32. Kapitel. Geldkapital und wirkliches Kapital · III | Inhalt | 34. Kapitel. Das Currency Principle usw.

DREIUNDDREISSIGSTES KAPITEL
Das Umlaufsmittel unter dem Kreditsystem

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"Der große Regulator der Geschwindigkeit der Zirkulation ist der Kredit. Daher erklärt sich, warum eine scharfe Klemme im Geldmarkt gewöhnlich zusammenfällt mit einer gefüllten Zirkulation." ("The Currency Theory Reviewed", p. 65.)

Dies ist doppelt zu verstehn. Einerseits sind alle Methoden, die Zirkulationsmittel ersparen, begründet auf den Kredit. Zweitens aber: nimm z.B. eine 500-Pfund-Note. A gibt sie heute in Zahlung eines Wechsels an B; B deponiert sie denselben Tag bei seinem Bankier; dieser diskontiert noch selben Tags einen Wechsel damit für C; C zahlt sie an seine Bank, die Bank gibt sie dem bill-broker auf Vorschuß etc. Die Geschwindigkeit, mit der die Note hier zirkuliert, zu Käufen oder Zahlungen dient, ist vermittelt durch die Geschwindigkeit, womit sie immer wieder in der Form des Depositums zu jemandem zurückkehrt und in der Form des Anlehens wieder zu jemand anders übergeht. Das bloße Ökonomisieren des Zirkulationsmittels erscheint am höchsten entwickelt im Clearing House, dem bloßen Austausch von fälligen Wechseln, und der vorwiegenden Funktion des Geldes als Zahlungsmittel zum Ausgleich bloßer Überschüsse. Aber das Dasein dieser Wechsel beruht selbst wieder auf dem Kredit, den sich die Industriellen und Kaufleute untereinander geben. Nimmt dieser Kredit ab, so nimmt die Zahl der Wechsel ab, namentlich der langsichtigen, also auch die Wirksamkeit dieser Methode der Ausgleichungen. Und diese Ökonomie, die in der Beseitigung des Geldes aus den Umsätzen besteht und die ganz auf der Funktion des Geldes als Zahlungsmittel beruht, welche wieder auf dem Kredit beruht, kann (abgesehn von der mehr oder minder entwickelten Technik in der Konzentration dieser Zahlungen) nur zweierlei Art sein: Wechselseitige Schuldforderungen, repräsentiert durch Wechsel oder Schecks, gleichen sich aus entweder bei demselben Bankier, der nur die Forderung vom Konto des einen auf das des andern überschreibt; oder die

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verschiednen Bankiers gleichen untereinander aus. (11) Die Konzentration von 8-10 Millionen Wechseln in der Hand eines bill-brokers, wie z.B. der Firma Overend, Gurney & Co., war eins der Hauptmittel, die Stufenleiter dieser Ausgleichung lokal zu erweitern. Durch diese Ökonomisierung wird die Wirksamkeit des Umlaufsmittels erhöht, soweit ein geringres Quantum davon erfordert wird zur bloßen Saldierung der Bilanz. Andrerseits hängt die Geschwindigkeit des als Zirkulationsmittel umlaufenden Geldes (wodurch es auch ökonomisiert wird) ganz ab von dem Fluß der Kaufe und Verkäufe, oder auch von der Verkettung der Zahlungen, soweit sie nacheinander in Geld erfolgen. Aber der Kredit vermittelt und erhöht dadurch die Geschwindigkeit der Zirkulation. Das einzelne Geldstück kann z.B. nur fünf Umläufe bewirken und bleibt länger in jeder einzelnen Hand ruhen - als bloßes Zirkulationsmittel ohne Dazwischenkunft des Kredits -, wenn A, sein ursprünglicher Besitzer, von B, B von C, C von D, D von E, E von F kauft, also sein Übergang von einer Hand in die andre nur durch wirkliche Käufe und Verkäufe vermittelt ist. Wenn aber B das von A in Zahlung erhaltne Geld bei seinem Bankier deponiert und dieser es ausgibt in Wechseldiskont an C, dieser von D kauft, D es bei seinem Bankier deponiert und dieser es an E leiht, der von F kauft, so ist selbst seine Geschwindigkeit als bloßes Zirkulationsmittel (Kaufmittel) vermittelt durch mehrere Kreditoperationen: das Deponieren des B bei seinem Bankier und dessen Diskontieren für C, das Deponieren des D bei seinem Bankier und dessen Diskontieren für E; also durch vier Kreditoperationen. Ohne diese Kreditoperationen hätte dasselbe Geldstück nicht fünf Käufe nacheinander im gegebnen Zeitraum verrichtet. Daß es ohne Vermittlung von wirklichem Kauf und Verkauf - als Depositum und im Diskonto - die Hände wechselte, hat hier seinen Händewechsel in der Reihe wirklicher Absätze beschleunigt.

Es hat sich vorhin gezeigt, wie eine und dieselbe Banknote Depositen bei verschiednen Bankiers bilden kann. Ebenso kann sie verschiedne Depositen

Trenner

(11) Durchschnittliche Anzahl der Tage, während deren eine Banknote in Zirkulation blieb:

Jahr 5 Pfd.St 10 Pfd.St 20-100 Pfd.St 200-500 Pfd.St 10000 Pfd.St

1792 ? 236 209 31 22
1818 148 237 121 18 13
1846 79 71 34 12 8
1856 70 58 27 9 7

(Aufstellung des Kassierers der B. v. E. Marshall im "Report on Bank Acts". 1857. II. Appendix p. 300, 301.)

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bei demselben Bankier bilden. Er diskontiert mit der Note, die A deponiert hat, den Wechsel von B, B zahlt an C, C deponiert dieselbe Note bei demselben Bankier, der sie verausgabt.

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Es ist bereits bei Betrachtung der einfachen Geldzirkulation (Buch I, Kap. III, 2) nachgewiesen worden, daß die Masse des wirklich zirkulierenden Geldes, Geschwindigkeit der Zirkulation und Ökonomie der Zahlungen als gegeben vorausgesetzt, bestimmt ist durch die Preise der Waren und die Masse der Transaktionen. Dasselbe Gesetz herrscht bei der Notenzirkulation.

In der folgenden Tabelle sind für jedes Jahr die Jahresdurchschnitte der Noten der Bank von England, soweit sich solche in der Hand des Publikums befanden, verzeichnet, und zwar die Beträge der 5- und 10-Pfund-Noten, die der Noten von 20-100 Pfd.St. und die der höheren Noten von 200-1.000 Pfd.St.; sowie der Prozentsatz der Gesamtzirkulation, den jede dieser Rubriken liefert. Die Beträge sind in Tausenden, unter Streichung der drei letzten Stellen.

Jahr Noten von
5-10 Pfd.St.
Noten von
20-100 Pfd.St.
Noten von
200-1000 Pfd.St.
Insgesamt
  Pfd.St. % Pfd.St. % Pfd.St. % Pfd.St.

1844 9.263 45,7 5.735 28,3 5.253 26,0 20.241
1845 9.698 46,9 6.082 29,3 4.942 23,8 20.722
1846 9.918 48,9 5.778 28,5 4,590 22,6 20.286
1847 9.591 50,1 5.498 28,7 4.066 21,2 19.155
1848 8.732 48,3 5.046 27,9 4.307 23,8 18.085
1849 8.692 47,2 5.234 28,5 4.477 24,3 18.403
1850 9.164 47,2 5.587 28,8 4.646 24,0 19.398
1851 9.362 48,1 5.554 28,5 4.557 23,4 19.473
1852 9.839 45,0 6.161 28,2 5.856 26,8 21.856
1853 10.699 47,3 6.393 28,2 5.541 24,5 22.653
1854 10.565 51,0 5.910 28,5 4.234 20,5 20.709
1855 10.628 53,6 5.706 28,9 3.459 17,5 19.793
1856 10.680 54,4 5.645 28,7 3.323 16,9 19.648
1857 10.659 54,7 5.567 28,6 3.241 16,7 19.467

(B.A. 1858, p. XXVI.)

Die Gesamtsumme der zirkulierenden Banknoten hat also von 1844 bis 1857 positiv abgenommen, obgleich der durch Ausfuhr und Einfuhr nachgewiesene Geschäftsverkehr sich mehr als verdoppelt hatte. Die kleinern Banknoten von 5 Pfd.St. und 10 Pfd.St. nahmen zu, wie die Liste zeigt,

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von 9.263.000 Pfd.St. in 1844 auf 10.659.000 Pfd.St. in 1857. Und dies gleichzeitig mit der gerade damals so starken Vermehrung der Goldzirkulation. Dagegen Abnahme der Noten von höhern Beträgen (von 200 bis l.000 Pfd.St.) von 5.856.000 Pfd.St. in 1852 auf 3.241.000 Pfd.St. in 1857. Also Abnahme von mehr als 21/2 Mill. Pfd.St. Dies wird erklärt wie folgt:

"Am 8. Juni 1854 ließen die Privatbankiers von London die Aktienbanken an der Einrichtung des Clearing House teilnehmen, und bald darauf wurde das schließliche clearing in der Bank von England eingerichtet. Die täglichen Saldierungen werden erledigt durch Überschreibung auf den Kontos, die die verschiednen Banken in der Bank von England halten. Durch Einführung dieses Systems sind die Noten von hohem Betrag, deren sich die Banken früher zur Ausgleichung ihrer gegenseitigen Rechnungen bedienten, überflüssig geworden." (B.A. 1858, p. V.)

Wie sehr der Gebrauch des Geldes im Großhandel auf ein geringes Minimum reduziert ist, darüber vgl. die Tabelle, die Buch I, Kap. III, Note 103 abgedruckt und die dem Bankausschuß geliefert wurde von Morrison, Dillon & Co., einem der größten derjenigen Londoner Häuser, wo ein Kleinhändler seinen ganzen Vorrat von Waren aller Art einkaufen kann.

