Ignaz "Igo" Etrich

österreichischer Pilot und Ingenieur

geboren: 25.12.1879 Ober Altstadt (Horní Staré Město)
gestorben: 04.02.1967 Salzburg

1911 das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens,
1955 das Bundesverdienstkreuz
1959 den Dr. Karl-Renner-Preis
1944 Dr.-Ing. h. c. der TH Wien.

Etrich legte seine Matura 1898 an der Oberrealschule in Trautenau (Trutnov), studierte drei Semester an der Handelshochschule in Leipzig und trat in das Unternehmen seines Vaters ein. Nach dem Tod Otto von Lilienthals hatten Etrich und sein Vater aus dessen Nachlass den "Sturmflügelapparat" und den "Flügelschlagapparat" zu Studienzwecken erworben. Gemeinsam bauten sie 1900/01 einen Gleitflieger, der jedoch nicht funktionstüchtig war.

Samen der 'Zanonia Macrocarpa' Auf der Suche nach einer geeigneten Form für Flugapparate stieß Franz Wels schließlich auf die hervorragenden Eigenschaften des Flugsamens der auf Java wachsenden Kürbisart "Zanonia Macrocarpa". Nach zahlreichen Modellen und Studien entstand 1904 ein Gleiter mit sechs Metern Spannweite, der gelungene unbemannte Flüge zuließ.
Seinem Mitarbeiter Franz Wels gelang 1906 der erste Gleitflug eines Menschen in Österreich.

Das Ergebnis weiterer Studien wurde am 3. März 1905 die Flügelform patentiert. Nach der Zeichnung, die ein Nurflügelflugzeug mit zwei Propellern und einem Motor zeigte, baute Wels den Flugapparat. Zunächst ohne Motor erprobt, war der Gleiter instabil. Etrich ging nach Wien, wo er auf dem Gelände der Rotunde im Wiener Prater 1907 sein erstes Motorflugzeug, die Etrich 1 baute, deren Serienbau die Firma Lohner in Wien übernahm.

Er verbesserte die Etrich 1 mit einem stärkeren Motor. Die Seitenruder wurden mit den Füßen verstellt, für die Flächenverwindung (Querruder wurden erst später allgemein verwendet) und das Höhenruder führte Etrich die Steuerung mittels eines Lenkrades aus einem Automobil ein: der Vorläufer des heutigen Steuerhorns.

1910 fand der Jungfernflug der Etrich Taube, Etrich II statt.

1914 gründete er die Brandenburgischen Flugzeugwerke. (vergl: Hansa-Brandenburg)

Nach dem 1. Weltkrieg wandte sich Etrich wieder der Textilindustrie und dem Bau von Flachsaufbereitungsmaschinen zu, konstruierte aber 1929 noch die als Volksflugzeug geplante, nicht in Serie gefertigte „Sport-Taube“. 1945 enteignet und inhaftiert, musste er im Oktober 1946 seine nordböhmische Heimat verlassen und zog nach Schwarzach in Niederbayern. Dort entwickelte er eine Schnellläuferstrecke für Faserbänder, die in der Kammgarnindustrie Verwendung fand. Aufträge ermöglichten ab 1955 deren Serienbau und neue Einkünfte aus den Patenten. 1950 übersiedelte Etrich mit seiner zweiten Frau nach Freilassing, 1961 nach Salzburg.



 
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 30.01. 2017