34. Kapitel. Das Currency Principle usw. | Inhalt | 36. Kapitel. Vorkapitalistisches

FÜNFUNDDREISSIGSTES KAPITEL
Edelmetall und Wechselkurs

1. Die Bewegung des Goldschatzes

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Mit Bezug auf die Aufspeicherung von Noten in Zeiten der Klemme ist zu bemerken, daß hier die Schatzbildung mit edlen Metallen, wie sie in den ursprünglichsten Zuständen der Gesellschaft in unruhigen Zeiten vorkommt, sich wiederholt. Der Akt von 1844 ist in seinen Wirkungen deswegen interessant, weil er alles im Land befindliche Edelmetall in Zirkulationsmittel verwandeln will: er sucht Goldabfluß mit Kontraktion des Umlaufsmittels und Goldzufluß mit Expansion des Umlaufsmittels gleichzusetzen. Dadurch ist dann experimentell der Beweis des Gegenteils geliefert worden. Mit einer einzigen Ausnahme, die wir gleich erwähnen werden, hat die Masse der zirkulierenden Noten der Bank von England seit 1844 nie das Maximum erreicht, das die Bank ausgeben durfte. Und die Krisis von 1857 bewies andrerseits, daß unter gewissen Umständen dies Maximum nicht ausreicht. Vom 13.-30. November 1857 zirkulierten im Durchschnitt täglich 488.830 Pfd.St. über dies Maximum hinaus. (B.A. 1858, p. XI.) Das gesetzliche Maximum war damals 14.475.000 Pfd.St. plus dem Betrag des Metallschatzes in den Bankkellern.

Mit Bezug auf den Ab- und Zufluß von Edelmetall zu bemerken:

Erstens ist zu unterscheiden zwischen dem Hin- und Herlaufen des Metalls innerhalb des Gebiets, das kein Gold und Silber produziert, einerseits, und andrerseits dem Strom des Golds und Silbers von ihren Produktionsquellen über die verschiednen andren Länder und der Verteilung dieses Zuschusses unter die letztren.

Vor der Einwirkung der russischen, kalifornischen und australischen Goldminen war seit Anfang dieses Jahrhunderts die Zufuhr nur hinreichend zum Ersatz der verschlissenen Münzen, zum gewöhnlichen Gebrauch als Luxusmaterial und zur Ausfuhr von Silber nach Asien.

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Seit jener Zeit jedoch wuchs erstens, mit dem asiatischen Handel Amerikas und Europas, die Silberausfuhr nach Asien außerordentlich. Das aus Europa ausgeführte Silber wurde zum großen Teil ersetzt durch das zusätzliche Gold. Ferner wurde ein Teil des neuzugeführten Goldes von der innern Geldzirkulation absorbiert. Es wird geschätzt, daß bis 1857 ungefähr 30 Mill. Gold zusätzlich in die innere Zirkulation von England eingingen.(14) Sodann vermehrte sich seit 1844 die Durchschnittshöhe der Metallreserven in allen Zentralbanken von Europa und Nordamerika. Das Wachstum der inländischen Geldzirkulation brachte es zugleich mit sich, daß nach der Panik, in der darauffolgenden Stillstandsperiode, die Bankreserve schon rascher wuchs infolge der größern Masse der von der inländischen Zirkulation abgestoßnen und immobilisierten Goldmünze. Endlich stieg seit den neuen Goldentdeckungen der Konsum von Edelmetall für Luxusartikel infolge des gewachsnen Reichtums.

Zueitens. Zwischen den nicht Gold und Silber produzierenden Ländern fließt Edelmetall beständig ab und zu; dasselbe Land importiert davon beständig und exportiert ebenso beständig. Es ist nur das Überwiegen der Bewegung nach der einen oder andern Seite, welches entscheidet, ob schließlich Abfluß oder Zufluß stattfindet, da die bloß oszillierenden und oft parallelen Bewegungen sich großenteils neutralisieren. Aber deswegen wird auch, mit Rücksicht auf dies Resultat, die Beständigkeit und der im ganzen parallele Verlauf beider Bewegungen übersehn. Es wird immer nur so aufgefaßt, als ob Mehreinfuhr und Mehrausfuhr von Edelmetall nur Wirkung und Ausdruck des Verhältnisses von Einfuhr und Ausfuhr von Waren, während es

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(14) Wie dies auf den Geldmarkt wirkte, zeigen folgende Aussagen von W. Newmarch: [B.A. 1857,] 1509. "Gegen Ende 1853 fanden beträchtliche Befürchtungen im Publikum statt; im September erhöhte die Bank von England ihren Diskonto dreimal hintereinander ... in den ersten Oktobertagen ... zeigte sich ein bedeutender Grad von Besorgnis und Alarm unter dem Publikum. Diese Befürchtungen und diese Beunruhigung wurden größtenteils gehoben vor Ende November und wurden fast ganz beseitigt durch die Ankunft von 5 Mill. Edelmetall von Australien. Dasselbe wiederholte sich im Herbst 1854 bei Ankunft, im Oktober und November, von beinahe 6 Mill. Edelmetall. Dasselbe wiederholte sich im Herbst 1855, bekanntlich eine Zeit der Aufregung und Beunruhigung, durch die Ankunft von ungefähr 8 Millionen Edelmetall während der Monate September, Oktober und November. Ende 1856 finden wir, daß dasselbe geschieht. Kurz, ich könnte ganz wohl an die Erfahrung fast jedes Mitgliedes des Ausschusses appellieren, ob wir uns nicht schon gewöhnt haben, bei irgendwelcher finanziellen Klemme die natürliche komplette Abhilfe zu sehn in der Ankunft eines Goldschiffs."

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zugleich Ausdruck des Verhältnisses einer vom Warenhandel unabhängigen Einfuhr und Ausfuhr von Edelmetall selbst ist.

Drittens. Das Überwiegen der Einfuhr über die Ausfuhr und umgekehrt mißt sich im ganzen an der Zu- oder Abnahme der Metallreserve in den Zentralbanken. Wieweit dieser Gradmesser mehr oder minder exakt ist, hängt natürlich zunächst davon ab, wieweit das Bankwesen überhaupt zentralisiert ist. Denn davon hängt es ab, wieweit das in der sog. Nationalbank aufgespeicherte Edelmetall überhaupt den nationalen Metallschatz repräsentiert. Vorausgesetzt aber, daß dies der Fall ist, ist der Gradmesser nicht exakt, weil zuschüssige Einfuhr unter gewissen Umständen aufgesogen wird durch inländische Zirkulation und wachsende Luxusverwendung von Gold und Silber; ferner aber, weil ohne zuschüssige Einfuhr ein Herausziehn von Goldmünze für inländische Zirkulation stattfinden und so der Metallschatz abnehmen könnte, auch ohne gleichzeitige Vermehrung der Ausfuhr.

Viertens. Eine Metallausfuhr nimmt die Gestalt eines Abflusses (drain) an, wenn die Bewegung der Abnahme für längere Zeit fortdauert, so daß die Abnahme als Tendenz der Bewegung sich darstellt und die Metallreserve der Bank bedeutend unter ihre mittlere Höhe herabdrückt, bis gegen das mittlere Minimum dieser Reserve hin. Dies letztre ist insofern mehr oder minder willkürlich festgesetzt, da es durch die Gesetzgebung über die Deckung für Barzahlung der Noten etc. in jedem einzelnen Fall verschieden bestimmt ist. Über die quantitativen Grenzen, die ein solcher Abfluß in England erreichen kann, sagt Newmarch vor dem B.A. 1857, Evid. Nr. 1494:

"Nach der Erfahrung zu urteilen, ist es sehr unwahrscheinlich, daß der Metallabfluß infolge irgendwelcher Schwankung im auswärtigen Geschäft 3 oder 4 Millionen Pfd.St. übersteigen wird."

1847 zeigt der niedrigste Stand der Goldreserve der B. of E. am 23. Okt. gegen den 26. Dez. 1846 ein Minus von 5.198.156 Pfd.St. und gegen den höchsten Stand von 1846 (29. August) ein Minus von 6.453.748 Pfd.St.

Fünftens. Die Bestimmung der Metallreserve der sog. Nationalbank, eine Bestimmung, die aber keineswegs allein die Größe des Metallschatzes reguliert, denn er kann wachsen durch bloße Lähmung des innern und äußern Geschäfts - ist dreifach: 1. Reservefonds für internationale Zahlungen, in einem Wort Reservefonds von Weltgeld. 2. Reservefonds für die abwechselnd expandierende und kontrahierende inländische metallische Zirkulation. 3. Was mit der Bankfunktion zusammenhängt und mit den Funktionen des Geldes als bloßen Geldes nichts zu tun hat: Reservefonds für

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Depositenzahlung und für Konvertibilität von Noten. Er kann daher auch affiziert werden durch Verhältnisse, die jede einzelne dieser drei Funktionen berühren; also als internationaler Fonds durch die Zahlungsbilanz, von welchen Gründen diese auch immer bestimmt und was auch immer ihr Verhältnis zur Handelsbilanz sei; als Reservefonds der inländischen metallischen Zirkulation, durch deren Ausdehnung oder Einschrumpfung. Die dritte Funktion, als Garantiefonds, bestimmt zwar nicht die selbständige Bewegung der Metallreserve, wirkt aber doppelt. Werden Noten ausgegeben, die das Metallgeld (also auch Silbermünze in Ländern, wo Silber das Wertmaß) in der inländischen Zirkulation ersetzen, so fällt die Funktion sub 2 des Reservefonds fort. Und ein Teil des Edelmetalls, der dazu gedient hat, wird dauernd ins Ausland wandern. In diesem Falle findet kein Herausziehn von metallischer Münze für inländische Zirkulation statt, und damit fällt zugleich die zeitweilige Verstärkung der Metallreserve durch Immobilisierung eines Teils des zirkulierenden gemünzten Metalls fort. Ferner: Muß ein Minimum von Metallschatz für Auszahlung von Depositen und Konvertibilität von Noten unter allen Umständen festgehalten werden, so affiziert dies in eigner Art die Wirkungen eines Gold-Abflusses oder -Zuflusses; es wirkt auf den Teil des Schatzes, den die Bank unter allen Umständen zu halten verbunden ist, oder auf den, den sie zu andrer Zeit als nutzlos loszuwerden sucht. Bei rein metallischer Zirkulation und konzentriertem Bankwesen würde die Bank ihren Metallschatz ebenfalls als Garantie für Auszahlung ihrer Depositen zu betrachten haben, und bei einem Metallabfluß könnte dieselbe Panik eintreten wie 1857 in Hamburg.