Nach der Aussage von W. Newmarch vor dem B.A. 1857, Nr. 1741, trugen auch noch andre Umstände zur Ersparung von Zirkulationsmitteln bei: das Penny-Briefporto, die Eisenbahnen, die Telegraphen, kurz die verbesserten Verkehrsmittel; so daß England jetzt bei ungefähr derselben Banknotenzirkulation ein fünf- bis sechsmal so großes Geschäft machen kann. Dies sei aber auch wesentlich der Ausschaltung der Noten von mehr als 10 Pfd.St. aus der Zirkulation geschuldet. Dies scheint ihm eine natürliche Erklärung dafür, daß in Schottland und Irland, wo auch 1-Pfund-Noten zirkulieren, die Notenzirkulation um ungefähr 31% gestiegen ist. (1747.) Die Gesamtzirkulation von Banknoten im Vereinigten Königreich, mit Einschluß der 1-Pfund-Noten, sei 39 Mill. Pfd.St. (1749.) Die Goldzirkulation 70 Mill. Pfd.St. (1750.) In Schottland war die Notenzirkulation 1834 - 3.120.000 Pfd.St.; 1844 - 3.020.000 Pfd.St.; 1854 - 4.050.000 Pfd.St. (1752.)

Schon hieraus geht hervor, daß es keineswegs in der Hand der Noten ausgebenden Banken steht, die Zahl der zirkulierenden Noten zu vermehren, solange diese Noten jederzeit gegen Geld austauschbar sind. {Von inkonvertiblem Papiergeld ist hier überhaupt nicht die Rede; inkonvertible Banknoten können nur da allgemeines Zirkulationsmittel werden, wo sie tatsächlich durch Staatskredit gestützt werden, wie z.B. gegenwärtig in Rußland. Sie fallen damit unter die Gesetze des inkonvertiblen Staatspapier-

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gelds, die schon entwickelt sind. (Buch I, Kap. III, 2, c: Die Münze. Das Wertzeichen.) - F. E.}

Die Menge der zirkulierenden Noten richtet sich nach den Bedürfnissen des Verkehrs, und jede überflüssige Note wandert sofort zurück zu ihrem Ausgeber. Da in England nur die Noten der Bank von England als gesetzliches Zahlungsmittel allgemein umlaufen, können wir die unbedeutende und nur lokale Notenzirkulation der Provinzialbanken hier vernachlässigen.

Vor dem B. A. 1858 sagt Herr Neave, Gouverneur der Bank von England, aus:

Nr. 947. (Frage:) "Welche Maßregeln auch immer Sie ergreifen, der Notenbetrag in den Händen des Publikums, sagen Sie, bleibt derselbe; d.h. ungefähr 20 Mill. Pfd.St.? - In gewöhnlichen Zeiten scheint der Gebrauch des Publikums ungefähr 20 Mill. zu erfordern. Zu gewissen periodisch wiederkehrenden Zeiten im Jahr steigen sie um 1 oder 1 1/2 Mill. Wenn das Publikum mehr braucht, so kann es sie, wie ich sagte, stets bei der Bank von England bekommen." - 948. "Sie sagten, daß während der Panik das Publikum Ihnen nicht erlauben wollte, den Notenbetrag zu vermindern; wollen Sie das begründen? - In Zeiten der Panik hat das Publikum, wie mir scheint, volle Macht, sich Noten zu verschaffen; und natürlich, solange die Bank eine Verpflichtung hat, kann das Publikum auf diese Verpflichtung hin die Noten von der Bank entnehmen." -949. "Es scheinen also jederzeit ungefähr 20 Mill. Noten der B. v. E. erforderlich zu sein? - 20 Mill. Noten in der Hand des Publikums; es wechselt. Es sind 18 1/2, 19, 20 Mill. usw.; aber im Durchschnitt können Sie sagen 19-20 Millionen."

Aussage von Thomas Tooke vor dem Ausschuß der Lords über Commercial Distress (C.D. 1848/1857), Nr. 3094:

"Die Bank hat keine Macht, nach eignem Willen den Betrag der Noten in der Hand des Publikums zu erweitern; sie hat die Macht, den Notenbetrag in der Hand des Publikums zu vermindern, aber nur vermittelst einer sehr gewaltsamen Operation."

J. C. Wright, seit 30 Jahren Bankier in Nottingham, nachdem er ausführlich die Unmöglichkeit auseinandergesetzt, daß die Provinzialbanken jemals mehr Noten in Umlauf erhalten könnten, als das Publikum braucht und will, sagt von den Noten der Bank von England (CD. 1848/1857), Nr. 2844:

"Ich weiß von keiner Schranke" (der Notenausgabe) "für die B. von E., aber jeder Überschuß der Zirkulation wird in die Depositen übergehn und so eine andre Form annehmen."

Dasselbe gilt für Schottland, wo fast nur Papier zirkuliert, weil dort wie in Irland auch Einpfundnoten gestattet sind und "the scotch hate gold" <"die Schotten Gold hassen">.

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Kennedy, Dirigent einer schottischen Bank, erklärt, die Banken könnten ihre Notenzirkulation nicht einmal vermindern, und ist

"der Ansicht, daß, solange inländische Geschäftsabschlüsse Noten oder Gold erfordern, um zustande zu kommen, die Bankiers soviel Umlaufmittel liefern müssen, wie diese Geschäfte erfordern - sei es auf Verlangen ihrer Depositoren oder sonstwie ... Die schottischen Banken können ihre Geschäfte einschränken, aber sie können keine Kontrolle ausüben über ihre Notenausgabe." (ib., Nr. 3446, 3448.)

Desgleichen Anderson, Dirigent der Union Bank of Scotland, ib., Nr. 3578:

"Verhindert das System des gegenseitigen Notenaustausches" {zwischen den schottischen Banken} "eine Überausgabe von Noten von seiten einer einzelnen Bank? - Jawohl; wir haben aber ein wirksameres Mittel als den Notenaustausch" (der in der Tat gar nichts damit zutun hat, wohl aber die Umlaufsfähigkeit der Noten jeder Bank über ganz Schottland sichert) "und dies ist der allgemeine Gebrauch in Schottland, ein Bankkonto zu halten; jedermann, der irgendwie Geld hat, hat auch ein Konto bei einer Bank und zahlt tagtäglich alles Geld ein, das er nicht unmittelbar selbst nötig hat, so daß am Schluß eines jeden Geschäftstags alles Geld in den Banken ist, ausgenommen was jeder in der Tasche hat."

Ebenso für Irland, s. die Aussagen des Gouverneurs der Bank von Irland, MacDonnell, und des Dirigenten der Provincial Bank of Ireland, Murray, vor demselben Ausschuß.

Ebenso unabhängig wie vom Willen der Bank von England ist die Notenzirkulation vom Stand des Goldschatzes in den Kellern der Bank, der die Konvertibilität dieser Noten sichert.

"Am 18. September 1846 war die Notenzirkulation der Bank von England 20.900.000 Pfd.St. und ihr Metallschatz 16.273.000 Pfd.St.; am 5. April 1847 die Zirkulation 20.815.000 Pfd.St. und der Metallschatz 10.246.000 Pfd.St. Also fand trotz des Exports der 6 Millionen Pfd.St. Edelmetall keine Einschrumpfung der Zirkulation statt." (J. G. Kinnear, "The Crisis and the Currency", Ld. 1847, p. 5.)

Es versteht sich jedoch, daß dies nur gilt unter den in England heute herrschenden Verhältnissen, und auch da nur, soweit nicht die Gesetzgebung über das Verhältnis von Notenausgabe und Metallschatz ein anderes befiehlt.

Es sind also nur die Bedürfnisse des Geschäfts selbst, die einen Einfluß auf die Quantität des zirkulierenden Geldes - Noten und Gold - ausüben. Hier kommen zunächst die periodischen Schwankungen in Betracht, die sich jedes Jahr wiederholen, was auch die allgemeine Geschäftslage sein mag, so daß seit 20 Jahren

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"in einem bestimmten Monat die Zirkulation hoch, in einem andern niedrig ist und in einem dritten bestimmten Monat ein mittlerer Punkt vorkommt". (Newmarch, B.A. 1857, Nr. 1650.)

So gehn im August jedes Jahres einige Millionen, meist in Gold, aus der B. von E. in die inländische Zirkulation, um die Kosten der Ernte zu zahlen; da es sich in der Hauptsache um Zahlung von Arbeitslöhnen handelt, sind Banknoten hier für England weniger zu gebrauchen. Bis Jahresschluß ist dies Geld der Bank dann wieder zurückgeströmt. In Schottland gibt es statt Sovereigns fast nur Pfundnoten; hier dehnt sich daher im entsprechenden Fall die Notenzirkulation aus, und zwar zweimal im Jahr, im Mai und November, von 3 auf 4 Millionen; nach 14 Tagen stellt sich bereits der Rückfluß ein, in einem Monat ist er fast vollendet. (Anderson, l.c., [C.D. 1848/1857] Nr. 3595-3600.)

Die Notenzirkulation der Bank von England erfährt auch vierteljährlich eine momentane Schwankung infolge der vierteljährlichen Zahlung der "Dividenden", d.h. der Zinsen der Staatsschuld, wodurch zuerst Banknoten der Zirkulation entzogen und dann wieder unter das Publikum geworfen werden; sie fließen aber sehr bald wieder zurück. Weguelin (B.A. 1857, Nr. 38) gibt den Betrag der hierdurch verursachten Schwankung der Notenzirkulation auf 21/2 Millionen an. Dagegen berechnet Herr Chapman von der notorischen Firma Overend, Gurney & Co. den Betrag der hierdurch auf dem Geldmarkt hervorgerufenen Störung weit höher.

"Wenn Sie aus der Zirkulation 6 oder 7 Millionen für Steuern herausnehmen, um damit die Dividenden zu zahlen, so muß irgend jemand da sein, der diesen Betrag in der Zwischenzeit zur Verfügung stellt." (B.A. 1857, Nr. 5196.)

