Dorndorf

Die Siedlung Dorndorf entstand wahrscheinlich nach dem Bau der Dornburg anfangs des 10. Jahrhunderts durch König Heinrich l., an der Saale, damals Grenzfluss zwischen germanischen und slawischen Siedlungsgebieten. Die erste urkundliche Erwähnung findet sie 1227 im Beleg für die Übereignung einer Dorndorfer Mühle durch Tuto von Tautenburg an das Kloster Schulpforte. Flussaufwärts gab es da schon eine hölzerne Brücke und in deren Nähe, über dem Rahn, eine St. Nikolaus, dem Schutzpatron aller „Reisenden" und Landstreicher, geweihte Kapelle. Beide Bauwerke verfielen, als sich die Siedler an einer Furt saaleabwärts niederließen, wo sie 1263 eine neue, mit Geld aus der Ablasskasse bezahlte Holzbrücke zimmerten, über die dann die wichtige „Frankenstraße" von Nürnberg nach Leipzig führte. 1890 riss das Hochwas- ser die Brücke fort. An ihrer Stelle entstand im gleichen Jahr die Carl-Alexander-Brücke, als Stahlkonstruktion auf drei gemauerten Pfeilern, heute Technisches Denkmal und rekonstruktionsbedürftig.

In die Zeit des Brückenbaus 1263 fällt wohl auch der Bau einer Kirche „St. Peter an der Brücke". So nennt man sie ab und an heute noch und die Dorndorfer „die Brückschen". Für ihre Seelen sorgte jedenfalls 1257 ein Pfarrer namens Johann von Dorndorf. Die Kirche stand unter der Schutzherrschaft des Zisterzienser Nonnenklosters Prießnitz, die sogar die Reformation um hundert Jahre überdauerte. Während des Schmalkaldischen (Religions)Krieges verwüsteten spanische Söldner Kaiser Karls 1547 Domdorf und zerstörten die Kirche. Die Dorndorfer bauten am jetzigen Standort, vermutlich auf der Ruine, unter großen Entbehrungen eine neue. Ähnliches geschah 1693/94 nach Beschädigungen im Dreißigjährigen (Religions)Krieg, dann 1704 und 1719 nach verheerenden Dorfbränden. Am 2. Oktober 1704 hatte das Feuer „so um sich gefressen, dass die Pfarrei, die Schule und noch 30 Häuser in Asche gelegt... worden". Die Kirche erlitt erheblichen Schaden.

An Stelle der beschädigten Holzkirche entstand 1725/27 der heutige Steinbau. Damals entstand auch der prachtvolle barocke Kanzelaltar, der sich in drei Etagen die gesamte Ostwand ausfüllt. Vor dem „Erdgeschoss" mit von Vorhängen verhängten Durchgängen zu Sakristei und Kanzel steht der Altartisch. Bei liturgischen Handlungen wendet sich der Pfarrer im lutherischen Sinne den Andächtigen zu. Vom erhabenen Ort der Kanzel darüber verkündet er das Wort Gottes. Ihm zur Seite stehen zwei Predigerstatuen, die das Alte und das Neue Testament verkörpern. Inschriften fordern zu Demut auf und dazu, in der Schrift nach dem Sinn des Lebens zu forschen. Über allem triumphiert der Auferstandene mit der Siegesfahne unter der Sonnenglorie. Von der Leben spendenden Sonne herab zum Fuße des Altars ranken sich links Kornähren und rechts Weintrauben, Symbole für Brot und Wein - Leib und Blut Christi. Nahe am Altar kniet ein Taufengel, als Mittler zwischen Gott und den Menschen, von Kindheit an.

Die Westempore trägt eine wertvolle frühromantische Orgel. Eine Inschrift des „Johann Christian Adam Gerhard, Orgelbaumeister in Dorndorf neben Gasthof" lautet: „Im Jahre 1817 wurde diese Orgel von den Gebr. Gerhard, wo ich als Ältester allhier wohnhaft war und mein Bruder in Merseburg wohnte, erbauet". Die Orgel kostete 820 Thaler. Wegen der allgemeinen Teuerung mussten die Orgelbauer dabei zum vereinbarten Preis 100 Taler zusetzen. Mit den beiden Brüdern der dritten Generation endete die Orgelbauersippe der Gerhards.

Zwei Dorndorfer Pfarrer erlangten überregional Bedeutung. Der „Kaiserlich Gekrönte Poet" Johann Georg Lippold, von 1697 bis 1700 hier Seelsorger, verfasste vermutlich den Text für das erste deutschsprachige Oratorium, von ihm erdacht als Libretto für ein geistliches Singe-Spiel „Die Bethränte Unschuld Des Leidenden Jesu", plagiiert vom Jenaer Geistlichen Johann Christoph Wentzel und dem Hamburger Organisten Georg Bronner. Friedrich Gegarten, 1925 bis 1931 in Dorndorf, gilt als bedeutender Religionsphilosoph und trat an der Kanzel und in seinen zahlreichen Schriften für eine dialektische, liberale Theologie und eine „entsakramentierte", moderne säkulare Kirche ein. Er studierte in Jena, Berlin und Heidelberg, wirkte in Breslau, Glasgow, Madison, New Jersey und zuletzt in Göttingen. Sein Buch „Politische Ethik" ging 1933 mit in Flammen auf. 1957 erhielt er das Große Verdienstkreuz, 1967 den Stern dazu. Natürlich kam auch Goethe gelegentlich von Dornburg herüber und ließ sich u. a. im Pfarrgarten vom Pfarrkandidaten Adam Christian Klopfleisch die Bienenzucht erläutern.

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Datum der letzten Änderung : Jena, den : 30.03.2014