Sechstens. Mit Ausnahme von etwa 1837 brach die wirkliche Krise immer los erst nach Wendung der Wechselkurse, d.h. sobald die Einfuhr von Edelmetall über die Ausfuhr wieder die Oberhand gewonnen.

1825 trat der wirkliche Krach ein, nachdem der Goldabfluß aufgehört hatte. 1839 fand Goldabfluß statt, ohne daß es zum Krach kam. 1847 hörte der Goldabfluß auf im April, und der Krach kam im Oktober. 1857 hatte der Goldabfluß ins Ausland seit Anfang November aufgehört, erst später im November kam der Krach.

Besonders deutlich tritt dies hervor in der Krise von 1847, wo der Goldabfluß im April schon aufhörte, nachdem er eine relativ gelinde Vorkrise bewirkt und dann die eigentliche Geschäftskrise erst im Oktober zum Ausbruch kam.

Die folgenden Aussagen sind abgegeben vor dem Secret Committee of the House of Lords on Commercial Distress 1848; die Zeugenaussagen (evidence) wurden erst gedruckt 1857 (auch zitiert als C.D. 1848/1857).

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Aussagen von Tooke:

"Im April 1847 entstand eine Klemme, die streng gesprochen einer Panik gleichkam, aber von verhältnismäßig kurzer Dauer war und nicht begleitet von kommerziellen Falliten von irgendwelcher Bedeutung. Im Oktober war die Klemme weit intensiver als zu irgendeiner Zeit im April, eine fast unerhörte Summe von kommerziellen Bankrotten fand statt." (2996.) - "Im April legten uns die Wechselkurse, besonders mit Amerika, die Notwendigkeit auf, eine beträchtliche Menge Gold zu exportieren, in Zahlung für ungewöhnlich große Importe; nur durch eine äußerst gewaltsame Anstrengung brachte die Bank den Goldabfluß zum Stocken und trieb den Kurs in die Höhe." (2997.) - "Im Oktober waren die Wechselkurse zugunsten von England." (2998.) - "Die Wendung in den Wechselkursen hatte begonnen in der dritten Aprilwoche." (3000.) - "Sie schwankten im Juli und August; seit Anfang August waren sie stets für England." (3001.) - Der Goldabfluß im August "entsprang der Nachfrage für innere Zirkulation". [3003.]

J. Morris, Gouverneur der Bank v, England: Obwohl der Wechselkurs seit August 1847 für England günstig geworden und deshalb Goldeinfuhr stattgefunden hatte, nahm der Metallvorrat in der Bank dennoch ab.

"2.200.000 Pfd.St. in Gold gingen hinaus ins Land, infolge inländischer Nachfrage." (137.) - Dies wird erklärt einerseits aus der vermehrten Beschäftigung von Arbeitern bei Eisenbahnbauten, andererseits aus dem "Wunsch der Bankiers, in Zeiten der Krise eine eigne Goldreserve zu besitzen". (147.)

Palmer, Exgouverneur und seit 1811 Direktor der B. of E.:

684. "Während der ganzen Periode von Mitte April 1847 bis zum Tag der Suspension des Bankakts von 1844 waren die Wechselkurse zugunsten Englands."

Der Metallabfluß, der im April 1847 eine selbständige Geldpanik bewirkt, ist also hier wie immer nur Vorläufer der Krise und hat sich schon gewendet, ehe diese losbricht. 1839 fand bei großem Geschäftsdruck sehr starker Metallabfluß statt - für Korn usw. - aber ohne Krisis und Geldpanik.

Siebentens. Sobald die allgemeinen Krisen sich ausgebrannt haben, verteilt sich - abgesehn von dem Zufluß von frischem Edelmetall aus den Produktionsländern - das Gold und Silber wieder in den Verhältnissen, worin es als besondrer Schatz der verschiednen Länder, im Zustand ihres Gleichgewichts, existierte. Bei sonst gleichbleibenden Umständen wird seine relative Größe in jedem Land durch dessen Rolle auf dem Weltmarkt bestimmt sein. Von dem Land, das einen größern als den normalen Teil hatte, fließt es ab und dem andern zu; diese Bewegungen des Zu- und Abflusses stellen nur seine ursprüngliche Verteilung unter die verschiednen natio-

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nalen Schätze wieder her. Diese Rückverteilung ist jedoch vermittelt durch die Wirkung verschiedner Umstände, die bei Behandlung der Wechselkurse erwähnt werden. Sobald die normale Verteilung wieder da - über diesen Punkt hinaus -, tritt zuerst Wachstum ein und dann wieder Abfluß. {Dieser letzte Satz gilt selbstredend nur für England als Mittelpunkt des Welt-Geldmarkts. - F. E.}

Achtens. Die Metallabflüsse sind meistens Symptom einer Veränderung in der Lage des auswärtigen Handels, und diese Veränderung ist ihrerseits ein Vorzeichen, daß die Verhältnisse wieder zur Krise heranreifen.(15)

Neuntens. Die Zahlungsbilanz kann für Asien gegen Europa und Amerika sein.(16)

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Einfuhr von Edelmetall findet statt vorwiegend in zwei Momenten. Einerseits in der ersten Phase niedrigen Zinsfußes, die der Krise folgt und Ausdruck der Einschränkung der Produktion ist; und dann in der zweiten Phase, wo der Zinsfuß steigt, aber noch nicht seine mittlere Höhe erreicht hat. Dies ist die Phase, worin die Rückflüsse sich leicht bewirken, der kommerzielle Kredit groß ist und daher die Nachfrage nach Leihkapital nicht im Verhältnis zur Ausdehnung der Produktion wächst. In beiden Phasen, wo Leihkapital verhältnismäßig reichlich, muß der überschüssige Zufluß von Kapital, das in Form von Gold und Silber existiert, also in einer Form, worin es zunächst nur als Leihkapital fungieren kann, bedeutend auf den Zinsfuß und damit auf den Ton des ganzen Geschäfts wirken.

Andrerseits: Abfluß, fortgesetzte starke Ausfuhr von Edelmetall tritt ein, sobald die Eingänge nicht mehr flüssig, die Märkte überführt sind und die scheinbare Prosperität nur noch durch den Kredit aufrechterhalten wird;

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(15) Nach Newmarch kann Goldabfluß ins Ausland aus dreierlei Ursachen entspringen und zwar 1. aus rein geschäftlichen Ursachen, d.h. wenn die Einfuhr größer gewesen ist als die Ausfuhr, wie zwischen 1836 und 1844, und wiederum 1847, hauptsächlich starke Korneinfuhr; 2. um die Mittel zu beschaffen für Anlage von englischem Kapital im Ausland, wie 1857 für Eisenbahnen in Indien; und 3. für definitive Verausgabung im Ausland, wie 1853 und 1854 für Kriegszwecke im Orient.

(16) 1918. Newmarch. "Wenn Sie Indien und China zusammennehmen, wenn Sie in Rechnung ziehn die Umsätze zwischen Indien und Australien und die noch wichtigern Umsätze zwischen China und den Vereinigten Staaten, und in diesen Fällen ist das Geschäft ein trianguläres und die Ausgleichung findet statt durch unsere Vermittlung ... dann ist es richtig, daß die Handelsbilanz nicht nur gegen England war, sondern auch gegen Frankreich und die Vereinigten Staaten." - (B.A. 1857.)

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sobald also bereits eine sehr verstärkte Nachfrage nach Leihkapital existiert und daher der Zinsfuß mindestens schon seine mittlere Höhe erreicht hat. Unter diesen sich eben im Edelmetallabfluß widerspiegelnden Umständen verstärkt sich bedeutend die Wirkung der fortgesetzten Entziehung von Kapital in einer Form, worin es direkt als leihbares Geldkapital existiert. Es muß dies direkt auf den Zinsfuß wirken. Statt aber daß das Steigen des Zinsfußes die Kreditgeschäfte einschränkte, erweitert es sie und führt zur Überanspannung aller ihrer Hilfsmittel. Diese Periode geht deshalb dem Krach voraus.

Newmarch wird gefragt (B. A. 1857):

1520. "Der Betrag der zirkulierenden Wechsel steigt also mit dem Zinsfuß? - Es scheint so." - 1522. "In ruhigen, gewöhnlichen Zeiten ist das Hauptbuch das wirkliche Instrument des Austausches; aber wenn Schwierigkeiten entstehn, wenn z.B. unter Umständen, wie ich sie angeführt habe, die Diskontorate der Bank erhöht wird ... dann lösen sich die Geschäfte ganz von selbst in Ziehen von Wechseln auf; diese Wechsel sind nicht nur geeigneter, als gesetzlicher Beweis des abgeschloßnen Geschäfts zu dienen, sondern sie passen auch besser für den Zweck, weitre Einkäufe zu machen, und sind vor allen Dingen brauchbar als Kreditmittel, um Kapital aufzunehmen."

Es kommt hinzu, daß, sobald bei einigermaßen drohenden Umständen die Bank ihre Diskontorate erhöht - womit zugleich die Wahrscheinlichkeit gegeben, daß die Bank die Laufzeit der von ihr zu diskontierenden Wechsel einer Beschränkung unterwerfen wird -, die allgemeine Befürchtung eintritt, daß dies crescendo gehn wird. Jeder, und am ersten der Kreditritter, sucht also die Zukunft zu diskontieren und soviel Kreditmittel wie möglich im gegebnen Moment zu seiner Verfügung zu haben. Die eben angeführten Gründe kommen also darauf hinaus, daß die bloße Quantität, sei es des eingeführten, sei es des ausgeführten Edelmetalls, nicht als solche wirkt, sondern daß sie wirkt erstens durch den spezifischen Charakter des Edelmetalls als Kapital in Geldform und daß sie zweitens wirkt wie die Feder, die, der Last auf der Waagschale hinzugefügt, hinreicht, die schwankende Waagschale nach der einen Seite endgültig zu senken; wirkt, weil sie in Umständen eintritt, wo irgendein Excess nach dieser oder jener Seite den Ausschlag gibt. Ohne diese Gründe wäre es ganz und gar unbegreiflich, wie ein Goldabfluß sage von 5-8 Mill. Pfd.St., und dies ist die Grenze der bisherigen Erfahrung, irgend bedeutende Wirkungen ausüben könnte; dies geringe Mehr oder Weniger von Kapital, das selbst gegenüber den 70 Mill. Pfd.St. in Gold, die durchschnittlich in England zirkulieren, unbedeutend erscheint, ist in einer Produktion vom Umfang der englischen in der Tat

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eine verschwindende Größe.(17) Es ist aber eben die Entwicklung des Kredit-und Banksystems, das einerseits dahin treibt, alles Geldkapital in den Dienst der Produktion zu pressen (oder was auf dasselbe hinauskommt, alles Geldeinkommen in Kapital zu verwandeln) und das andrerseits in einer gewissen Phase des Zyklus die Metallreserve auf ein Minimum reduziert, worin sie die ihr zukommenden Funktionen nicht mehr vollziehn kann - es ist dies ausgebildete Kredit- und Banksystem, das diese Überempfindlichkeit des ganzen Organismus erzeugt. Auf minder entwickelten Produktionsstufen ist Verringerung oder Vergrößerung des Schatzes, gegen sein Durchschnittsmaß, eine relativ gleichgültige Sache. Ebenso ist andrerseits selbst ein sehr bedeutender Goldabfluß relativ wirkungslos, wenn er nicht in der kritischen Periode des industriellen Zyklus eintritt.