Viel bedeutender und nachhaltiger sind die Schwankungen im Betrag des umlaufenden Mittels, die den verschiednen Phasen des industriellen Zyklus entsprechen. Hören wir hierüber einen andern Associé jener Firma, den würdigen Quäker Samuel Gurney (C.D. 1848/1857, Nr. 2645):

"Ende Oktober" (1847) "waren 20.800.000 Pfd.St. Noten in den Händen des Publikums. Zu jener Zeit herrschte eine große Schwierigkeit, Banknoten im Geldmarkt zu bekommen. Dies entstand aus der allgemeinen Befürchtung, man werde infolge der Beschränkung des Bankakts von 1844 nicht imstande sein, sie sich zu verschaffen. Gegenwärtig" (März 1848) "ist der Betrag der Banknoten in Händen des Publikums ... 17.700.000 Pfd.St., aber da jetzt keinerlei kommerzieller Alarm herrscht, ist dies viel mehr, als was gebraucht wird. Es gibt keinen Bankier oder keinen Geldhändler in London, der nicht mehr Banknoten hat, als er gebrauchen kann." -2650. "Der Belauf der Banknoten ... außerhalb des Gewahrsams der Bank von England bildet einen total ungenügenden Exponenten des aktiven Standes der Zirkulation, wenn man nicht eben-

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falls gleichzeitig in Erwägung zieht ...den Stand der Handelswelt und des Kredits." - 2651. "Das Gefühl, daß wir bei dem gegenwärtigen Belauf der Zirkulation in den Händen des Publikums einen Überschuß haben, entspringt in hohem Grad aus unsrer gegenwärtigen Lage großer Stagnation. Bei hohen Preisen und aufgeregtem Geschäft würden uns 17.700.000 Pfd.St. ein Gefühl der Knappheit verursachen."

{Solange die Geschäftslage derart ist, daß die Rückflüsse für die gemachten Vorschüsse regelmäßig eingehn und also der Kredit unerschüttert bleibt, richtet sich die Ausdehnung und Zusammenziehung der Zirkulation einfach nach den Bedürfnissen der Industriellen und Kaufleute. Da wenigstens in England Gold für den Großhandel nicht in Betracht kommt und die Goldzirkulation, abgesehn von den jahreszeitlichen Schwankungen, als eine für längere Zeit ziemlich konstante Größe angesehn werden kann, so bildet die Notenzirkulation der B. von E. den hinreichend genauen Gradmesser dieser Veränderungen. In der stillen Zeit nach der Krise läuft am wenigsten um, mit der Wiederbelebung der Nachfrage tritt auch größerer Bedarf an Umlaufsmitteln ein, der sich steigert mit der steigenden Prosperität; den Höhepunkt erreicht die Menge des Umlaufsmittels in der Periode der Überspannung und Überspekulation - da bricht die Krise herein, und über Nacht sind die gestern noch so reichlichen Banknoten vom Markt verschwunden und mit ihnen die Diskontierer von Wechseln, die Vorschußleister auf Wertpapiere, die Käufer von Waren. Die Bank von England soll helfen - aber auch ihre Kräfte sind bald erschöpft, der Bankakt von 1844 zwingt sie, ihre Notenzirkulation einzuschränken grade im Moment, wo alle Welt nach Banknoten schreit, wo die Warenbesitzer nicht verkaufen können und doch zahlen sollen und jedes Opfer zu bringen bereit sind, wenn sie nur Banknoten erhalten.

"Während des Alarms", sagt der obenerwähnte Bankier Wright, l.c., Nr. 2930, "gebraucht das Land zweimal soviel Zirkulation wie in gewöhnlichen Zeiten, weil das Umlaufsmittel von Bankiers und andern aufgespeichert wird."

Sowie die Krise hereinbricht, handelt es sich nur noch um Zahlungsmittel. Da aber jeder vom andern abhängig ist für den Eingang dieser Zahlungsmittel und keiner weiß, ob der andre imstand sein wird, am Verfalltag zu zahlen, tritt ein vollständiges Kirchturmrennen ein um die im Markt befindlichen Zahlungsmittel, d.h. für Banknoten. Jeder schatzt davon auf, so viele er erhalten kann, und so verschwinden die Noten aus der Zirkulation am selben Tag, wo man sie am nötigsten braucht. Samuel Gurney (C.D. 1848/1857, Nr. 1116) gibt die Zahl der so im Moment des Schreckens unter Schloß und Riegel gebrachten Banknoten für Oktober 1847 auf 4-5 Millionen Pfd.St. an. - F. E.}

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In dieser Beziehung ist besonders interessant das Verhör des Associés von Gurney, des bereits erwähnten Chapman, vor dem B.A. von 1857. Ich gebe hier den Hauptinhalt desselben im Zusammenhang, obwohl auch einige Punkte darin behandelt werden, die wir erst später untersuchen.

Herr Chapman läßt sich vernehmen wie folgt.

4963. "Ich nehme auch keinen Anstand zu sagen, daß ich es nicht für in der Ordnung halte, daß der Geldmarkt unter der Macht eines beliebigen individuellen Kapitalisten stehn sollte (wie es in London deren gibt), der einen ungeheuren Geldmangel und eine Klemme erzeugen kann, wenn die Zirkulation grade sehr niedrig steht ... Das ist möglich ...es gibt mehr als einen Kapitalisten, der aus dem Zirkulationsmittel 1 oder 2 Mill. Pfd.St. Noten herausnehmen kann, wenn er einen Zweck dadurch erreicht."

4965. Ein großer Spekulant kann für 1 oder 2 Mill. Konsols verkaufen und so das Geld aus dem Markt nehmen. Etwas Ähnliches ist vor ganz kurzem geschehn, "es erzeugt eine äußerst heftige Klemme".

4967. Die Noten sind dann allerdings unproduktiv.

"Aber das ist nichts, wenn es einen großen Zweck bewirkt; sein großer Zweck ist, die Fondspreise zu werfen, eine Geldklemme zu schaffen, und das zu tun, hat er vollständig in seiner Gewalt."

Ein Beispiel: Eines Morgens war große Geldnachfrage auf der Fondsbörse; niemand kannte die Ursache; jemand bot Chapman an, dieser solle ihm 50.000 Pfd.St. zu 7% leihen. Chapman war erstaunt, sein Zinsfuß stand viel niedriger; er griff zu. Gleich darauf kam der Mann wieder, nahm weitre 50.000 Pfd.St. zu 71/2%, dann 100.000 Pfd.St. zu 8% und wollte noch mehr haben zu 81/2%. Da bekam aber selbst Chapman Angst. Es stellte sich nachher heraus, daß plötzlich eine bedeutende Summe Geldes dem Markt entzogen worden war. Aber, sagt Chapman,

"ich habe doch eine bedeutende Summe zu 8% ausgeliehen; weiter zu gehn hatte ich Angst; ich wußte nicht, was kommen würde."

Man muß nie vergessen, daß, obgleich ziemlich beständig 19 bis 20 Mill. Noten angeblich in der Hand des Publikums sind, doch einerseits der Teil dieser Noten, der wirklich zirkuliert, und andrerseits der, der unbeschäftigt als Reserve bei den Banken liegt, gegeneinander beständig und bedeutend variiert. Ist diese Reserve groß, also die wirkliche Zirkulation niedrig, so heißt das vom Standpunkt des Geldmarkts, daß die Zirkulation voll (the circulation is full, money is plentiful) ist; ist die Reserve klein, also die wirkliche Zirkulation voll, so nennt der Geldmarkt sie niedrig (the circulation is bw, money is scarce), nämlich der Teil hat einen niedrigen Betrag, der unbeschäftiges Leihkapital vorstellt. Wirkliche, von den Phasen des indu-

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striellen Zyklus unabhängige Expansion oder Kontraktion der Zirkulation - so daß aber der Betrag, den das Publikum braucht, derselbe bleibt - findet nur aus technischen Gründen statt, z.B. an den Zahlungsterminen der Steuern oder der Zinsen der Staatsschuld. Bei Steuerzahlung fließen Noten und Gold in die Bank von England über das gewöhnliche Maß und kontrahieren faktisch die Zirkulation, ohne Rücksicht auf das Bedürfnis für letztre. Umgekehrt, wenn die Dividenden der Staatsschuld ausgezahlt werden. Im ersten Fall werden Anleihen bei der Bank gemacht, um Zirkulationsmittel zu erhalten. Im letztren Fall sinkt der Zinsfuß bei den Privatbanken wegen des momentanen Wachsens ihrer Reserven. Es hat dies mit der absoluten Masse der Umlaufsmittel nichts zu tun, sondern nur mit der Bankfirma, die diese Umlaufsmittel in Zirkulation setzt und für die sich dieser Prozeß als Veräußerung von Leihkapital darstellt und die daher den Profit davon in die Tasche steckt.

In dem einen Fall findet bloß temporäres Deplacement des zirkulierenden Mediums statt, das die B. v. E. dadurch ausgleicht, daß sie kurz vor Verfall der vierteljährlichen Steuern und der ebenfalls vierteljährlichen Dividenden kurze Vorschüsse zu niedrigen Zinsen macht; diese so ausgegebnen überzähligen Noten füllen nun zuerst die Lücke aus, die das Zahlen der Steuern verursacht, während ihre Rückzahlung an die Bank gleich darauf den Notenüberfluß zurückbringt, den das Auszahlen der Dividenden ins Publikum geworfen.

In dem andern Fall ist niedrige oder volle Zirkulation immer nur andre Verteilung derselben Masse Umlaufsmittel in aktive Zirkulation und Depositen, d.h. Instrument von Anleihen.

Andrerseits, wenn z.B. durch Goldzufluß zur Bank von England die Zahl der dagegen ausgegebnen Noten vermehrt wird, so helfen diese zum Diskontieren außerhalb der Bank und fließen zurück in Abzahlung von Anleihen, so daß die absolute Masse der zirkulierenden Noten nur momentan vermehrt wird.

