Semantik

Semantik (von altgriechisch σημαίνειν sēmaínein, deutsch ‚bezeichnen, ein Zeichen geben‘), auch Bedeutungslehre, nennt man die Theorie oder Wissenschaft von der Bedeutung der Zeichen. Zeichen können hierbei beliebige Symbole sein, insbesondere aber auch Sätze, Satzteile, Wörter oder Wortteile.

Soweit sich die Semantik mit Zeichen aller Art befasst, ist sie ein Teilbereich der Semiotik. Sofern sie sich allein mit sprachlichen Zeichen befasst, ist sie eine Teildisziplin der Linguistik.

Die Semantik von Zeichensystemen allgemein (Semiotik)

Im allgemeinen zeichentheoretischen (semiotischen) Sinn ist die Semantik die Theorie der Bedeutung von Zeichen (Zeichenbedeutung). Je nach zugrundegelegtem Bedeutungsbegriff variiert daher auch der Begriff oder die Perspektive der Semantik. Im Sinne der allgemeinen Zeichentheorie sind Zeichen nicht nur sprachliche Zeichen, so dass die semiotische Semantik auch natürliche oder technische Prozesse in ihrer Zeichenhaftigkeit und Interaktion analysiert.

Allgemein wird Charles W. Morris als derjenige genannt, der den Terminus Semantik in der Semiotik etabliert hat. Er verstand unter Semantik die Beziehung der Zeichen zu ihren Designaten (auch: Referenten)

Der Semantikbegriff von Morris ist ein anderer als der heutige Semantikbegriff und ist auch ein anderer als der auf formale Sprachen bezogene von Alfred Tarski.

Seit Morris unterscheidet man in der Semiotik die Pragmatik und die -Syntax (von Morris Syntaktik genannt). Inwieweit diese Dreiteilung ihre Berechtigung hat, kann infrage gestellt werden. Insbesondere wird unter dem Einfluss des späteren Wittgenstein und der Gebrauchstheorie die Abhängigkeit der Semantik von der Pragmatik betont.

Die semiotische Semantik soll auf der Sigmatik aufbauen, indem Daten eine Bedeutung erhalten und dann als Nachricht bezeichnet werden.

Semantik formaler Sprachen

Die Semantik logischer Sprachen

Die logische Semantik (auch: reine Semantik) hat die Aufgabe, formale Sprachen (der Aussagenlogik, Prädikatenlogik etc.) zu interpretieren. Dabei werden die Bedeutungen nicht erforscht, sondern durch explizite Regeln festgelegt. Man spricht auch von formaler Semantik (der Logik) (zur formalen Semantik der Linguistik siehe oben).

Intensionale versus extensionale Semantik

Der Unterscheidung zwischen Extension und Intension eines sprachlichen Ausdrucks folgend, kann Semantik mehr intensional (intensionale Semantik) oder extensional (extensionale Semantik) betrieben werden.

Die Unterscheidung von Intension und Extension korreliert mit der zwischen Inhalt und Umfang oder Sinn und Bedeutung im Sinne von Gottlob Frege (1892). Allerdings verwendet Frege den Ausdruck Bedeutung in einem anderen als in dem heute herrschenden Sinn. Er definiert

Frege verdeutlicht die Unterscheidung am Beispiel des Begriffspaares Morgenstern und Abendstern, die beide dieselbe Bedeutung haben, da sie den Planeten Venus bezeichnen. Der Sinn der Ausdrücke sei jedoch offensichtlich unterschiedlich. Da diese Differenzierung nach heutigem Wortgebrauch nicht mehr leicht nachvollziehbar ist, wird inzwischen anstelle der Fregeschen Terminologie vorwiegend das Begriffspaar „Bedeutung (Sinn) – Bezeichnetes“ verwendet, Sinn und Bedeutung werden als synonym angesehen. Freges Differenzierungen haben auch in der linguistischen Semantik eine große Resonanz gefunden.

Die Semantik für nicht-modale Logiken ist extensional. Dies bedeutet, dass den Ausdrücken der formalen Sprache nur Extensionen zugeordnet werden.

Modallogische Sprachen werden hingegen durch eine intensionale Semantik interpretiert, wie durch die Semantik der möglichen Welten.

Wahrheitsfunktionale Semantik

Die wahrheitsfunktionale Semantik wurde von Alfred Tarski im Jahr 1944 „zu einem systematischen Verfahren formalisiert“. Sie führt die Bedeutung eines Satzes auf die Frage nach der Wahrheit eines Satzes zurück, da das Konzept der Wahrheit leichter zu fassen ist als das der Bedeutung. Sie ist eine Semantik, die „den Begriff der Bedeutung als eine Funktion zwischen sprachlichen Ausdrücken und der Welt auf(fasst) und verwendet die Wahrheit von Aussagen als Kriterium von deren Bedeutung.“

In der modelltheoretischen Semantik wird dies ausgearbeitet.

Semantik in der Informatik

Die Semantik in der Informatik ist ein Anwendungsfall der logischen Semantik. Hier wird für formale Programmiersprachen neben der Syntax eine formale Semantik definiert. Dies findet Anwendung im Bereich der Berechenbarkeitstheorie, der Komplexitätstheorie und insbesondere der Verifikation von Computerprogrammen (Korrektheit).

Semantik in anderen Bereichen

Informationstheorie

In der Informationstheorie versteht man unter der Semantik einer Informationsfolge die Bedeutung dieser Informationsfolge. Eine reine Zufallsfolge hat keine Semantik (jedoch einen sehr hohen Informationsgehalt).

Systemtheorie

Die soziologische Systemtheorie versteht unter Semantik den gesamten Wissensvorrat (das offizielle Gedächtnis und das grundlegende kulturelle Erbe) des Gesellschaftssystems, der dauerhaft, wiederverwendbar und sozial übergreifend zur Verfügung steht. Dabei beinhalten systemspezifische Semantiken jeweils sozial bedeutsame und bewahrenswerte Leitvorstellungen, die sich aus Standardisierungen des Empfindens, Denkens, Handelns und Redens ergeben haben.

Sprachphilosophie (philosophische Semantik)

Für die analytische Philosophie ist die Semantik ein wichtiger Teilbereich. Die Sprachphilosophie wurde lange Zeit nur als Semantik verstanden. Erst durch Wittgensteins Wirken im 20. Jahrhundert wurde die Pragmatik zu einem ebenso wichtigen Teil der Sprachphilosophie.

Visuelle Kommunikation

In der Visuellen Kommunikation können optische Medien in ihren verschiedenen Erscheinungsweisen (Plakate, Werbespots, Piktogramme und andere) auch mit den Begriffen der Semantik untersucht und analysiert werden.

Literatur

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Basierend auf einem Artikel in: Wikipedia.de
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Datum der letzten Änderung: Jena, den: 03.04. 2021