Bei der gegebnen Erklärung ist abgesehn von Fällen, wo der Metallabfluß infolge von Mißernten usw. eintritt. Hier macht die große und plötzliche Störung des Gleichgewichts der Produktion, deren Ausdruck der Abfluß ist, keine weitre Erklärung seiner Wirkung nötig. Diese Wirkung ist um so größer, je mehr solche Störung eintritt in einer Periode, wo die Produktion unter Hochdruck arbeitet.

Wir haben ferner abgesehn von der Funktion des Metallschatzes als Garanten der Konvertibilität der Banknoten und als Angelpunkt des ganzen Kreditsystems. Die Zentralbank ist Angelpunkt des Kreditsystems. Und die Metallreserve ihrerseits ist Angelpunkt der Bank.(18) Der Umschlag des Kreditsystems in das Monetarsystem ist notwendig, wie ich schon in Buch I, Kap. III, beim Zahlungsmittel dargestellt habe. Daß die größten Opfer an realem Reichtum nötig sind, um im kritischen Moment die metallne

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(17) Man sehe z.B. die lächerliche Antwort von Weguelin, wo er sagt, daß 5 Mill. weggeflossenes Gold um soviel Kapital weniger ist, und er damit Erscheinungen erklären will, die bei unendlich größern Preissteigerungen oder Entwertungen, Expansionen und Kontraktionen des wirklichen industriellen Kapitals nicht eintreten. Andrerseits ist der Versuch nicht minder lächerlich, diese Erscheinungen direkt als Symptome einer Expansion oder Kontraktion in der Masse des realen Kapitals (seinen stofflichen Elementen nach betrachtet) zu erklären.

(18) Newmarch (B.A. 1857): 1364. "Die Metallreserve in der Bank v. E. ist in Wahrheit ... die Zentralreserve oder der Zentralmetallschatz, auf Grund wovon das ganze Geschäft des Landes betrieben wird. Sie ist sozusagen der Angelpunkt, um den das ganze Geschäft des Landes sich zu drehn hat; alle andern Banken im Lande betrachten die Bank von England als den Zentralschatz oder das Reservoir, von wo sie ihre Reserve von Hartgeld zu ziehn haben; und die Wirkung der auswärtigen Wechselkurse fällt stets grade auf diesen Schatz und dies Reservoir."

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Basis zu halten, ist von Tooke so gut zugegeben wie von Loyd-Overstone. Der Streit dreht sich nur um ein Plus oder Minus, und um die mehr oder minder rationelle Behandlung des Unvermeidlichen.(19) Ein gewisses, im Vergleich mit der Gesamtproduktion unbedeutendes Quantum Metall ist als Angelpunkt des Systems anerkannt. Daher, abgesehn von der erschreckenden Exemplifikation dieses seines Charakters als Angelpunkt in den Krisen, der schöne theoretische Dualismus. Solange sie "von Kapital" ex professo handelt, sieht die aufgeklärte Ökonomie mit der größten Verachtung auf Gold und Silber herab als auf die in der Tat gleichgültigste und nutzloseste Form des Kapitals. Sobald sie vom Bankwesen handelt, dreht sich das alles um, und Gold und Silber werden das Kapital par excellence, für dessen Erhaltung jede andre Form von Kapital und Arbeit geopfert werden muß. Wodurch aber unterscheiden sich nun Gold und Silber von den andren Gestalten des Reichtums? Nicht durch die Wertgröße, denn diese ist bestimmt durch die Menge der in ihnen vergegenständlichten Arbeit. Sondern als selbständige Inkarnationen, Ausdrücke des gesellschaftlichen Charakters des Reichtums. {Der Reichtum der Gesellschaft besteht nur als Reichtum einzelner, die seine Privateigentümer sind. Er bewährt sich nur dadurch als gesellschaftlicher, daß diese einzelnen, zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse, die qualitativ verschiednen Gebrauchswerte gegeneinander austauschen. In der kapitalistischen Produktion können sie dies nur vermittelst des Geldes. So wird nur vermittelst des Geldes der Reichtum des einzelnen als gesellschaftlicher Reichtum verwirklicht; im Geld, in diesem Ding, ist die gesellschaftliche Natur dieses Reichtums verkörpert. - F. E.} Dies sein gesellschaftliches Dasein erscheint also als Jenseits, als Ding, Sache, Ware, neben und außerhalb der wirklichen Elemente des gesellschaftlichen Reichtums. Solange die Produktion flüssig, wird dies vergessen. Der Kredit, als ebenfalls gesellschaftliche Form des Reichtums, verdrängt das Geld und usurpiert seine Stelle. Es ist das Vertrauen in den gesellschaftlichen Charakter der Produktion, welches die Geldform der Produkte als etwas nur Verschwindendes und Ideales, als bloße Vorstellung erscheinen läßt. Aber sobald der Kredit erschüttert wird - und diese Phase tritt immer notwendig ein im Zyklus der modernen Industrie -, soll nun

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(19) "Praktisch also würden beide, Tooke und Loyd, einer übergroßen Nachfrage nach Gold begegnen durch eine frühzeitige Einschränkung der Kredite vermittelst Erhöhung des Zinsfußes und Verminderung des Kapitalvorschusses. Nur verursacht Loyd durch seine Illusion lästige und selbst gefährliche {gesetzliche} Beschränkungen und Vorschriften." ("Economist", 1847, p. 1418.)

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aller reale Reichtum wirklich und plötzlich in Geld verwandelt werden, in Gold und Silber, eine verrückte Forderung, die aber notwendig aus dem System selbst hervorwächst. Und alles Gold und Silber, das diesen ungeheuren Ansprüchen genügen soll, beläuft sich auf ein paar Millionen in den Kellern der Bank.(20) In den Wirkungen des Goldabflusses tritt also der Umstand, daß die Produktion nicht wirklich als gesellschaftliche Produktion der gesellschaftlichen Kontrolle unterworfen ist, schlagend hervor in der Form, daß die gesellschaftliche Form des Reichtums als ein Ding außer ihm existiert. Das kapitalistische System hat dies in der Tat gemein mit frühern Produktionssystemen, soweit sie auf Warenhandel und Privataustausch beruhen. Es tritt aber erst in ihm am schlagendsten und in der grotesksten Form des absurden Widerspruchs und Widersinns hervor, weil 1. im kapitalistischen System am vollständigsten die Produktion für den unmittelbaren Gebrauchswert, für den Selbstgebrauch der Produzenten aufgehoben ist, also der Reichtum nur als gesellschaftlicher Prozeß existiert, der sich als Verschlingung von Produktion und Zirkulation ausdrückt; 2. weil mit der Entwicklung des Kreditsystems die kapitalistische Produktion diese metallne Schranke, zugleich dingliche und phantastische Schranke des Reichtums und seiner Bewegung, beständig aufzuheben strebt, sich aber immer wieder den Kopf an dieser Schranke einstößt.

Inder Krise tritt die Forderung ein, daß sämtliche Wechsel, Wertpapiere, Waren auf einmal gleichzeitig in Bankgeld konvertibel sein sollen und dies sämtliche Bankgeld wieder in Gold.

II. Der Wechselkurs

{Der Barometer für die internationale Bewegung der Geldmetalle ist bekanntlich der Wechselkurs. Hat England mehr Zahlungen zu machen an Deutschland als Deutschland an England, so steigt in London der Preis von Mark, in Sterling ausgedrückt, und in Hamburg und Berlin fällt der Preis von Sterling, ausgedrückt in Mark. Gleicht sich dies Übergewicht der Zahlungsverpflichtungen Englands an Deutschland nicht wieder aus, z.B. durch

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(20) "Sie stimmen ganz damit überein, daß es keinen Weg gibt, die Nachfrage nach Gold zu modifizieren, als durch Erhöhung des Zinsfußes?" - Chapman {Associé der großen Billbrokerfirma Overend, Gurney & Co.}: "Das ist meine Ansicht. Wenn unser Gold auf einen gewissen Punkt fällt, tun wir am besten, sogleich die Sturmglocke zu läuten und zu sagen: Wir sind im Niedergang, und wer Gold ins Ausland schickt, muß es auf seine eigne Gefahr tun." - B.A. 1857, Evid. Nr. 5057.

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überwiegende Einkäufe Deutschlands in England, so muß der Sterlingpreis für Markwechsel auf Deutschland bis zu dem Punkt steigen, wo es sich lohnt, statt Wechseln Metall - Goldgeld oder Barren - aus England in Zahlung nach Deutschland zu schicken. Dies ist der typische Verlauf.