Ist die Zirkulation voll, wegen Ausdehnung des Geschäfts (was auch bei relativ niedrigen Preisen möglich), so kann der Zinsfuß relativ hoch sein wegen Nachfrage nach Leihkapital infolge steigender Profite und vermehrter Neuanlagen. Ist sie niedrig, wegen Kontraktion des Geschäfts oder auch wegen großer Flüssigkeit des Kredits, so kann der Zinsfuß niedrig sein auch bei hohen Preisen. (Siehe Hubbard <vorliegender Band S. 565/566>.)

Die absolute Quantität der Zirkulation wirkt bestimmend auf den Zins-

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fuß nur in Zeiten der Klemme. Entweder drückt hier die Nachfrage nach voller Zirkulation nur Nachfrage für Mittel der Schatzbildung aus (abgesehn von der verminderten Geschwindigkeit, womit das Geld zirkuliert, und womit dieselben identischen Geldstücke sich beständig in Leihkapital umsetzen) wegen der Kreditlosigkeit, wie 1847, wo die Suspension des Bankakts keine Expansion der Zirkulation veranlaßte, aber hinreichte, die aufgeschatzten Noten wieder ans Licht zu ziehen und in die Zirkulation zu werfen. Oder es kann wirklich unter den Umständen mehr Zirkulationsmittel erheischt sein, wie 1857 die Zirkulation nach der Suspension des Bankakts für einige Zeit wirklich wuchs.

Sonst wirkt die absolute Masse der Zirkulation nicht auf den Zinsfuß, da sie - Ökonomie und Geschwindigkeit des Umlaufs als konstant vorausgesetzt - erstens bestimmt ist durch die Preise der Waren und die Masse der Transaktionen (wobei meist ein Moment die Wirkung des andern paralysiert) und endlich durch den Stand des Kredits, während sie keineswegs umgekehrt den letztren bestimmt; und da zweitens Warenpreise und Zins in keinem notwendigen Zusammenhang stehn.

Während des Bank Restriction Act (1797-1820) fand ein Überfluß an currency statt, der Zinsfuß war stets viel höher als seit Wiederaufnahme der Barzahlungen. Er fiel später rasch mit Einschränkung der Notenausgabe und steigenden Wechselkursen. 1822, 1823, 1832 war die allgemeine Zirkulation niedrig, der Zinsfuß ebenfalls niedrig. 1824, 1825, 1836 war die Zirkulation hoch, der Zinsfuß stieg. Sommer 1830 war die Zirkulation hoch, der Zinsfuß niedrig. Seit den Goldentdeckungen hat sich der Geldumlauf in ganz Europa expandiert, der Zinsfuß stieg. Der Zinsfuß hängt also nicht ab von der Menge des umlaufenden Geldes.

Der Unterschied zwischen Ausgabe von Umlaufsmittel und Ausleihen von Kapital zeigt sich am besten beim wirklichen Reproduktionsprozeß. Wir haben dort (Buch II, Abschnitt III) gesehn, wie sich die verschiednen Bestandteile der Produktion austauschen. Z.B. das variable Kapital besteht sachlich in den Lebensmitteln der Arbeiter, einem Teil ihres eignen Produkts. Es ist ihnen aber stückweise ausgezahlt worden in Geld. Dies muß der Kapitalist vorschießen, und es hängt sehr ab von der Organisation des Kreditwesens, ob er die nächste Woche das neue variable Kapital wieder auszahlen kann mit dem alten Geld, das er vorige Woche auszahlte. Ebenso in den Austauschakten zwischen den verschiednen Bestandteilen eines gesellschaftlichen Gesamtkapitals, z.B. zwischen Konsumtionsmitteln und den Produktionsmitteln von Konsumtionsmitteln. Das Geld zu ihrer Zirkulation muß, wie wir gesehn haben, von einem oder beiden der Austauschenden

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vorgeschossen werden. Es bleibt dann in Zirkulation, kehrt aber nach vollendetem Austausch immer wieder zu dem zurück, der es vorschoß, da es von ihm über sein wirklich beschäftigtes industrielles Kapital hinaus vorgeschossen worden war (s. <Buch II, 20. Kapitel Band 24, Seite 410- 420>). Bei entwickeltem Kreditwesen, wo sich das Geld in den Händen der Banken konzentriert, sind sie es, wenigstens nominell, die es vorschießen. Dieser Vorschuß bezieht sich nur auf das in Zirkulation befindliche Geld. Es ist Vorschuß von Zirkulation, nicht Vorschuß der Kapitale, die es zirkuliert.

Chapman:

5062. "Es können Zeiten vorkommen, wo die Banknoten in der Hand des Publikums einen sehr großen Betrag ausmachen und dennoch keine zu haben sind."

Geld ist auch während der Panik da; aber jeder hütet sich wohl, es in leihbares Kapital, in leihbares Geld zu verwandeln; jeder hält es fest für wirkliches Zahlungsbedürfnis.

5099. "Die Banken in den ländlichen Bezirken schicken ihre unbeschäftigten Überschüsse an Sie und andre Londoner Häuser? - Jawohl." - 5100. "Auf der andren Saite lassen die Fabrikdistrikte von Lancashire und Yorkshire Wechsel bei Ihnen diskontieren für ihre Geschäftszwecke? - Jawohl." - 5101. "So daß auf diesem Wege das überschüssige Geld eines Landesteils nutzbar gemacht wird für die Anforderungen eines andern Landesteils? - Ganz richtig."

Chapman sagt, die Sitte der Banken, ihr überschüssiges Geldkapital für kürzere Zeit im Ankauf von Konsols und Schatzscheinen anzulegen, habe in der letzten Zeit sehr abgenommen, seitdem es Gebrauch geworden sei, dies Geld at call (von Tag zu Tag, jederzeit rückforderbar) auszuleihn. Er selbst hält den Ankauf solcher Papiere für sein Geschäft für höchst unzweckmäßig. Er legt es deshalb in guten Wechseln an, von denen täglich ein Teil verfällt, so daß er stets weiß, auf wieviel flüssiges Geld er jeden Tag zu rechnen hat. (5101-5105.)

Selbst das Wachsen der Ausfuhr stellt sich mehr oder weniger für jedes Land, zumeist aber für das Land, das Kredit gibt, als wachsende Anforderung auf den inländischen Geldmarkt dar, die aber erst in Zeiten der Klemme als solche gefühlt wird. In Zeiten, wo die Ausfuhr zunimmt, werden gegen Konsignationen britischer Fabrikate in der Regel langsichtige Wechsel von Fabrikanten auf den Exportkaufmann gezogen. (5126.)

5127. "Ist es nicht häufig der Fall, daß ein Übereinkommen existiert, daß diese Wechsel von Zeit zu Zeit erneuert werden?" - [Chapman.] "Dies ist eine Sache, die sie

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uns geheimhalten; wir würden keinen Wechsel derart zulassen ... Es mag sicherlich geschehn, aber ich kann über etwas Derartiges nichts sagen." (Der unschuldige Chapman.) - 5129. "Wenn eine große Zunahme der Ausfuhr stattfindet, wie allein im letzten Jahr von 20 Mill. Pfd.St., führt das nicht von selbst zu einer großen Nachfrage nach Kapital für den Diskonto von Wechseln, die diese Ausfuhren vorstellen? - Unzweifelhaft." - 5130. "Da England in der Regel dem Ausland für alle seine Ausfuhren Kredit gibt, würde das nicht die Absorption eines entsprechenden Zusatzkapitals bedingen für die Zeit, wo dies dauert? - England gibt einen ungeheuren Kredit; aber dagegen nimmt es Kredit für seine Rohstoffe. Man zieht auf uns von Amerika immer auf 60 Tage und von andern Gegenden auf 90 Tage. Auf der andern Saite geben wir Kredit; wenn wir Waren nach Deutschland schicken, geben wir 2 oder 3 Monate."

Wilson fragt Chapman (5131), ob gegen diese importierten Rohstoffe und Kolonialwaren nicht gleichzeitig mit deren Verladung bereits Wechsel auf England gezogen werden und ob sie nicht schon selbst gleichzeitig mit den Ladescheinen ankommen? Chapman glaubt so, weiß nichts von diesen "kaufmännischen" Geschäften, man solle kundigere Leute fragen. - Im Export nach Amerika, sagt Chapman, würden "die Waren im Transit symbolisiert" [5133]; dies Kauderwelsch soll heißen, daß der englische Exportkaufmann gegen die Waren auf eins der großen amerikanischen Bankhäuser in London Viermonatswechsel zieht und das Bankhaus von Amerika Deckung erhält.

5136. "Werden nicht in der Regel die Geschäfte nach weit entlegnen Ländern durch den Kaufmann geführt, der auf sein Kapital wartet, bis die Waren verkauft sind? - Es mag Häuser von großem Privatreichtum geben, die imstande sind, ihr eignes Kapital auszulegen, ohne Vorschüsse auf die Waren zu nehmen; aber diese Waren werden meistens in Vorschüsse verwandelt durch die Akzepte wohlbekannter Firmen." - 5137. "Diese Häuser sind etabliert ... in London, Liverpool und anderswo." - 5138. "Es macht also keinen Unterschied, ob der Fabrikant sein eignes Geld hergeben muß oder ob er einen Kaufmann in London oder Liverpool bekommt, der es vorschießt; es bleibt immer ein in England gemachter Vorschuß? - Ganz richtig. Der Fabrikant hat nur in wenigen Fällen etwas damit zu tun" (dagegen 1847 in fast allen Fällen). "Ein Händler in Fabrikaten, z.B. in Manchester, kauft Waren und verschifft sie durch ein respektables Haus in London; sobald das Londoner Haus sich überzeugt hat, daß alles nach Übereinkunft verpackt ist, zieht er Sechsmonatswechsel auf das Londoner Haus gegen diese nach Indien, China oder sonstwohin gehenden Waren; dann kommt die Bankwelt herein und diskontiert ihm diese Wechsel; so daß um die Zeit, wo er für diese Waren zu zahlen hat, er das Geld bereitliegen hat vermöge der Diskontierung jener Wechsel." - 5139. "Aber wenn jener auch das Geld hat, so hat der Bankier es doch vorschießen müssen? - Der Bankier hat den Wechsel; der Bankier hat den Wechsel gekauft; er verwendet sein Bankkapital in dieser Form, nämlich im Diskontieren von Handelswechseln."

