‚Steinöl, Bergöl, Erdöl‘, von lateinisch petra ‚Fels‘ bzw. ‚(großer) Stein‘ und lateinisch oleum ‚Öl‘; Kurzform Petrol) ist ein flüssiges Stoffgemisch von Kohlenwasserstoffen, das durch fraktionierte Destillation von Erdöl gewonnen wird. Die Eigenschaften des Stoffgemisches sind von der jeweiligen genauen chemischen Zusammensetzung abhängig und können stark variieren. Petroleum ist wenig flüchtig und schwer entzündlich mit einem Flammpunkt zwischen 55 und 74 °C. Petroleumdämpfe sind wesentlich schwerer als Luft und können mit dieser explosionsfähige Gemische bilden. Die Petroleumfraktion bei der Erdöldestillation liegt im Siedebereich zwischen Benzin und Dieselkraftstoff von etwa 175 °C bis 325 °C.

Die korrekte Bezeichnung im britischen Englisch ist paraffin, selten auch paraffin oil.

Die korrekte Bezeichnung für Petroleum im amerikanischen Englisch ist dagegen kerosene. Kerosene mit dem deutschen Kerosin gleichzusetzen, ist nicht korrekt, da der deutsche Begriff Kerosin ausschließlich auf leichtes Petroleum beschränkt ist.

Petroleum war der historische Ausdruck für Erdöl, und das englische Wort petroleum bedeutet weiterhin Erdöl oder Rohöl. Im Britischen Englisch ist petrol der Name für Benzin. Die Bezeichnung nach dem Europäischen Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße (ADR) lautet „KEROSIN“.

Verwendung

Im Handel werden für unterschiedlichste Anwendungsfälle Reinigungs- und Lösungsmittel mit sehr engen Siedebereichen angeboten und als Petroleum oder Kriechöl verkauft. Diese Stoffe sind sehr rein (z.B. hydriert, entaromatisiert) und haben keine schweren Anteile, welche Rückstände hinterlassen würden.

Petroleum wird als Schmiermittel für präzise gleitgelagerte Spindeln eingesetzt, z.B. an Flachschleifmaschinen. Auch dünnflüssige Universal-Öle mit kriechenden Eigenschaften wie Caramba und WD-40 enthalten überwiegend Petroleum.

Petroleum wird zur Lagerung reaktiver Metalle (beispielsweise reines Kalium) verwendet. Dabei zeigt sich aber eine stärkere Krustenbildung, als bei der Aufbewahrung der Alkalimetalle unter reinem Paraffinöl.

Petroleum als Brenn-, Kraft- und Treibstoff

Mit einem Flammpunkt von (>) 55 °C ist Petroleum deutlich ungefährlicher als Flug- oder Autobenzin.

Wie die Siedeverlaufskurve (im Bild) zeigt, ist Petroleum dem Turbinenkraftstoff (Kerosin) zwar ähnlich, die deutlich erkennbaren schwerer siedenden Anteile würden jedoch zu einem erhöhten, nicht spezifikationsgerechten, Freezing Point führen. Kerosin als Petroleum mit Additiven zu bezeichnen, ist somit falsch.

Petroleum wird als Brennstoff (Heizwert: Energie/Masse 11,9 kWh/kg entsprechend 43,1 MJ/kg, Energie/Volumen 9,5 kWh/l entsprechend 34,2 MJ/l) für Petroleumlampen sowie als Reinigungsmittel verwendet. Es brennt gleichmäßig unter stark öliger und versottender Rußentwicklung ab und eignet sich als Reinigungsmittel, um damit stark haftende Fett- und Schmutzrückstände von Metalloberflächen zu entfernen.

Petroleum wird als Treibstoff für Modellflugzeug-Selbstzündermotoren (auch Dieselmotoren genannt) verwendet (42 % Petroleum, 36 % Diethylether, 20 % Rizinusöl, 2 % Isoamylnitrit). Dieser Motorentyp wird nur noch selten verwendet. Petroleum wird auch in Strahltriebwerken für Flugmodelle eingesetzt.

Petroleum wurde auch als Ersatzkraftstoff für fremdgezündete Motoren genutzt, ist dort aber nicht sehr effizient. Beispiele dafür sind die Petro-Modelle von Saab-Valmet für den Finnischen Markt.

Zur Verbesserung der Kälteeigenschaften von Dieselkraftstoff bei niedrigen Temperaturen kann Petroleum zugemischt werden. Diese Methode ist durch die Bereitstellung von Winterdiesel (frühzeitig vor der kalten Jahreszeit) meist nicht mehr erforderlich.


Geschichte

Petroleumleuchte im 19. Jahrhundert

Petroleum wurde seit der Antike als Brennmaterial und Arzneimittelzutat verwendet. Ab ca. 1865 bis ins 20. Jahrhundert wurde es vor allem als Brennstoff für Petroleumlampen verwendet, bevor es als Leuchtmittel durch elektrischen Strom abgelöst wurde.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Eintrag zu Petroleum in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, (JavaScript erforderlich)
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Basierend auf einem Artikel in: Wikipedia.de
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 16.10. 2023