Nimmt dieser Export von Edelmetall stärkeren Umfang und längere Dauer an, so wird die englische Bankreserve angegriffen, und der englische Geldmarkt, voran die B. von E., muß Schutzmaßregeln ergreifen. Diese bestehn wesentlich, wie wir schon gesehn, in Heraufsetzung des Zinsfußes. Bei bedeutendem Goldabfluß ist der Geldmarkt regelmäßig schwierig, d.h. die Nachfrage nach Leihkapital in Geldform überwiegt bedeutend das Angebot, und der höhere Zinsfuß ergibt sich hieraus ganz von selbst; die von der B. von E. dekretierte Diskontorate entspricht der Sachlage und setzt sich im Markte durch. Es kommen aber auch Fälle vor, wo der Metallabfluß aus andern als den gewöhnlichen Geschäftskombinationen entspringt (z.B. durch Anleihen fremder Staaten, Kapitalanlage im Ausland usw.), wo der Londoner Geldmarkt als solcher eine wirksame Zinsratenerhöhung keineswegs rechtfertigt; die B. von E. hat dann durch starke Anleihen im "offnen Markt" erst "Geld rar zu machen", wie der Ausdruck lautet, um so künstlich die Lage zu schaffen, die eine Zinserhöhung rechtfertigt oder nötig macht; ein Manöver, das ihr von Jahr zu Jahr schwerer wird. - F. E.}

Wie nun diese Heraufsetzung der Zinsrate auf die Wechselkurse wirkt, zeigen folgende Aussagen vor dem Unterhausausschuß über Bankgesetzgebung 1857 (zitiert als B.A. oder B.C., 1857).

John Stuart Mill:

2176. "Wenn das Geschäft schwierig geworden ist ... tritt ein beträchtlicher Fall im Preis der Wertpapiere ein ... Ausländer lassen hier in England Eisenbahnaktien kaufen, oder englische Eigner auswärtiger Eisenbahnaktien verkaufen sie im Ausland ... um so viel wird die Übertragung von Gold beseitigt." - 2182. "Eine große und reiche Klasse von Bankiers und Händlern in Wertpapieren, durch welche die Ausgleichung des Zinsfußes und die Ausgleichung des kommerziellen Barometerstandes (pressure) zwischen den verschiednen Ländern gewöhnlich bewirkt wird ... ist immer auf der Ausschau, um Wertpapiere zu kaufen, die eine Preissteigerung versprechen ... der richtige Ort für sie, zum Einkauf, wird das Land sein, das Gold ins Ausland schickt." - 2183. "Diese Kapitalanlagen fanden 1847 in bedeutendem Maßstab statt, hinreichend, den Goldabfluß zu vermindern."

J. G. Hubbard, Ex-Gouverneur und seit 1838 in der Direktion der B. of E.:

2545. "Es gibt große Mengen europäischer Wertpapiere ... die eine europäische Zirkulation haben in allen den verschiednen Geldmärkten, und diese Papiere, sobald

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sie in einem Markt um 1 oder 2% fallen, werden sofort aufgekauft zur Übersendung nach den Markten, wo ihr Wert sich noch gehalten hat." - 2565. "Stehn nicht auswärtige Länder in bedeutender Schuld gegenüber den Kaufleuten in England? - ... Sehr bedeutend." - 2566. "Die Einkassierung dieser Schulden könnte also allein hinreichen, eine sehr große Akkumulation von Kapital in England zu erklären? - Im Jahre 1847 wurde unsre Position schließlich dadurch wiederhergestellt, daß wir einen Strich machten durch soundso viel Millionen, die Amerika und Rußland früher an England schuldeten."

{England schuldete eben denselben Ländern gleichzeitig "soundso viel Millionen" für Korn und verfehlte nicht, auch hierdurch großenteils "einen Strich zu machen" vermittelst Bankerotts der englischen Schuldner. Siehe den Bericht über die Bankakte von 1857, oben Kap. 30, S. 311 <Siehe vorl. Band, S. 510>.}

2572. "1847 stand der Kurs zwischen England und Petersburg sehr hoch. Als der Regierungsbrief erlassen wurde, der die Bank bevollmächtigte, Banknoten auszugeben. ohne sich an die vorgeschriebne Grenze von 14 Mill." {über die Goldreserve hinaus} "zu binden, war die Bedingung, daß der Diskonto auf 8% gehalten werden müsse. In jenem Augenblick, und bei jener Diskontorate, war es ein profitliches Geschäft, Gold von Petersburg nach London verschiffen zu lassen und es bei seiner Ankunft zu 8% auszuleihen bis zum Verfall der Dreimonatswechsel, die gegen das verkaufte Gold gezogen waren." - 2573. "In allen Goldoperationen sind viele Punkte in Erwägung zu ziehn; es kommt auf den Wechselkurs an und auf den Zinsfuß, zu dem man das Geld anlegen kann bis zum Verfall des" {dagegen gezognen} "Wechsels."

Wechselkurs mit Asien

Die folgenden Punkte sind wichtig, einerseits weil sie zeigen, wie England, wenn sein Wechselkurs mit Asien ungünstig ist. sich bei andern Ländern erholen muß, deren Import aus Asien durch englische Vermittlung bezahlt wird. Zweitens aber, weil Herr Wilson hier wieder den törichten Versuch macht, die Wirkung einer Ausfuhr von Edelmetall auf die Wechselkurse zu identifizieren mit der Wirkung eines Exports von Kapital überhaupt auf diese Kurse; beides im Fall, wo es sich handelt um Export, nicht als Zahlungs- oder Kaufmittel, sondern für Kapitalanlage. Zunächst ist es selbstverständlich, daß, ob soundsoviel Millionen Pfd.St. in Edelmetall oder in Eisenschienen nach Indien geschickt werden, um sie dort in Eisenbahnen anzulegen, dies beides nur verschiedne Form ist, denselben Kapitalbelauf von einem Land auf ein andres zu übertragen; und zwar eine Übertragung, die nicht in die Rechnung der gewöhnlichen merkantilen Geschäfte ein-

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geht, und wofür das exportierende Land keinen andern Rückfluß erwartet als spätre jährliche Revenue aus den Einkünften dieser Eisenbahnen. Geschieht dieser Export in Form von Edelmetall, so wird er, weil Edelmetall, und als solches unmittelbar leihbares Geldkapital und Basis des ganzen Geldsystems, nicht notwendig unter allen Umständen, aber unter früher entwickelten, direkt auf den Geldmarkt, und damit auf den Zinsfuß, des dies Edelmetall exportierenden Landes wirken. Er wirkt auch ebenso direkt auf den Wechselkurs. Es wird nämlich nur deshalb Edelmetall versandt, weil und soweit die Wechsel, z.B. auf Indien, die im Londoner Geldmarkt angeboten werden, nicht hinreichen, um diese Extrarimessen zu machen. Es findet also eine das Angebot übersteigende Nachfrage für Wechsel auf Indien statt, und so wendet sich der Kurs momentan gegen England, nicht weil es an Indien verschuldet ist, sondern weil es außerordentliche Summen nach Indien zu schicken hat. Auf die Dauer muß eine solche Versendung von Edelmetall nach Indien dahin wirken, die indische Nachfrage nach englischen Waren zu vermehren, weil sie indirekt die Konsumtionsfähigkeit Indiens für europäische Waren steigert. Wird dagegen das Kapital in der Form von Schienen usw. verschickt, so kann es gar keinen Einfluß auf den Wechselkurs haben, da Indien keine Rückzahlung dafür zu machen hat. Ebendeshalb braucht es auch keinen Einfluß auf den Geldmarkt zu haben. Einen solchen Einfluß sucht Wilson dadurch herauszubringen, daß solche Extraauslage eine Extranachfrage nach Geldakkommodation hervorbringe und so auf den Zinsfuß wirken werde. Dies kann der Fall sein; aber zu behaupten, daß es unter allen Umständen stattfinden müsse, ist total verkehrt. Wo immer die Schienen hingeschickt und festgelegt werden, ob auf englischem Boden oder indischem, sie stellen nichts vor, als eine bestimmte Ausdehnung englischer Produktion in einer bestimmten Sphäre. Zu behaupten, daß eine Ausdehnung der Produktion, selbst innerhalb sehr weiter Grenzen, nicht stattfinden könne ohne Herauftreibung des Zinsfußes, ist Torheit. Die Geldakkommodation mag wachsen, d.h. die Summe der Geschäfte, worin Kreditoperationen eingehn; aber diese Operationen können zunehmen bei gleichbleibendem gegebnem Zinsfuß. Dies war wirklich der Fall während der Eisenbahnmanie in England in den 40er Jahren. Der Zinsfuß stieg nicht. Und es ist augenscheinlich, daß, soweit wirkliches Kapital, d.h. hier Waren, in Betracht kommt, die Wirkung auf den Geldmarkt ganz dieselbe ist, ob diese Waren fürs Ausland bestimmt sind oder für innern Verbrauch. Es könnte nur dann einen Unterschied machen, wenn Englands Kapitalanlagen im Ausland beschränkend auf seinen kommerziellen Export wirkten - den Export, der bezahlt werden muß,

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also einen Rückfluß bringt - oder soweit diese Kapitalanlagen überhaupt schon Symptom von Überanspannung des Kredits und beginnender Schwindeloperationen wären.

Im folgenden fragt Wilson und antwortet Newmarch.

1786. "Sie sagten früher, mit Bezug auf die Silbernachfrage für Ostasien, daß nach Ihrer Ansicht die Wechselkurse mit Indien zugunsten Englands seien, trotz der fortwährend nach Ostasien gesandten bedeutenden Metallschätze; haben Sie Gründe hierfür? - Allerdings ... Ich finde, daß der wirkliche Wert der Ausfuhren des Vereinigten Königreichs nach Indien 1851 sich auf 7.420.000 Pfd.St. belief; hierzu ist zu addieren der Betrag der Wechsel des India House, d.h. der Fonds, die die Ostindische Kompanie von Indien zieht zur Bestreitung ihrer eignen Ausgaben. Diese Tratten betrugen in jenem Jahr 3.200.000 Pfd.St.; so daß die Gesamtausfuhr des Vereinigten Königreichs nach Indien 10.620.000 Pfd.St. betrug. 1855 ... war der wirkliche Wert des Warenexports gestiegen auf 10.350.000 Pfd.St.; die Tratten des India House waren 3.700.000 Pfd.St.; die Totalausfuhr also 14.050.000 Pfd.St. Für 1851, glaube ich, haben wir kein Mittel, den wirklichen Wert der Wareneinfuhr von Indien nach England festzustellen; wohl aber für 1854 und 1855. 1855 war der gesamte wirkliche Wert der Wareneinfuhr von Indien nach England 12.670.000 Pfd.St., und diese Summe, verglichen mit den 14.050.000 Pfd.St., läßt eine Bilanz zugunsten Englands im direkten Handel zwischen beiden Ländern von 1.380.000 Pfd.St."