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{Also auch Chapman sieht das Diskontieren von Wechseln nicht als Vorschuß an, sondern als Warenkauf. - F. E.}

5140. "Aber das bildet doch immer einen Teil der Anforderungen an den Geldmarkt in London? - Unzweifelhaft; es ist das die wesentliche Beschäftigung des Geldmarkts und der Bank von England. Die Bank von England ist ebenso froh, diese Wechsel zu bekommen wie wir, sie weiß, daß sie eine gute Anlage sind." - 5141. "Auf die Weise, wie das Exportgeschäft wächst, wächst auch die Nachfrage im Geldmarkt? - Im Maß wie die Prosperität des Landes wächst, nehmen wir" (die Chapmans) "mit teil daran." - 5142. "Wenn also diese verschiednen Felder der Kapitalanlage sich plötzlich ausdehnen, so ist die natürliche Folge ein Steigen des Zinsfußes? - Kein Zweifel daran."

5143 kann Chapman "nicht ganz begreifen, daß bei unsern großen Ausfuhren wir soviel Verwendung für Gold hatten".

5144 fragt der würdige Wilson:

"Kann es nicht sein, daß wir größre Kredite auf unsre Ausfuhr geben, als wir auf unsre Einfuhr nehmen? - Ich selbst möchte diesen Punkt bezweifeln. Wenn jemand gegen seine nach Indien gesandten Manchester-Waren akzeptieren läßt, so können Sie nicht für weniger als 10 Monate akzeptieren. Wir haben, und das ist ganz sicher, Amerika für seine Baumwolle bezahlen müssen, einige Zeit ehe Indien uns bezahlt; aber wie das wirkt, das zu untersuchen, ist ein ziemlich feiner Punkt." - 5145. "Wenn wir, wie im vorigen Jahr, eine Zunahme der Ausfuhr von Manufakturwaren von 20 Mill. Pfd.St. hatten, so müssen wir doch vorher schon eine sehr bedeutende Zunahme der Einfuhr von Rohstoffen gehabt haben" (und schon in dieser Weise ist Überexport identisch mit Überimport, und Überproduktion mit Überhandel), "um diese vermehrte Quantität von Waren zu produzieren? - Unzweifelhaft." - [5146.] "Wir müssen eine sehr beträchtliche Bilanz zu zahlen gehabt haben; d.h. die Bilanz muß während der Zeit gegen uns gewesen sein, aber auf die Dauer ist der Wechselkurs mit Amerika für uns, und wir haben seit längrer Zeit bedeutende Zufuhren von Edelmetall von Amerika erhalten."

5148 fragt Wilson den Erzwucherer Chapman, ob er seine hohen Zinsen nicht als Zeichen großer Prosperität und hoher Profite betrachte. Chapman, offenbar erstaunt über die Naivität dieses Sykophanten, bejaht dies natürlich, ist jedoch aufrichtig genug, folgende Klausel zu machen:

"Es gibt einige, die sich nicht anders helfen können; sie haben Verpflichtungen zu erfüllen, und sie müssen sie erfüllen, ob es profitlich ist oder nicht; aber wenn er dauert" {der hohe Zinsfuß}, "würde er Prosperität anzeigen."

Beide vergessen, daß er auch anzeigen kann, wie 1857 der Fall war, daß die fahrenden Ritter des Kredits das Land unsicher machen, die hohen Zins zahlen können, weil sie ihn aus fremder Tasche zahlen (dabei aber den

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Zinsfuß für alle bestimmen helfen) und inzwischen flott auf antizipierte Profite leben. Gleichzeitig kann grade dies übrigens für Fabrikanten usw. ein wirklich sehr profitables Geschäft abwerfen. Die Rückflüsse werden durch das Vorschußsystem vollständig trügerisch. Dies erklärt auch folgendes, was mit Bezug auf die Bank v. E. keiner Erklärung bedarf, weil sie bei hohem Zinsfuß niedriger diskontiert als die andern.

5156. "Ich kann wohl sagen", sagt Chapman, "daß unsre Diskontobeträge im gegenwärtigen Augenblick, wo wir für so lange Zeit einen hohen Zinsfuß hatten, auf ihrem Maximum sind."

(Dies sagte Chapman am 21. Juli 1857, ein paar Monate vor dem Krach.)

5157. "1852" (wo der Zins niedrig) "waren sie bei weitem nicht so groß."

Weil in der Tat damals das Geschäft noch viel gesunder war.

5159. "Wenn eine große Geldüberflutung auf dem Markt wäre ... und der Bankdiskonto niedrig, würden wir eine Abnahme von Wechseln haben ... 1852 waren wir in einer ganz andern Phase. Die Ausfuhren und Einfuhren des Landes waren damals gar nichts verglichen mit heute." - 5161. "Unter dieser hohen Diskontorate sind unsre Diskontierungen ebenso groß wie 1854." (Wo der Zins 5-5 1/2%.)

Höchst amüsant ist im Zeugenverhör des Chapman, wie diese Leute in der Tat das Geld des Publikums als ihr Eigentum betrachten und ein Recht zu haben glauben auf stete Konvertibilität der von ihnen diskontierten Wechsel. Die Naivetät in den Fragen und Antworten ist groß. Es wird Pflicht der Gesetzgebung, die von großen Häusern akzeptierten Wechsel immer konvertibel zu machen, dafür zu sorgen, daß die Bank von England sie unter allen Umständen den bill-brokers wieder weiter diskontiert. Und dabei fallierten 1857 drei solcher bill-brokers mit ungefähr 8 Millionen und einem gegen diese Schulden verschwindenden eignen Kapital.

5177. "Wollen Sie damit sagen, daß nach Ihrer Meinung sie" (Akzepte von Barings oder Loyds) "zwangsmäßig diskontierbar sein sollten, in der Art wie eine Note der Bank von England jetzt zwangsmäßig gegen Gold einwechselbar ist? - Ich bin der Ansicht, daß es eine sehr beklagenswerte Sache sein würde, wenn sie nicht diskontierbar wären; eine höchst außerordentliche Lage, daß ein Mann die Zahlungen einstellen müßte, weil er Akzepte von Smith, Payne & Co. oder Jones Loyd & Co. besitzt und sie nicht diskontieren kann." - 5178. "Ist nicht das Akzept von Barings eine Verpflichtung, eine gewisse Summe Geldes zu zahlen, wenn der Wechsel verfällt? - Das ist ganz richtig; aber die Herren Baring, wenn sie eine solche Verpflichtung übernehmen, wie jeder Kaufmann, wenn er eine solche Verpflichtung übernimmt, denken nicht im Traum daran, daß sie das werden in Sovereigns bezahlen müssen; sie rechnen darauf, daß sie es im Clearing House bezahlen werden." - 5180. "Meinen Sie dann, es müsse eine Art

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Maschinerie erdacht werden, vermittelst deren das Publikum ein Recht hätte, Geld zu empfangen vor Verfall des Wechsels dadurch, daß jemand anders ihn diskontieren müßte? - Nein, nicht vom Akzeptanten; aber wenn Sie damit meinen, daß wir nicht die Möglichkeit haben sollen, kommerzielle Wechsel diskontiert zu bekommen, dann müssen wir die ganze Verfassung der Dinge ändern." - 5182. "Sie glauben also, er" {ein Handelswechsel} "müßte in Geld konvertibel sein, genauso wie eine Note der Bank von England in Gold konvertibel sein muß? - Ganz entschieden, unter gewissen Umständen." - 5184. "Sie glauben also, daß die Einrichtungen der currency so gestaltet werden müßten, daß ein Handelswechsel von unbezweifelter Solidität zu allen Zeiten ebenso leicht gegen Geld umwechselbar wäre wie eine Banknote? - Das glaube ich." - 5185. "Sie gehn nicht soweit, zu sagen, daß, sei es die Bank von England, sei es irgend jemand anders, gesetzlich gezwungen werden sollte, ihn einzuwechseln? - Ich gehe allerdings so weit, zu sagen, daß, wenn wir ein Gesetz zur Regelung der currency machen, wir Vorkehrungen treffen sollten, die Möglichkeit zu verhindern, daß eine Inkonvertibilität der inländischen Handelswechsel eintritt, soweit diese Wechsel unbezweifelt solid und legitim sind."

Dies ist die Konvertibilität des Handelswechsels gegen die Konvertibilität der Banknote.

5190. "Die Geldhändler des Landes repräsentieren tatsächlich nur das Publikum" -

wie Herr Chapman später vor den Assisen im Fall Davidson. Siehe die Great City Frauds.

5196. "Während der Quartalzeiten" (wenn die Dividenden gezahlt werden) "ist es absolut nötig, daß wir uns an die Bank von England wenden. Wenn Sie aus der Zirkulation 6 oder 7 Millionen Staatseinkommen in Antizipation der Dividenden herausnehmen, so muß irgend jemand da sein, der diesen Betrag in der Zwischenzeit zur Verfügung stellt."

(In diesem Fall handelt es sich also um Zufuhr von Geld, nicht von Kapital oder Leihkapital.)

5169. "Jeder, der unsre Handelswelt kennt, muß wissen, daß, wenn wir in einer solchen Lage sind, daß Schatzscheine unverkäuflich werden, daß Obligationen der Ostindischen Kompanie vollkommen nutzlos sind, daß man die besten Handelswechsel nicht diskontieren kann, eine große Besorgnis herrschen muß bei denen, deren Geschäft sie in den Fall bringt, auf einfaches Verlangen augenblicklich Zahlungen im landesüblichen Zirkulationsmittel zu machen, und dies ist der Fall mit allen Bankiers. Die Wirkung davon ist dann, daß jedermann seine Reserve verdoppelt. Nun sehn Sie mal, was die Wirkung davon im ganzen Lande ist, wenn jeder Landbankier, deren es ungefähr 500 gibt, seinen Londoner Korrespondenten zu beauftragen hat, ihm 5.000 Pfd.St. in Banknoten zu remittieren. Selbst wenn wir eine so kleine Summe als Durchschnitt nehmen, was schon ganz absurd ist, kommen wir auf 2 1/2 Mill. Pfd.St., die der Zirkulation entzogen werden. Wie sollen die ersetzt werden?"

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Andrerseits wollen die Privatkapitalisten etc., die Geld haben, es zu keinem Zins hergeben, denn sie sagen nach Chapman:

5195. "Wir wollen lieber gar keine Zinsen haben, als im Zweifel sein, ob wir das Geld bekommen können, falls wir es brauchen."

5173. "Unser System ist dies: Wir haben 300 Mill. Pfd.St. Verpflichtungen, deren Bezahlung in laufender Landesmünze in einem einzigen gegebnen Moment verlangt werden kann; und diese Landesmünze, wenn wir sie alle darauf verwenden, beträgt 23 Mill. Pfd.St. oder wieviel es sein mag; ist das nicht ein Zustand, der uns jeden Augenblick in Konvulsionen werfen kann?"

Daher in den Krisen der plötzliche Umschlag des Kreditsystems in das Monetarsystem.

Abgesehn von der inländischen Panik in den Krisen, kann von Quantität des Geldes nur die Rede sein, soweit es Metall betrifft, das Weltgeld. Und grade dies schließt Chapman aus, er spricht nur von 23 Mill. Banknoten.

Derselbe Chapman:

5218. "Die ursprüngliche Ursache der Störung im Geldmarkt" {April und später Oktober 1847} "war unbezweifelt in der Menge des Geldes, das erforderlich war, um die Wechselkurse zu regulieren, infolge der außerordentlichen Einfuhren des Jahres."

Erstens war dieser Schatz des Weltmarktsgeldes damals auf sein Minimum reduziert. Zweitens diente er zugleich als Sicherheit für die Konvertibilität des Kreditgeldes, der Banknoten. Er vereinigte so zwei ganz verschiedne Funktionen, die aber beide aus der Natur des Geldes hervorgehn, da das wirkliche Geld stets Weltmarktsgeld ist und das Kreditgeld stets auf dem Weltmarktsgeld beruht.

1847, ohne Suspension des Bankakts von 1844 "hätten die Clearing Houses ihre Geschäfte nicht erledigen können". (5221.)

Daß Chapman doch eine Ahnung der bevorstehenden Krise hatte:

5236. "Es gibt gewisse Lagen des Geldmarktes (und die gegenwärtige ist nicht sehr entfernt davon), wo Geld sehr schwierig ist und man zur Bank seine Zuflucht nehmen muß."

5239. "Was die Summen angeht, die wir von der Bank entnahmen am Freitag, Samstag und Montag, den 19., 20. und 22. Oktober 1847, so wären wir nur zu dankbar gewesen am folgenden Mittwoch, hätten wir die Wechsel zurückbekommen können; das Geld floß augenblicklich zu uns zurück, sobald die Panik vorüber war."

Am Dienstag, 23. Oktober, wurde nämlich der Bankakt suspendiert, und die Krise war damit gebrochen.

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Chapman glaubt 5274, daß die gleichzeitig auf London schwebenden Wechsel 100-120 Mill. Pfd.St. betragen. Dies begreift nicht die Lokalwechsel auf Provinzialplätze.

5287. "Während im Oktober 1856 der Notenbetrag in den Händen des Publikums auf 21.155.000 Pfd.St. stieg, war doch eine ganz außerordentliche Schwierigkeit, Geld zu bekommen; trotzdem daß das Publikum so viel in der Hand hatte, konnten wir es nicht in die Finger bekommen."

Nämlich infolge der Besorgnisse, erzeugt durch die Klemme, in der sich die Eastern Bank eine Zeitlang (März 1856) befunden hatte.

5290. Sobald die Panik einmal vorüber,

"fangen alle Bankiers, die ihren Profit aus dem Zins machen, sofort an, ihr Geld zu beschäftigen".

5302. Chapman erklärt die Beunruhigung bei Abnahme der Bankreserve nicht aus Furcht wegen der Depositen, sondern weil alle diejenigen, die große Geldsummen plötzlich zu zahlen in den Fall kommen können, sehr wohl wissen, daß sie zur Bank als letzter Hilfsquelle bei Klemme im Geldmarkt getrieben werden können; und

"wenn die Bank eine sehr kleine Reserve hat, ist sie nicht erfreut, uns zu empfangen, im Gegenteil".

Es ist übrigens schön, wie die Reserve als faktische Größe verschwindet. Die Bankiers halten ein Minimum für ihr laufendes Geschäft teils bei sich, teils bei der Bank von England. Die bill-brokers halten das "lose Bankgeld des Landes" ohne Reserve. Und die Bank v. E. hat gegen ihre Depositenschulden nur die Reserve der Bankiers und anderer, nebst public deposits <Staatsdepositen> etc., die sie auf den niedrigsten Punkt kommen läßt, z.B. bis auf 2 Mill. Außer diesen 2 Mill. Papier hat daher dieser ganze Schwindel, in Zeiten der Klemme (und diese vermindert die Reserve, weil die Noten, die gegen abfließendes Metall eingehn, annulliert werden müssen) absolut keine andre Reserve als den Metallschatz, und daher steigert jede Verminderung desselben durch Goldabfluß die Krise.

5306. "Wenn kein Geld vorhanden wäre, um die Ausgleichungen im Clearing House zu erledigen, so sehe ich nicht, daß uns etwas andres übrigbliebe, als zusammenzukommen und unsre Zahlungen in Primawechseln zu machen, Wechseln auf das Schatzamt, Smith, Payne & Co. etc." - 5307. "Also, falls die Regierung ermangelte, Sie mit Zirkulationsmitteln zu versehn, würden Sie eins für sich selbst schaffen? - Was können wir tun? Das Publikum kommt herein und nimmt uns das Zirkulationsmittel

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aus der Hand; es existiert nicht." - 5308. "Sie würden also bloß das in London tun, was man in Manchester jeden Tag tut? - Jawohl."

Sehr gut ist die Antwort Chapmans auf die Frage, die Cayley (Birmingham-man der Attwoodschen Schule) mit Bezug auf Overstones Vorstellung von Kapital stellt:

5315. "Es ist vor dem Komitee ausgesagt worden, daß in einer Klemme, wie die von 1847, man sich nicht nach Geld umsieht, sondern nach Kapital; was ist Ihre Meinung darüber? - Ich verstehe Sie nicht; wir handeln nur in Geld; ich verstehe nicht, was Sie damit meinen." - 5316. "Wenn Sie darunter" (kommerzielles Kapital) "die Menge des ihm selbst gehörigen Geldes verstehn, das ein Mann in seinem Geschäft hat, wenn Sie das Kapital nennen, so bildet das meistens einen sehr geringen Teil des Geldes, womit er in seinen Geschäften wirtschaftet, vermittelst des Kredits, den ihm das Publikum gibt" - durch die Vermittlung der Chapmans.

5339. "Ist es Mangel an Reichtum, daß wir unsre Barzahlungen suspendieren? - Keineswegs; ... wir haben keinen Mangel an Reichtum, sondern wir bewegen uns unter einem höchst künstlichen System, und wenn wir eine ungeheure drohende (superincumbent) Nachfrage nach unserm Zirkulationsmittel haben, so mögen Umstände eintreten, die uns verhindern, dieses Zirkulationsmittels habhaft zu werden. Soll deswegen die ganze kommerzielle Industrie des Landes lahmgelegt werden? Sollen wir alle Zugänge der Beschäftigung zuschließen?" - 5338. "Sollten wir vor die Frage gestellt werden, was wir aufrechterhalten wollen, die Barzahlungen oder die Industrie des Landes, so weiß ich, welches von beiden ich fallen ließe."

Über Aufschatzung von Banknoten "mit der Absicht, die Klemme zu verschärfen und von den Folgen Nutzen zu ziehn" (5358), sagt er, daß dies sehr leicht geschehn kann. Drei große Banken würden dazu hinreichen.

5383. "Muß es Ihnen nicht bekannt sein, als einem mit den großen Geschäften unsrer Hauptstadt vertrauten Mann, daß Kapitalisten diese Krisen benutzen, um enorme Profite zu machen aus dem Ruin derjenigen, die zum Opfer fallen? - Daran kann kein Zweifel sein."

Und Herrn Chapman dürfen wir dies glauben, obwohl er schließlich über dem Versuch, "aus dem Ruin der Opfer enorme Profite zu machen", kommerziell den Hals gebrochen hat. Denn wenn sein Associé Gurney sagt: jede Änderung im Geschäft ist vorteilhaft für den, der Bescheid weiß, so sagt Chapman:

"Der eine Teil der Gesellschaft weiß nichts vom andern; da ist z.B. der Fabrikant, der nach dem Kontinent exportiert oder seinen Rohstoff importiert, er weiß nichts von dem andern, der in Goldbarren macht." (5046.)

Und so geschah es, daß eines Tags Gurney und Chapman selbst nicht "Bescheid wußten" und einen berüchtigten Bankrott machten.