Hierauf bemerkt Wilson, daß die Wechselkurse auch durch den indirekten Handel berührt werden. So werden z.B. die Ausfuhren von Indien nach Australien und Nordamerika durch Tratten auf London gedeckt und wirken daher auf den Wechselkurs ganz so, als ob die Waren direkt von Indien nach England gingen. Ferner, wenn Indien und China zusammengenommen werden, so sei die Bilanz gegen England, da China fortwährend bedeutende Zahlungen für Opium an Indien und England Zahlungen an China zu machen hat und die Beträge auf diesem Umweg nach Indien gehn. (1787, 1788.)

1791 fragt nun Wilson, ob der Effekt auf die Wechselkurse nicht derselbe sein werde, einerlei ob das Kapital "in Form von Eisenschienen und Lokomotiven, oder in Form von Metallgeld hinausginge". Hierauf antwortet Newmarch ganz richtig: die 12 Mill. Pfd.St., die in den letzten Jahren für Eisenbahnbau nach Indien gesandt, hätten gedient zum Ankauf einer Jahresrente, die Indien in regelmäßigen Terminen an England zu zahlen habe.

"Soweit unmittelbare Wirkung auf den Edelmetallmarkt in Betracht kommt, kann die Anlage der 12 Mill. Pfd.St. eine solche nur ausüben, soweit Metall hinausgesandt werden mußte für wirkliche Anlage in Geld."

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1797. (Weguelin fragt:) "Wenn kein Rückfluß erfolgt für dies Eisen" (die Schienen), "wie kann man sagen, daß es auf den Wechselkurs wirkt? - Ich glaube nicht, daß der Teil der Auslage, der in Form von Waren hinausgeschickt wird, den Stand des Wechselkurses affiziert ... der Stand des Kurses zwischen zwei Ländern wird, man kann sagen ausschließlich, affiziert durch die Quantität der Obligationen oder Wechsel, die in dem einen Land angeboten werden, verglichen mit der Quantität, die im andern Land dagegen angeboten wird; das ist die rationelle Theorie des Wechselkurses. Was die Übersendung der 12 Millionen betrifft, so sind diese 12 Millionen zunächst hier gezeichnet worden; wäre nun das Geschäft derart, daß diese gesamten 12 Mill. in Kalkutta, Bombay und Madras in Hartgeld niedergelegt werden ..., so würde diese plötzliche Nachfrage gewaltsam auf den Silberpreis und den Wechselkurs wirken, gradesogut als wenn die Ostindische Kompanie morgen ankündigte, daß sie ihre Tratten von 3 auf 12 Mill. erhöhe. Aber die Hälfte dieser 12 Mill. wird ausgelegt ... im Ankauf von Waren in England ... Eisenschienen und Holz und andre Stoffe ... es ist eine Auslage von englischem Kapital in England selbst, für eine gewisse Warensorte, die nach Indien geschickt wird, und damit hat die Sache ein Ende." - 1798. (Weguelin:) "Aber die Produktion dieser für die Eisenbahnen nötigen Waren von Eisen und Holz produziert eine starke Konsumtion auswärtiger Waren, und diese könnte doch den Wechselkurs affizieren? - Sicherlich."

Wilson meint nun, das Eisen repräsentiere zum großen Teil Arbeit, und der für diese Arbeit gezahlte Lohn repräsentiere großenteils importierte Waren (1799), und fragt dann weiter:

1801. "Aber ganz allgemein gesprochen: wenn man die Waren, die produziert worden sind vermittelst der Konsumtion dieser importierten Waren, derart hinausschickt, daß wir keine Retour dafür erhalten, sei es in Produkten oder sonstwie; würde dies nicht die Wirkung haben, die Kurse ungünstig für uns zu machen? - Dieses Prinzip ist genau, was stattfand in England während der Zeit der großen Eisenbahnanlagen" {1845}. "Drei oder vier oder fünf Jahre hintereinander haben Sie auf Eisenbahnen 30 Mill. Pfd.St. ausgelegt und fast das ganze in Arbeitslohn. Sie haben während drei Jahren im Bau von Eisenbahnen, Lokomotiven, Wagen und Bahnhöfen eine stärkre Volkszahl unterhalten als in allen Fabrikdistrikten zusammen. Diese Leute ... legten ihren Lohn aus im Ankauf von Tee, Zucker, Spirituosen und andren auswärtigen Waren; diese Waren mußten importiert werden; aber es steht fest, daß während der Zeit, wo diese große Auslage vor sich ging, die Wechselkurse zwischen England und andren Ländern nicht wesentlich gestört wurden. Es fand kein Abfluß von Edelmetall statt, im Gegenteil, eher ein Zufluß."

1802. Wilson besteht darauf, daß bei ausgeglichener Handelsbilanz und Parikurs zwischen England und Indien die Extrasendung des Eisens und der Lokomotiven "den Wechselkurs mit Indien affizieren müsse". Newmarch kann dies nicht einsehn, solange die Schienen als Kapitalanlage

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hinausgeschickt werden und Indien sie nicht in dieser oder jener Form zu. bezahlen hat; er fügt hinzu:

"Ich stimme mit dem Prinzip überein, daß kein Land auf die Dauer einen ungünstigen Wechselkurs haben kann mit allen Ländern, womit es handelt; ein ungünstiger Wechselkurs mit einem Land produziert notwendig einen günstigen mit einem andern."

Hierauf wirft ihm Wilson die Trivialität ein:

1803. "Würde aber nicht eine Kapitalübertragung dieselbe sein, ob das Kapital in dieser oder jener Form geschickt wird? - Soweit die Schuldverpflichtung in Betracht kommt, jawohl." - 1804. "Ob Sie also Edelmetall herausschicken oder Waren, die Wirkung des Eisenbahnbaus in Indien auf den Kapitalmarkt hier würde also dieselbe sein und würde den Wert des Kapitals ebenso erhöhen, als ob das Ganze in Edelmetall hinausgesandt wäre?"

Wenn die Eisenpreise nicht stiegen, so war das jedenfalls ein Beweis, daß der "Wert" des in Schienen steckenden "Kapitals" nicht vermehrt war. Worum es sich handelt, ist der Wert des Geldkapitals, der Zinsfuß. Wilson möchte Geldkapital und Kapital überhaupt identifizieren. Die einfache Tatsache ist zunächst die, daß in England 12 Mill. für indische Eisenbahnen gezeichnet waren. Dies ist eine Sache, die direkt nichts mit den Wechselkursen zu tun hat, und die Bestimmung der 12 Mill. ist für den Geldmarkt ebenfalls gleichgültig. Ist der Geldmarkt in günstiger Lage, so braucht dies überhaupt keine Wirkung zu produzieren, wie die englischen Eisenbahnzeichnungen 1844 und 1845 den Geldmarkt ebenfalls unberührt ließen. Ist der Geldmarkt schon einigermaßen schwierig, so könnte der Zinsfuß allerdings dadurch betroffen werden, aber doch nur in der Richtung der Steigerung, und dies müßte ja nach Wilsons Theorie günstig auf die Kurse für England wirken, d.h. die Tendenz zur Ausfuhr von Edelmetall hemmen; wenn nicht nach Indien, so doch woandershin. Herr Wilson springt von einem zum andern. In Frage 1802 sollten die Wechselkurse affiziert werden; in Nr. 1804 der "Wert des Kapitals", zwei sehr verschiedne Dinge. Der Zinsfuß mag auf die Wechselkurse, und die Kurse mögen auf den Zinsfuß wirken, aber bei wechselnden Kursen kann der Zinsfuß, und bei wechselndem Zinsfuß können die Kurse konstant sein. Es will Wilson nicht in den Kopf, daß bei der Kapitalversendung ins Ausland, die bloße Form, in der es versandt wird, einen solchen Unterschied in der Wirkung macht, d.h. daß die Formverschiedenheit des Kapitals diese Wichtigkeit hat, und nun gar erst seine Geldform, was der ökonomischen Aufklärung gar sehr widerspricht. Newrnarch antwortet dem Wilson sofern einseitig, als er ihn gar nicht aufmerksam macht, daß er so plötzlich und ohne Grund vom Wechsel-

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kurs auf den Zinsfuß übergesprungen ist. Newmarch antwortet auf jene Frage 1804 unsicher und schwankend:

"Kein Zweifel, wenn 12 Mill. aufgebracht werden sollen, so ist es unwesentlich, soweit der allgemeine Zinsfuß in Betracht kommt, ob diese 12 Mill. in Edelmetall oder in Materialien herausgeschickt werden sollen. Ich glaube jedoch" (schöner Übergang dies jedoch, um nun das direkte Gegenteil zu sagen), "dies ist nicht ganz unwesentlich" (es ist unwesentlich, aber jedoch ist es nicht unwesentlich), "weil in dem einen Fall die 6 Mill. Pfd.St. sofort zurückfließen würden; in dem andern Fall würden sie nicht so rasch zurückfließen. Deshalb würde es einigen" (welche Bestimmtheit!) "Unterschied machen, ob die 6 Mill. hier im Lande ausgelegt werden oder ob sie ganz herausgeschickt werden."

Was soll das heißen, daß die 6 Mill. sofort zurückfließen würden? Soweit die 6 Mill. Pfd.St. in England verausgabt sind, existieren sie in Schienen, Lokomotiven etc., die nach Indien geschickt werden, von wo sie nicht zurückkehren, und ihr Wert erst durch Amortisation, also sehr langsam, während die 6 Mill. Edelmetall vielleicht sehr rasch in natura retournieren. Soweit die 6 Mill. in Arbeitslohn verausgabt sind, sind sie aufgegessen; aber das Geld, worin sie vorgeschossen waren, zirkuliert nach wie vor im Lande oder bildet Reserve. Dasselbe gilt von den Profiten der Schienenproduzenten und dem Teil der 6 Mill., der ihr konstantes Kapital ersetzt. Die zweideutige Phrase vom Rückfluß wird also von Newmarch nur gebraucht, um nicht direkt zu sagen: Das Geld ist im Lande geblieben, und soweit es als leihbares Geldkapital fungiert, ist der Unterschied für den Geldmarkt (abgesehn davon, daß etwa die Zirkulation mehr Hartgeld verschluckt haben könnte) nur der, daß es für Rechnung von A statt von B verausgabt wird. Anlage dieser Art, wo das Kapital in Waren, nicht in Edelmetall in fremde Länder übertragen wird, kann nur auf die Wechselkurse wirken (und zwar nicht mit dem Land, worin angelegt wird), soweit die Produktion dieser exportierten Waren Extraimport andrer auswärtiger Waren erheischt. Diese Produktion ist dann nicht bestimmt, diesen Extraimport zu liquidieren. Dasselbe findet aber bei jedem Export auf Kredit statt, einerlei, ob als Kapitalanlage oder für gewöhnliche Handelszwecke. Außerdem kann dieser Extraimport auch rückwirkend Extranachfrage nach englischen Waren z.B. auf seiten der Kolonien oder der Vereinigten Staaten hervorrufen.