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Wir sahen schon oben, daß Ausgabe von Noten nicht in allen Fällen Vorschuß von Kapital bedeutet. Die jetzt folgende Aussage von Tooke vor dem C.D. Ausschuß der Lords 1848 beweist nur, daß Kapitalvorschuß, selbst wenn von der Bank durch Ausgabe neuer Noten bewerkstelligt, nicht ohne weiteres eine Vermehrung der Menge der umlaufenden Noten bedeutet:

3099. "Glauben Sie, daß die B. v. E. z.B. ihre Vorschüsse bedeutend erweitern könne, ohne daß dies zu vermehrter Notenausgabe führte? - Es liegen Tatsachen im Überfluß vor, die dies beweisen. Eins der schlagendsten Beispiele war 1835, wo die Bank von den westindischen Depositen und von der Anleihe bei der Ostindischen Kompanie Gebrauch machte zu vermehrten Vorschüssen ans Publikum; da nahm zur selben Zeit der Notenbetrag in den Händen des Publikums tatsächlich etwas ab ... Etwas Ähnliches ist bemerkbar 1846 zur Zeit der Einzahlungen der Eisenbahndepositen in die Bank; die Wertpapiere" (in Diskonto und Depot) "stiegen auf ungefähr 30 Mill., während keine merkliche Wirkung eintrat auf den Notenbetrag in der Hand des Publikums."

Neben den Banknoten aber hat der Großhandel ein zweites und für ihn weit wichtigeres Zirkulationsmittel: die Wechsel. Herr Chapman hat uns gezeigt, wie wesentlich es ist für einen regelmäßigen Geschäftsgang, daß gute Wechsel überall und unter allen Umständen in Zahlung genommen werden: "Gilt nicht mehr der Tausves Jontof, was soll gelten, Zeter, Zeter!" Wie verhalten sich nun diese beiden Umlaufsmittel zueinander?

Gilbart sagt hierüber:

"Die Beschränkung des Betrags der Notenzirkulation vermehrt regelmäßig den Betrag der Wechselzirkulation. Die Wechsel sind zweierlei Art - Handelswechsel und Bankierwechsel - ... wird das Geld selten, so sagen die Geldverleiher: 'Ziehen Sie auf uns, und wir werden akzeptieren', und wenn ein Provinzialbankier einem Kunden einen Wechsel diskontiert, so gibt er ihm nicht bares Geld, sondern seine eigne Tratte für 21 Tage auf seinen Londoner Agenten. Diese Wechsel dienen als ein Zirkulationsmittel." (J. W. Gilbart, "An Inquiry into the Causes of the Pressure etc.", p.31.)

Dies wird, in etwas modifizierter Form, bestätigt durch Newmarch,

B.A. 1857, Nr. 1426:

"Es besteht kein Zusammenhang zwischen den Schwankungen im Betrag der zirkulierenden Wechsel und denen in den zirkulierenden Banknoten ... das einzige ziemlich gleichmäßige Resultat ist ... daß, sobald die geringste Klemme im Geldmarkt eintritt, wie eine Steigerung der Diskontrate sie anzeigt, der Umfang der Wechselzirkulation bedeutend vermehrt wird und umgekehrt."

Die in solchen Zeiten gezognen Wechsel sind aber keineswegs nur die kurzen Bankwechsel, die Gilbart erwähnt. Im Gegenteil, es sind zum großen

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Teil Akkommodationswechsel, die gar kein wirkliches Geschäft repräsentieren oder nur Geschäfte, die bloß eingeleitet wurden, um daraufhin Wechsel ziehen zu können; von beidem haben wir Beispiele genug gegeben. Daher sagt der "Economist" (Wilson), die Sicherheit solcher Wechsel vergleichend mit der der Banknoten:

"Bei Vorzeigung zahlbare Banknoten können nie im Übermaß draußen bleiben, weil das Übermaß immer zur Bank zur Auswechslung zurückfließen würde, während Zweimonatswechsel in großem Übermaß ausgegeben werden können, da es kein Mittel gibt, die Ausgabe zu kontrollieren, bis sie verfallen, wo sie dann vielleicht schon wieder durch andre ersetzt sind. Daß eine Nation die Sicherheit der Zirkulation von Wechseln, zahlbar an einem künftigen Termin, zugeben, dagegen aber Bedenken erheben sollte gegen eine Zirkulation von Papiergeld, zahlbar bei Vorzeigung, ist für uns vollständig unbegreiflich. ("Economist", 1847, p. 575.)

Die Menge der zirkulierenden Wechsel ist also, wie die der Banknoten, lediglich bestimmt durch die Bedürfnisse des Verkehrs; in gewöhnlichen Zeiten zirkulierten in den fünfziger Jahren im Vereinigten Königreich neben 39 Mill. Banknoten ungefähr 300 Mill. Wechsel, davon 100-120 Mill. auf London allein. Der Umfang, worin die Wechsel zirkulieren, hat keinen Einfluß auf den Umfang der Notenzirkulation und wird von diesem letzteren beeinflußt nur in Zeiten der Geldknappheit, wo die Quantität der Wechsel zunimmt und ihre Qualität sich verschlechtert. Endlich, im Moment der Krise, versagt die Wechselzirkulation gänzlich; kein Mensch kann Zahlungsversprechen brauchen, da jeder nur Barzahlung nehmen will; nur die Banknote bewahrt, wenigstens bis jetzt in England, die Umlaufsfähigkeit, da die Nation mit ihrem Gesamtreichtum hinter der Bank von England steht.

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Wir haben gesehn, wie selbst Herr Chapman, der doch 1857 selbst ein Magnat auf dem Geldmarkt war, sich bitter darüber beklagt, daß es in London mehrere große Geldkapitalisten gebe, stark genug, um in einem gegebnen Moment den ganzen Geldmarkt in Unordnung zu bringen und dadurch die kleineren Geldhändler schmählichst zu schröpfen. So gebe es mehrere solche große Haifische, die eine Klemme bedeutend verschärfen könnten, indem sie 1-2 Millionen Konsols verkauften und dadurch einen gleichen Betrag von Banknoten (und gleichzeitig von disponiblem Leihkapital) aus dem Markt nähmen. Durch ein gleiches Manöver eine Klemme in eine Panik zu verwandeln, dazu würde das Zusammenwirken dreier großer Banken hinreichen.

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Die größte Kapitalmacht in London ist natürlich die Bank von England, die aber durch ihre Stellung als halbes Staatsinstitut in die Unmöglichkeit versetzt ist, ihre Herrschaft in so brutaler Weise kundzutun. Trotzdem weiß auch sie Mittel und Wege genug - namentlich seit dem Bankakt von 1844 -, wie sie ihr Schäfchen ins trockne bringt.

Die Bank von England hat ein Kapital von 14.553.000 Pfd.St. und verfügt außerdem über zirka 3 Millionen Pfd.St. "Rest", d.h. unverteilte Profite, sowie über alle bei der Regierung für Steuern etc. eingehenden Gelder, die bei ihr deponiert werden müssen, bis sie gebraucht werden. Rechnet man hierzu noch die Summe der sonstigen Depositengelder (in gewöhnlichen Zeiten etwa 30 Mill. Pfd.St.) und der ungedeckt ausgegebnen Banknoten, so wird man Newmarchs Schätzung noch ziemlich mäßig finden, wenn dieser (B.A. 1857, Nr. 1889) sagt:

"Ich habe mich überzeugt, daß die Gesamtsumme der fortwährend im" {Londoner} "Geldmarkt beschäftigten Fonds auf ungefähr 120 Mill. Pfd.St. angeschlagen werden kann; und von diesen 120 Millionen verfügt die Bank v. E. über einen sehr bedeutenden Teil, gegen 15-20%."

Soweit die Bank Noten ausgibt, die nicht durch den Metallschatz in ihren Gewölben gedeckt sind, kreiert sie Wertzeichen, die nicht nur Umlaufsmittel, sondern auch zusätzliches - wenn auch fiktives - Kapital für sie bilden zum Nominalbetrag dieser ungedeckten Noten. Und dies Zusatzkapital wirft ihr einen zusätzlichen Profit ab. - B. A. 1857 fragt Wilson den Newmarch:

1563. "Die Zirkulation der eignen Banknoten einer Bank, d.h. der durchschnittlich in den Händen des Publikums verbleibende Betrag, bildet einen Zusatz zum effektiven Kapital jener Bank, nicht wahr? - Ganz gewiß." - 1564. "Aller Profit also, den die Bank aus dieser Zirkulation zieht, ist ein Profit, der vom Kredit und nicht von einem von ihr wirklich besessenen Kapital herstammt? - Ganz gewiß."

Dasselbe gilt natürlich auch für die Noten ausgebenden Privatbanken. In seinen Antworten Nr. 1866-1868 betrachtet Newmarch zwei Drittel aller von diesen ausgegebnen Banknoten (für das letzte Drittel müssen diese Banken Metallreserven halten) als "Schöpfung von so viel Kapital", weil Hartgeld zu diesem Betrag erspart wird. Der Profit des Bankiers mag deshalb nicht größer sein als der Profit andrer Kapitalisten. Die Tatsache bleibt, daß er den Profit zieht aus dieser nationalen Ersparung von Hartgeld. Daß eine nationale Ersparung als Privatprofit erscheint, schockiert gar nicht den bürgerlichen Ökonomen, da der Profit überhaupt Aneignung nationaler Arbeit ist. Gibt es etwas Verrückteres, als z.B. die Bank von England 1797

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bis 1817, deren Noten nur durch den Staat Kredit haben und die sich dann vom Staat, also vom Publikum, in der Form von Zinsen für Staatsanleihen, bezahlen läßt für die Macht, die der Staat ihr gibt, diese selben Noten aus Papier in Geld zu verwandeln und sie dann dem Staat zu leihen?