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Vorher [1786] sagte Newmarch, infolge der Tratten der Ostindischen Kompanie seien die Ausfuhren von England nach Indien größer als die Einfuhren, Sir Charles Wood nimmt ihn über diesen Punkt ins Kreuz-

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verhör. Dieser Überschuß englischer Ausfuhr nach, über die Einfuhr von, Indien wird tatsächlich zustande gebracht durch eine Einfuhr von Indien, wofür England kein Äquivalent zahlt: die Tratten der Ostindischen Kompanie (jetzt der ostindischen Regierung) lösen sich auf in einen Tribut, der von Indien erhoben wird. Z.B. 1855: die Einfuhr von Indien nach England von 12.670.000 Pfd.St.; die englischen Ausfuhren nach Indien 10.350.000 Pfd.St. Bilanz zugunsten Indiens 2.250.000 Pfd.St.

"Wenn hiermit die Sachlage erschöpft wäre, so würden diese 2.250.000 Pfd.St. in irgendeiner Form nach Indien zu remittieren sein. Aber dann kommen die Aufforderungen vom India House. Das India House annonciert, daß es in der Lage ist, Tratten auf die verschiednen Präsidentschaften in Indien auszugeben zum Betrage von 3.250.000 Pfd.St." (Dieser Betrag wurde erhoben für die Londoner Unkosten der Ostindischen Kompanie und für die an die Aktionäre zu zahlenden Dividenden.) "Und dies liquidiert nicht nur die Bilanz von 2.250.000 Pfd.St., die im Handelsweg entstand, sondern ergibt noch eine Million Überschuß." (1917.)

1922. (Wood:) "Dann ist also die Wirkung dieser Tratten des India House, nicht die Ausführen nach Indien zu vermehren, sondern sie pro tanto zu vermindern?"

(Soll heißen, die Notwendigkeit zu vermindern, die Einfuhr von Indien durch Ausfuhr ebendorthin zu diesem Betrag zu decken.) Dies erklärt Herr Newmarch dadurch, daß die Engländer für diese 3.700.000 Pfd.St. "gute Regierung" nach Indien importieren. (1925.) Richtig und ironisch sagt Wood, der als Minister für Indien die von den Engländern importierte Sorte "guter Regierung" sehr gut kannte. 1926:

"Dann ist die Ausfuhr, die, wie Sie sagen, durch die India-House-Tratten verursacht wird, eine Ausfuhr von guter Regierung und nicht von Waren."

Da England viel exportiert "in dieser Weise" für "gute Regierung" und für Kapitalanlagen in auswärtigen Ländern - also Einfuhren erhält, die ganz unabhängig sind vom gewöhnlichen Gang des Geschäfts, Tribute, teils für exportierte "gute Regierung", teils als Revenue von in den Kolonien und anderswo angelegtem Kapital, Tribute, wofür es kein Äquivalent zu zahlen hat -, so ist klar, daß die Wechselkurse nicht affiziert werden, wenn England diese Tribute einfach aufißt, ohne Gegenexport; es ist also auch klar, daß die Kurse nicht affiziert werden, wenn es diese Tribute wieder anlegt, nicht in England, sondern produktiv oder unproduktiv im Ausland; wenn es z.B. Munition dafür nach der Krim schickt. Zudem, soweit die Einfuhren vom Ausland in die Revenue von England eingehn - bezahlt müssen sie natürlich sein, entweder als Tribut, wo kein Äquivalent nötig. oder durch Austausch gegen diese nicht bezahlten Tribute oder im gewöhnlichen Gang des Handels -, kann England sie entweder konsumieren oder

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sie als Kapital wieder neu anlegen. Weder das eine noch das andre berührt die Wechselkurse, und dies übersieht der weise Wilson. Ob einheimisches oder fremdes Produkt einen Teil der Revenue bildet, wo der letztere Fall nur Austausch heimischer Produkte gegen auswärtige voraussetzt, - der Konsum dieser Revenue, produktiv oder unproduktiv, ändert nichts an den Wechselkursen, wenn auch an der Stufenleiter der Produktion. Danach ist das Folgende zu beurteilen.

1934. Wood fragt ihn, wie die Sendung von Kriegsvorräten nach der Krim den Wechselkurs mit der Türkei affizieren würde. Newmarch antwortet:

"Ich sehe nicht ein, wie die bloße Versendung von Kriegsvorräten den Wechselkurs notwendig affizieren würde, aber die Versendung von Edelmetall würde den Kurs sicherlich affizieren."

Hier unterscheidet er also Kapital in Geldform von andrem Kapital.

Aber nun fragt Wilson:

1935. "Wenn Sie einen Export veranstalten in großer Ausdehnung von irgendeinem Artikel, wofür kein korrespondierender Import stattfindet",

(Herr Wilson vergißt, daß in Beziehung auf England sehr bedeutender Import stattfindet, wofür nie ein entsprechender Export stattgefunden hat, ausgenommen in der Form von "guter Regierung" oder von früher exportiertem Anlagekapital; jedenfalls kein Import, der in die regelmäßige Handelsbewegung eingeht. Aber dieser Import wird wieder ausgetauscht z.B. mit amerikanischem Produkt, und daß amerikanisches Produkt exportiert wird ohne entsprechenden Import, ändert nichts an der Sache, daß der Wert dieses Imports konsumiert werden kann ohne einen äquivalenten Abfluß nach außen; es ist empfangen worden ohne Gegenexport, und es kann daher auch verbraucht werden, ohne in die Handelsbilanz einzugehn)

"so bezahlen Sie nicht die auswärtige Schuld, die Sie durch ihre Einfuhr kontrahiert haben."

(Aber wenn Ihr diesen Import schon vorher bezahlt habt, z.B. durch den im Ausland gegebnen Kredit, so wird keine Schuld dadurch kontrahiert, und die Frage hat gar nichts zu tun mit der internationalen Bilanz; sie löst sich auf in produktive oder unproduktive Ausgabe, einerlei ob die so verbrauchten Produkte inländisches oder ausländisches Produkt sind.)

"Und deshalb müssen Sie durch diese Transaktion die Wechselkurse affizieren, indem die ausländische Schuld nicht bezahlt wird, weil Ihr Export keinen korrespondierenden Import hat. - Das ist richtig von Ländern im allgemeinen."

Der Vortrag des Wilson kommt darauf hinaus, daß jeder Export ohne entsprechenden Import zugleich ein Import ohne entsprechenden Export

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ist; weil in die Produktion des exportierten Artikels fremde, also importierte Waren eingehn. Die Unterstellung ist, daß jeder solcher Export begründet ist auf einen nicht bezahlten Import oder ihn erzeugt -, also Schuld ans Ausland. Dies ist falsch, selbst abgesehn von den zwei Umständen, daß England 1. Gratisimporte hat, wofür es kein Äquivalent zahlt; z.B. einen Teil seiner indischen Importe. Es kann diese austauschen gegen amerikanische Importe, und letztre exportieren ohne Gegenimport; jedenfalls, was den Wert betrifft, hat es nur exportiert, was ihm nichts gekostet hat. Und 2. es mag Importe bezahlt haben, z.B. amerikanische, die zuschüssiges Kapital bilden; wenn es diese unproduktiv, z.B. in Kriegsmunition konsumiert, so bildet dies keine Schuld gegen Amerika und affiziert nicht den Wechselkurs mit Amerika. Newmarch widerspricht sich 1934 und 1935 und wird hierauf aufmerksam gemacht durch Wood, 1938:

"Wenn kein Teil der Waren, angewandt in der Anfertigung der Artikel, die wir ausführen, ohne daß Rückfluß erfolgt" (Kriegsausgabe), "herkommt von dem Lande, wohin diese Artikel geschickt werden, wie berührt dies den Wechselkurs mit diesem Lande? Angenommen, der Handel mit der Türkei sei im gewöhnlichen Zustand des Gleichgewichts; wie wird der Wechselkurs zwischen England und der Türkei affiziert durch die Ausfuhr von Kriegsvorräten nach der Krim?"

Hier verliert Newmarch seinen Gleichmut; er vergißt, daß er dieselbe einfache Frage unter Nr. 1934 bereits richtig beantwortet hat, und sagt:

"Wir haben, scheint mir, die praktische Frage erschöpft und kommen jetzt in eine sehr erhabne Region metaphysischer Diskussion."

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{Wilson hat noch eine andre Fassung seiner Behauptung, daß der Wechselkurs affiziert werde durch jede Kapitalübertragung von einem Land auf ein andres, gleichviel ob diese stattfinde in Form von Edelmetall oder von Waren. Wilson weiß natürlich, daß der Wechselkurs affiziert wird durch den Zinsfuß, speziell durch das Verhältnis der in den beiden Ländern, deren gegenseitiger Wechselkurs in Frage ist, geltenden Zinsraten. Kann er nun nachweisen, daß Überschuß an Kapital überhaupt, also zunächst an Waren aller Art, mit Einschluß von Edelmetall, eine mitbestimmende Wirkung auf den Zinsfuß ausübt, so kommt er seinem Ziel schon einen Schritt näher; Übertragung eines bedeutenden Teils dieses Kapitals auf ein andres Land muß dann in beiden Ländern den Zinsfuß ändern, und zwar in entgegengesetzter Richtung und damit in zweiter Instanz auch den Wechselkurs zwischen beiden Ländern. - F. E.}

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Er sagt nun in dem, damals von ihm redigierten "Economist" 1847, p.574:

"Es ist klar, daß ein solcher Überschuß von Kapital, angezeigt durch große Vorräte aller Art, Edelmetall eingeschlossen, notwendig führen muß nicht allein zu niedrigen Preisen der Waren überhaupt, sondern zu einem niedrigeren Zinsfuß für den Gebrauch von Kapital (1). Wenn wir einen Vorrat von Waren zur Hand haben, hinreichend, dem Land für zwei kommende Jahre zu dienen, so wird Kommando über diese Waren für eine gegebne Periode zu viel niedrigerer Rate erhalten, als wenn der Vorrat kaum für zwei Monate ausreicht (2). Alle Anleihen von Geld, in welcher Form immer gemacht, sind nur Übertragung des Kommandos über Waren von dem einen auf den andern. Sind Waren daher überflüssig vorhanden, so muß der Geldzins niedrig, sind sie selten, so muß er hoch sein (3). Wenn die Waren reichlicher zufließen, wird die Zahl der Verkäufer im Vergleich mit der Zahl der Käufer zunehmen, und im Maß, wie die Quantität die Bedürfnisse der unmittelbaren Konsumtion übersteigt, muß ein stets größerer Teil für spätem Gebrauch aufbewahrt werden. Unter diesen Umständen wird ein Warenbesitzer zu niedrigeren Bedingungen auf künftige Zahlung oder auf Kredit verkaufen, als wenn er sicher wäre, daß sein ganzer Vorrat in wenigen Wochen zum Verkauf käme"(4).

Zu dem Satz ad (1) ist zu bemerken, daß ein starker Zufluß von Edelmetall stattfinden kann gleichzeitig mit einer Einschränkung der Produktion, wie dies stets der Fall ist in der Zeit nach einer Krise. In der folgenden Phase mag Edelmetall zufließen von Ländern, die vorwiegend Edelmetall produzieren; die Einfuhr der andern Waren wird in dieser Periode gewöhnlich durch die Ausfuhr ausgeglichen. In diesen beiden Phasen ist der Zinsfuß niedrig und nur langsam steigend; warum, haben wir gesehn. Dieser niedrige Zinsfuß ließ sich überall erklären ohne irgendwelche Einwirkung irgendwelcher "großen Vorräte aller Art". Und wie soll diese Einwirkung stattfinden? Der niedrige Preis von Baumwolle z.B. ermöglicht hohe Profite der Spinner usw. Warum ist nun der Zinsfuß niedrig? Sicher nicht, weil der Profit, der mit geliehenem Kapital gemacht werden kann, hoch ist. Sondern einzig und allein, weil unter den bestehenden Umständen die Nachfrage nach Leihkapital nicht wächst im Verhältnis zu diesem Profit; also das Leihkapital andre Bewegung hat als das industrielle Kapital. Was der "Economist" beweisen will, ist gerade das Umgekehrte: daß seine Bewegung identisch sei mit der Bewegung des industriellen Kapitals.

Der Satz ad (2), wenn wir die absurde Voraussetzung eines Vorrats für zwei Jahre im voraus bis zur Ermöglichung eines Sinns herabmindern, unterstellt eine Überführung des Warenmarkts. Dies würde ein Sinken der Preise verursachen. Es wäre weniger zu zahlen für einen Ballen Baumwolle. Daraus folgt keineswegs, daß das Geld, um einen Ballen Baumwolle zu kaufen, wohlfeiler aufzunehmen wäre. Dies hängt ab vom Stand des Geld-

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markts. Wenn es wohlfeiler aufzunehmen ist, dann nur, weil der kommerzielle Kredit in solcher Lage ist, daß er den Bankkredit weniger in Anspruch zu nehmen genötigt ist als gewöhnlich. Die den Markt überführenden Waren sind Lebensmittel oder Produktionsmittel. Der niedrige Preis beider erhöht den Profit des industriellen Kapitalisten. Warum soll er den Zins erniedrigen, außer durch den Gegensatz, statt der Identität, zwischen Reichlichkeit von industriellem Kapital und Nachfrage nach Geldakkommodation? Die Umstände liegen so, daß der Kaufmann und der Industrielle einander leichter Kredit geben können; wegen dieser Erleichterung des kommerziellen Kredits braucht der Industrielle wie der Kaufmann weniger Bankkredit; daher kann der Zinsfuß niedrig sein. Dieser niedrige Zinsfuß hat nichts zu tun mit dem Zufluß von Edelmetall, obgleich beide nebeneinander gehn können, und dieselben Ursachen, die die niedrigen Preise der Einfuhrartikel, auch den Überschuß des zugeführten Edelmetalls produzieren mögen. Wäre der Importmarkt wirklich überführt, so bewiese dies Abnahme der Nachfrage für Importwaren, die bei niedrigen Preisen unerklärlich wäre, außer als Folge von Einschränkung der heimischen industriellen Produktion; dies aber wäre wieder unerklärlich bei übergroßen Einfuhren zu niedrigen Preisen. Lauter Absurditäten, um zu beweisen, daß Fallen der Preise = Fallen des Zinses. Beides mag gleichzeitig nebeneinander bestehn. Dann aber als Ausdruck des Gegensatzes der Richtungen, worin die Bewegung von industriellem Kapital und die Bewegung von leihbarem Geldkapital erfolgt, nicht als Ausdruck ihrer Identität.

Warum, ad (3), der Geldzins niedrig sein soll, wenn Waren im Überfluß vorhanden, ist auch nach dieser weiteren Ausführung nicht abzusehn. Sind Waren wohlfeil, so brauche ich, um ein bestimmtes Quantum zu kaufen, sage 1.000 Pfd.St. statt früher 2.000. Vielleicht aber lege ich auch jetzt 2.000 Pfd.St. an und kaufe dafür das Doppelte der Waren gegen früher und erweitre mein Geschäft durch Vorschuß desselben Kapitals, das ich vielleicht aufnehmen muß. Ich kaufe jetzt wie früher für 2.000 Pfd.St. Meine Nachfrage auf dem Geldmarkt bleibt also dieselbe, wenn auch meine Nachfrage auf dem Warenmarkt mit dem Sinken der Warenpreise steigt. Fällt aber diese letztre, d.h. erweitert sich die Produktion nicht mit dem Sinken der Warenpreise, was allen Gesetzen des "Economist" widersprechen würde, so nähme die Nachfrage nach leihbarem Geldkapital ab, obgleich der Profit zunähme; dieser zunehmende Profit würde aber Nachfrage nach Leihkapital schaffen. Übrigens mag die Niedrigkeit der Warenpreise aus drei Ursachen herrühren. Erstens aus Mangel an Nachfrage. Dann ist der Zinsfuß niedrig, weil die Produktion gelähmt, nicht weil die Waren wohlfeil, da diese

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Wohlfeilheit bloß Ausdruck jener Lähmung. Oder weil die Zufuhr übergroß im Verhältnis zur Nachfrage. Dies mag der Fall sein infolge von Überführung der Märkte etc., die zur Krise führt, und mag in der Krise selbst zusammenfallen mit hohem Zinsfuß; oder es mag der Fall sein, weil der Wert der Waren gesunken, also dieselbe Nachfrage zu niedrigerem Preis befriedigt werden kann. Warum soll im letzten Fall der Zinsfuß sinken? Weil der Profit wächst? Wenn, weil weniger Geldkapital nötig, um dasselbe produktive oder Warenkapital zu erhalten, so bewiese dies nur, daß Profit und Zins in umgekehrtem Verhältnis zueinander stehn. Jedenfalls ist der allgemeine Satz des "Economist" falsch. Niedrige Geldpreise der Waren und niedriger Zinsfuß gehören nicht notwendig zusammen. Sonst müßte in den ärmsten Ländern, wo die Geldpreise der Produkte am niedrigsten, auch der Zinsfuß am niedrigsten, und in den reichsten Ländern, wo die Geldpreise der Agrikulturprodukte am höchsten, auch der Zinsfuß am höchsten stehn. Im allgemeinen gibt der "Economist" zu: fällt der Wert des Geldes, so übt das keinen Einfluß auf den Zinsfuß. 100 Pfd.St. bringt nach wie vor 105 Pfd.St.; sind die 100 weniger wert, so auch die 5 Zins. Das Verhältnis wird nicht affiziert durch Wertsteigerung oder Entwertung der Originalsumme. Als Wert betrachtet, ist ein bestimmtes Warenquantum gleich einer gewissen Geldsumme. Steigt sein Wert, so ist er gleich einer größern Geldsumme; umgekehrt, wenn er fällt. Ist er = 2.000, so 5% = 100; ist er = 1.000, so 5% = 50. Dies ändert aber nichts am Zinssatz. Das Rationale an der Sache ist nur, daß mehr Geldakkommodation erheischt, wenn 2.000 Pfd.St. nötig, um dasselbe Quantum Waren zu verkaufen, als wenn nur 1.000 Pfd.St. nötig. Aber dies zeigt hier nur umgekehrtes Verhältnis zwischen Profit und Zins. Denn der Profit wächst mit der Wohlfeilheit der Elemente des konstanten und variablen Kapitals, und der Zins fällt. Aber das Umgekehrte kann auch der Fall sein und ist häufig der Fall. Baumwolle z.B. kann wohlfeil sein, weil keine Nachfrage für Garn und Gewebe besteht; sie kann relativ teuer sein, weil großer Profit in der Baumwollindustrie große Nachfrage für sie erzeugt. Andrerseits kann der Profit der Industriellen hoch sein, grade weil der Preis von Baumwolle niedrig ist. Die Liste von Hubbard beweist, daß der Zinsfuß und die Warenpreise durchaus voneinander unabhängige Bewegungen vollführen; während die Bewegungen des Zinsfußes sich genau den Bewegungen des Metallschatzes und der Wechselkurse anpassen.

"Sind Waren daher im Überfluß vorhanden, so muß der Geldzins niedrig sein".

sagt der "Economist". Grade das Umgekehrte findet statt in den Krisen; die Waren sind überschüssig, inkonvertibel in Geld, und daher der Zinsfuß

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hoch; in einer andren Phase des Zyklus herrscht große Nachfrage nach Waren, daher leichte Rückflüsse, aber zugleich Steigen der Warenpreise" und wegen der leichten Rückflüsse niedriger Zinsfuß. "Sind sie" (die Waren) "selten, so muß er hoch sein." Wieder findet das Umgekehrte statt in Zeiten der Abspannung nach der Krise. Waren sind selten, absolut gesprochen, nicht mit Rücksicht auf die Nachfrage; und der Zinsfuß ist niedrig.

Daß, ad (4), bei überführtem Markt ein Warenbesitzer wohlfeiler losschlagen wird - wenn er überhaupt verkaufen kann - als bei voraussichtlich rascher Erschöpfung der vorhandnen Vorräte, ist ziemlich klar. Weniger aber, weshalb deswegen der Zinsfuß fallen soll.

Ist der Markt mit der importierten Ware überführt, so mag der Zinsfuß steigen infolge gesteigerter Nachfrage nach Leihkapital von seiten der Eigner, um die Waren nicht auf den Markt werfen zu müssen. Er mag fallen, weil die Flüssigkeit des kommerziellen Kredits die Nachfrage für Bankkredit noch relativ niedrig hält.