Die Banken haben übrigens noch andre Mittel, Kapital zu kreieren. Nach demselben Newmarch haben die Provinzialbanken, wie schon oben erwähnt, die Gepflogenheit, ihre überflüssigen Fonds (d.h. Noten der B. v. E.) an Londoner bill-brokers zu schicken, die ihnen dagegen diskontierte Wechsel zurückschicken. Mit diesen Wechseln bedient die Bank ihre Kunden, da es Regel für sie ist, die von ihren Lokalkunden empfangnen Wechsel nicht wieder auszugeben, damit nicht die Geschäftsoperationen dieser Kunden in ihrer eignen Nachbarschaft bekannt werden. Diese von London erhaltnen Wechsel dienen nicht nur dazu, an Kunden ausgegeben zu werden, die direkt Zahlungen in London zu machen haben, falls diese nicht vorziehn, sich von der Bank eine eigne Anweisung auf London ausstellen zu lassen; sie dienen auch zur Erledigung von Zahlungen in der Provinz, denn das Endossement des Bankiers sichert ihnen den lokalen Kredit. Sie haben so, z.B. in Lancashire, alle eignen Noten von Lokalbanken und einen großen Teil der Bank-v.-E.-Noten aus der Zirkulation verdrängt. (ibidem, Nr. 1568 bis 1574.)

Wir sehn hier also, wie die Banken Kredit und Kapital kreieren: 1. Durch Ausgabe eigner Banknoten; 2. durch Ausstellung von Anweisungen auf London mit bis zu 21 Tagen Laufzeit, die ihnen aber bei Ausstellung gleich bar bezahlt werden; 3. durch Wegzahlung diskontierter Wechsel, deren Kreditfähigkeit zunächst und wesentlich, wenigstens für den betreffenden Lokalbezirk, durch das Endossement der Bank hergestellt wurde.

Die Macht der Bank von England zeigt sich in ihrer Regulierung der Marktrate des Zinsfußes. In Zeiten normalen Geschäftsverlaufs kann es vorkommen, daß die Bank v. E. einem mäßigen Goldabfluß aus ihrem Metallschatz nicht durch Erhöhung der Diskontorate (12) einen Riegel vor-

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(12) In der Generalversammlung der Aktionäre der Union Bank of London am 17. Jan. 1894 erzählt der Präsident Herr Ritchie, die Bank v. E. habe 1893 den Diskonto von 21/2% (Juli) im August auf 3 und 4%, und da sie trotzdem in vier Wochen volle 41/2 Mill. Pfd.St. Gold verloren, auf 5% erhöht, worauf Gold zurückfloß und die Bankrate im Sept. auf 4, im Oktober auf 3% herabgesetzt wurde. Aber diese Bankrate sei im Markt nicht anerkannt worden. "Als die Bankrate 5% war, war die Marktrate 31/2% und die Rate für Geld 21/2%; als die Bankrate auf 4% fiel, war die Diskontorate 21/2% und die Geldrate 13/4%; als die Bankrate 3%, war die Diskontorate 11/2% und die Geldrate eine Kleinigkeit niedriger." ("Daily News", 18. Jan. 1894.) - F. E.

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schieben kann, weil der Bedarf an Zahlungsmitteln durch die Privat- und Aktienbanken und bill-brokers, die in den letzten dreißig Jahren bedeutend an Kapitalmacht gewonnen, befriedigt wird. Sie hat dann andre Mittel anzuwenden. Aber für kritische Momente gilt noch immer, was der Bankier Glyn (von Glyn, Mills, Currie & Co.) vor dem C.D. 1848/1857) aussagte:

1709. "In Zeiten großer Klemme im Lande kommandiert die Bank v. E. den Zinsfuß." - 1710. "In Zeiten außerordentlicher Klemme, ... wenn die Diskontierungen der Privatbankiers oder Brokers verhältnismäßig eingeschränkt werden, fallen sie auf die Bank v. E., und dann hat sie die Macht, die Marktrate des Zinsfußes festzustellen."

Allerdings darf sie, als öffentliches Institut unter Staatsschutz und mit Staatsprivilegien, diese ihre Macht nicht schonungslos ausnutzen, wie die Privatgeschäfte sich dies erlauben dürfen. Deshalb sagt auch Hubbard vor dem Bankkomitee B.A. 1857:

2844. (Frage:) "Ist es nicht der Fall, daß, wenn die Diskontorate am höchsten, dann die Bank von England am wohlfeilsten bedient, und wenn am niedrigsten, dann die Brokers am wohlfeilsten? " - (Hubbard:) "Das wird immer der Fall sein, denn die Bank v. E. geht nie so sehr herunter wie ihre Konkurrenten, und wenn die Rate am höchsten, geht sie nie ganz so hoch hinauf."

Trotzdem aber ist es ein ernsthaftes Ereignis im Geschäftsleben, wenn die Bank in Zeiten der Klemme, nach dem landläufigen Ausdruck, die Schraube anzieht, d.h. den schon über dem Durchschnitt stehenden Zinsfuß noch höher setzt.

"Sobald die Bank v. E. die Schraube anzieht, hören alle Einkäufe für Ausfuhr ins Ausland auf ... die Exporteure warten, bis die Depression der Preise den niedrigsten Punkt erreicht hat, und erst dann und nicht früher kaufen sie ein. Aber wenn dieser Punkt erreicht ist, sind die Kurse schon wieder geregelt - Gold hört auf, exportiert zu werden, ehe dieser niedrigste Punkt der Depression erreicht ist. Warenkäufe für Export können möglicherweise einen Teil des auswärts gesandten Goldes zurückbringen, aber sie kommen zu spät, den Abfluß zu verhindern." (J. W. Gilbart, "An Inquiry into the Causes of the Pressure on the Money Market", London 1840, p. 35.) "Eine andre Wirkung der Regulierung des Zirkulationsmittels vermittelst der auswärtigen Wechselkurse ist, daß sie in Zeiten der Klemme einen enormen Zinsfuß herbeiführt." (l.c.p. 40.) "Die Kosten, die aus der Wiederherstellung der Wechselkurse entstehn, fallen auf die produktive Industrie des Landes, während im Verlauf dieses Prozesses der Profit der Bank v. E. positiv dadurch gesteigert wird, daß sie ihr Geschäft mit einem geringern Betrag von Edelmetall fortführt." (l.c. p. 52.)

Aber, sagt Freund Samuel Gurney,

"diese großen Schwankungen des Zinsfußes sind den Bankiers und Geldhändlern vorteilhaft - alle Schwankungen im Geschäft sind vorteilhaft für den, der Bescheid weiß".

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Und wenn auch die Gurneys den Rahm der rücksichtslosen Ausbeutung der Geschäftsnotlage abschöpfen, während die Bank v. E. sich dies nicht mit derselben Freiheit erlauben darf, so fallen auch für sie ganz hübsche Profite ab - von den Privatprofiten nicht zu sprechen, die den Herren Direktoren, infolge ihrer ausnahmsweisen Gelegenheit zur Kenntnisnahme der allgemeinen Geschäftslage, von selbst in den Schoß fallen. Nach Angabe vor dem Lord's Committee 1817 bei Wiederaufnahme der Barzahlungen, betrugen diese Profite der Bank von England für die gesamte Zeit von 1797-1817:

Bonuses and increased dividends <Extraausschüttungen und Dividendenerhöhungen> 7.451.136
New stock divided among proprietors <Neue Aktien, verteilt an die Aktionäre> 7.276.500
Increased value of capital <Wertzuwachs des Kapitals> 14.553.000

Summa 29.280.636

auf ein Kapital von 11.642.400 Pfd.St. in 19 Jahren. (D. Hardcastle, "Banks and Bankers", 2nd ed., London 1843, p. 120.) Schätzen wir den Totalgewinn der Bank von Irland, die auch 1797 die Barzahlungen suspendierte, nach demselben Prinzip, so erhalten wir folgendes Resultat:

Dividends as by returns due 1821 < 1821 fällige Dividenden> 4.736.085
Declared Bonus <Extraausschüttung> 1.225.00
Increased assets <Zunahme der Aktiva> 1.214.800
Increased value of capital <Wertzuwachs des Kapitals> 4.185.00

Summa 11.360.885

auf ein Kapital von 3 Mill. Pfd.St. (ibidem, p. 363, 364.)

Man spreche noch von Zentralisation! Das Kreditsystem, das seinen Mittelpunkt hat in den angeblichen Nationalbanken und den großen Geldverleihern und Wucherern um sie herum, ist eine enorme Zentralisation und gibt dieser Parasitenklasse eine fabelhafte Macht, nicht nur die industriellen Kapitalisten periodisch zu dezimieren, sondern auf die gefährlichste Weise in die wirkliche Produktion einzugreifen - und diese Bande weiß nichts von der Produktion und hat nichts mit ihr zu tun. Die Akte von 1844 und 1845 sind Beweise der wachsenden Macht dieser Banditen, an die sich die Finanziers und stock-jobbers anschließen.

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Wenn aber noch jemand zweifelt, daß diese ehrbaren Banditen die nationale und internationale Produktion ausbeuten nur im Interesse der Produktion und der Ausgebeuteten selbst, der wird sicher eines Bessern belehrt durch folgenden Exkurs über die hohe sittliche Würde des Bankiers:

"Die Banketablissements sind religiöse und moralische Institutionen. Wie oft hat die Furcht, durch das wachsame und mißbilligende Auge seines Bankiers gesehn zu werden, den jungen Handelsmann abgeschreckt von der Gesellschaft lärmender und ausschweifender Freunde? Welche Angst hat er, gut in der Achtung des Bankiers zu stehn, immer respektabel zu erscheinen! Das Stirnrunzeln des Bankiers hat mehr Einfluß auf ihn, als die Moralpredigten seiner Freunde; zittert er nicht, im Verdacht zu stehn, sich einer Täuschung oder der kleinsten unrichtigen Aussage schuldig gemacht zu haben, aus Furcht, dies könne Verdacht erregen, und infolgedessen könne seine Bankakkommodation beschränkt oder gekündigt werden! Der Rat des Bankiers ist ihm wichtiger als der des Geistlichen." (G. M. Bell, schottischer Bankdirigent, The Philosophy of Joint Stock Banking", London 1840, p. 46, 47.)



Datum der letzten Änderung : Jena, den : 20.03.2013