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Der "Economist" erwähnt die rasche Wirkung auf die Kurse 1847 infolge der Erhöhung des Zinsfußes und andern Drucks auf den Geldmarkt. Aber es ist nicht zu vergessen, daß trotz der Wendung der Kurse das Gold fortfuhr abzufließen bis Ende April; die Wendung tritt hier erst ein mit Anfang Mai.

Am 1. Januar 1847 war der Metallschatz der Bank 15.066.691 Pfd.St.; Zinsfuß 31/2%; Dreimonatskurs auf Paris 25.75; auf Hamburg 13.10; auf Amsterdam 12.31/4. Am 5. März war der Metallschatz gefallen auf 11.595.535 Pfd.St.; Diskonto gestiegen auf 4%; der Wechselkurs fiel auf Paris 25.671/2, Hamburg 13.91/4, Amsterdam 12.21/2. Goldabfluß dauert fort; s. folgende Tabelle:

Datum
1847
Edelmetallschatz
der Bank von
England
Pfd.St.
Geldmarkt Höchste Dreimonatskurse
Paris Hamburg Amsterdam

März 20. 11.231.630 Bankdiskont 4% 25.671/2 13.093/4 12.21/2
April 03. 10.246.410 Bankdiskont 5% 25.80 13.10 12.31/2
April 10. 9.867.053 Geld sehr rar 25.90 13.101/3 12.41/2
April 17. * 9.329.841 Bankdiskont 51/2% 26.021/2 13.103/4 12.51/2
April 24. 9.213.890 Druck 26.05 ** 13.12 12.6
Mai 01. 9.337.716 Steigender Druck 26.15 13.123/4 12.61/2
Mai 08. 9.588.759 Größter Druck 26.271/2 13.151/2 12.73/4

* 1. Auflage: 9.329.941; ** 1. Auflage: 13.13

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Im Jahr 1847 betrug der Gesamtexport von Edelmetall aus England 8.602.597 Pfd.St.

Davon ging nach den Vereinigten Staaten 3.226.411 Pfd.St
Davon ging nach Frankreich 2.479.892 Pfd.St
Davon ging nach den Hansestädten 958.781 Pfd.St
Davon ging nach Holland 247.743 Pfd.St

Trotz der Wendung der Kurse Ende März dauert der Goldabfluß noch einen vollen Monat fort; wahrscheinlich nach den Vereinigten Staaten.

"Wir sehn hier", (sagt der "Economist", 1847, p. 954) "wie schnell und schlagend die Wirkung eines gesteigerten Zinsfußes und der darauffolgenden Geldklemme war in der Korrektion eines ungünstigen Kurses und in der Wendung der Goldflut, so daß sie wieder nach England floß. Die Wirkung wurde hervorgebracht ganz unabhängig von der Zahlungsbilanz. Ein höherer Zinsfuß erzeugte einen niedrigem Preis der Wertpapiere, englischer wie auswärtiger, und veranlaßte große Einkäufe davon für ausländische Rechnung. Dies vermehrte die Summe der von England aus gezogenen Wechsel, während andrerseits bei hohem Zinsfuß die Schwierigkeit, Geld zu erhalten, so groß war, daß die Nachfrage nach diesen Wechseln fiel, während ihre Summe stieg. Es geschah aus derselben Ursache, daß Aufträge für fremde Waren annulliert und englische Kapitalanlagen in auswärtigen Wertpapieren realisiert und das Geld nach England zur Anlage gebracht wurde. So lesen wir z.B. im 'Rio de Janeiro Price Current' vom 10. Mai: 'Der Wechselkurs' {auf England} 'hat einen neuen Rückgang erfahren, verursacht hauptsächlich durch einen Druck auf den Markt für Rimessen gegen den Erlös bedeutender Verkäufe von' {brasilischen} 'Staatsfonds für englische Rechnung.' Englisches Kapital, das im Ausland in verschiednen Wertpapieren angelegt worden, als der Zinsfuß hier sehr niedrig. wurde so zurückgebracht, als der Zinsfuß gestiegen war."

Handelsbilanz von England

Indien allein hat an 5 Mill. Tribut zu zahlen, für "gute Regierung", Zinsen und Dividenden von britischem Kapital etc., wobei gar nicht berechnet sind die Summen, die jährlich heimgesandt werden, teils von Beamten als Ersparnisse aus ihrem Gehalt, teils durch englische Kaufleute als Teil ihrer Profite, um in England angelegt zu werden. Von jeder britischen Kolonie sind aus denselben Gründen fortwährend große Rimessen zu machen. Die meisten Banken in Australien, Westindien, Kanada sind mit britischem Kapital gegründet, die Dividenden sind in England zu zahlen. Ebenso besitzt England viel auswärtige Staatspapiere, europäische, nord- und südamerikanische, wovon es die Zinsen zu empfangen hat. Dazu kommt dann noch seine Beteiligung bei ausländischen Eisenbahnen, Kanälen,

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Bergwerken etc., mit den entsprechenden Dividenden. Die Rimessen gegen alle diese Posten werden fast ausschließlich in Produkten gemacht, über den Betrag der englischen Ausfuhr hinaus. Was andrerseits von England ins Ausland geht an Besitzer englischer Wertpapiere und an Verzehr für Engländer im Ausland, ist dagegen verschwindend.

Die Frage, soweit sie die Handelsbilanz und die Wechselkurse betrifft, ist

"in jedem gegebnen Moment eine Frage der Zeit. In der Regel ... gibt England lange Kredite auf seine Ausfuhr, während die Einfuhren bar bezahlt werden. In gewissen Momenten hat dieser Unterschied der Usance eine bedeutende Wirkung auf die Kurse. Zu einer Zeit, wo unsre Ausfuhren sehr beträchtlich zunehmen, wie 1850, muß eine fortwährende Ausdehnung der Anlage von britischem Kapital im Gang sein ... so können die Rimessen von 1850 gegen Waren gemacht werden, die 1849 exportiert wurden. Aber wenn 1850 die Ausfuhren die von 1849 um 6 Mill. übersteigen, so muß die praktische Wirkung sein, daß mehr Geld außer Landes gesandt ist, zu diesem Betrag, als im selben Jahr zurückgeflossen; und in dieser Weise wird eine Wirkung hervorgebracht auf die Kurse und den Zinsfuß. Sobald dagegen unser Geschäft in einer Krise deprimiert und unsre Ausfuhr sehr eingeschränkt ist, so übersteigen die für die größren Exporte früherer Jahre verfallenden Rimessen sehr bedeutend den Wert unsrer Einfuhr; die Kurse drehn sich dementsprechend zu unsern Gunsten, das Kapital akkumuliert rasch im Inland, und der Zinsfuß fällt." ("Economist", 11 Januar 1851.)

Der auswärtige Wechselkurs kann sich ändern

1. infolge der augenblicklichen Zahlungsbilanz, durch welche Ursachen immer diese bestimmt sei: durch rein merkantilische, durch Kapitalanlage im Ausland oder aber durch Staatsausgaben, bei Kriegen usw., soweit Barzahlungen im Ausland dabei gemacht werden.

2. Infolge von Entwertung des Geldes in einem Land, sei dies nun Metall- oder Papiergeld. Dies ist rein nominell. Wenn 1 Pfd.St. nur noch halb soviel Geld repräsentierte wie früher, würde es selbstredend zu 121/2 Fr. statt zu 25 Fr. berechnet.

3. Wo es sich um den Kurs zwischen Ländern handelt, von denen das eine Silber, das andre Gold als "Geld" verwendet, ist der Wechselkurs abhängig von den relativen Wertschwankungen dieser beiden Metalle, da diese Schwankungen offenbar das Pari zwischen beiden alterieren. Ein Beispiel vom letztren waren die Kurse 1850; sie waren gegen England, obgleich sein Export enorm stieg; aber dennoch fand kein Goldabfluß statt. Es war Wirkung des momentanen Steigens des Silberwerts gegen den Goldwert. (Siehe "Economist", 30. November 1850.)

Das Pari des Wechselkurses ist für 1 Pfund Sterling: auf Paris 25 Fr. 20 cent.; Hamburg 13 Mark Banko 101/2 Sch.; Amsterdam 11 fl. 97 cents.

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Im Verhältnis wie der Wechselkurs auf Paris über 25.20 steigt, wird er günstiger für den englischen Schuldner an Frankreich oder den Käufer französischer Waren. In beiden Fällen braucht er weniger Pfund Sterling, um seinen Zweck zu erreichen. - In entlegneren Ländern, wo Edelmetall nicht leicht zu erlangen, wenn Wechsel selten und ungenügend sind für die nach England zu machenden Rimessen, ist die natürliche Wirkung Herauftreibung der Preise derjenigen Produkte, die gewöhnlich nach England verschifft werden, indem für diese nun größre Nachfrage entsteht, um sie anstatt Wechsel nach England zu senden; dies ist oft der Fall in Indien.

Ein ungünstiger Wechselkurs und selbst ein Goldabfluß kann stattfinden, wenn in England sehr großer Überfluß an Geld, niedriger Zinsfuß und hoher Preis der Wertpapiere herrscht.

Im Laufe von 1848 erhielt England große Quantitäten Silber von Indien, da gute Wechsel selten waren und mittelmäßige ungern genommen wurden, infolge der Krisis von 1847 und der großen Kreditlosigkeit im indischen Geschäft. Dies ganze Silber, kaum angekommen, fand bald den Weg nach dem Kontinent, wo die Revolution Schatzbildung an allen Ecken herbeiführte. Dasselbe Silber machte 1850 großenteils die Reise nach Indien zurück, da der Stand des Wechselkurses dies nun profitlich machte.

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Das Monetarsystem ist wesentlich katholisch, das Kreditsystem wesentlich protestantisch. "The Scotch hate gold." <"Die Schotten hassen Gold."> Als Papier hat das Gelddasein der Waren ein nur gesellschaftliches Dasein. Es ist der Glaube, der selig macht. Der Glaube in den Geldwert als immanenten Geist der Waren, der Glaube in die Produktionsweise und ihre prädestinierte Ordnung, der Glaube in die einzelnen Agenten der Produktion als bloße Personifikationen des sich selbst verwertenden Kapitals. So wenig aber der Protestantismus von den Grundlagen des Katholizismus sich emanzipiert, so wenig das Kreditsystem von der Basis des Monetarsystems.



Datum der letzten Änderung : Jena, den : 20.03.2013